Wittstock (Dosse): Der AfD die rote Karte gezeigt

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Anlässlich einer öffentlichen Kundgebung der AfD in Wittstock (Dosse) kam es am Montagabend zu lautstarken Protesten. Ungefähr 50 Menschen aus Zivilgesellschaft und antifaschistischen Gruppen hatten sich zu einer Gegenveranstaltung versammelt und lautstark ihre Ablehnung gegenüber der rechtspopulistischen Partei zum Ausdruck gebracht.

Die AfD ihrerseits zog ungefähr 40 Personen aus den Landkreisen Ostprignitz-Ruppin, Prignitz und Havelland zu ihrer einstündigen Kundgebung, darunter auch Sympathisierende der extrem rechten Vereinigungen „Bärgida“ und „Identitäre Bewegung“. Außerdem versammelte sich eine kleine Abordnung des Wittstocker Neonazimilieus am Rande der Veranstaltung.

Die Versammlung der AfD begann mit dem Abspielen der Brandenburg-Hymne und endete nach einer Stunde mit dem „Deutschlandlied“ (Hinweis zu diesem Satz siehe unten).

Dazwischen wurden drei Redebeiträge, u.a. durch die EU-Parlamentarierin Beatrix von Storch, gehalten.

Enthielten die Reden der AfD Funktionäre menschenfeindliche Passagen, zeigten Teile der Zivilgesellschaft, in Anlehnung des Erteilens eines Platzverweises beim Fußball, zuvor verteilte rote Karten.

Die AfD zeigte sich jedoch einmal mehr beratungsresistent und kündigte weitere Versammlungen an. Am 22. Mai 2017 beabsichtigt die rechtspopulistische Partei, gemäß Ankündigung, beispielsweise in Wittenberge (Landkreis Prignitz) eine Veranstaltung abzuhalten.

Hinweis:

Der im Abschnitt oben gekennzeichnete Satz wurde geändert. Es ist strittig ob vom „Deutschlandlied“ drei oder nur die letzte Strophe abgespielt worden sind. Nach Ansicht eines Sprechers des AfD KV OPR soll nur die letzte Strophe abgespielt worden sein.

Fotos (36) auf Flickr:

2017.05.08 Wittstock_Dosse AfD Kundgebung und Proteste (14)

Der braune 1. Mai im Rückblick: Brandenburger Neonazis zog es vor allem nach Halle (Saale)

An den bundesweiten Aktionen des neonazistischen Milieus anlässlich des Tages der Arbeit beteiligte sich auch eine zweistellige Anzahl Brandenburger Neonazis in mindestens vier Bundesländern. Deutlicher Schwerpunkt der Aktivitäten war das Geschehen um den so genannten „Tag der deutschen Arbeit (TDDA)“ im sachsen-anhaltinischen Halle (Saale).  Weiterhin beteiligten sich Brandenburger Neonazis aber auch an größeren Aufmärschen in Gera (Thüringen) und Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern). Im Land Brandenburg selber veranstaltete das neonazistische Milieu lediglich eine kleinere Kundgebung in Frankfurt (Oder).

Militante Neonazis aus NPD und „Freien Kräften“ zog es zum „TDDA“ nach Halle (Saale)

Für den „Tag der deutschen Arbeit“  in Halle (Halle) hatte bundesweit vor allem die Partei „Die Rechte“ und ihr nahe Strukturen geworben. Ihre Absicht lag in der Veranstaltung einer zentralen und organisationsübergreifenden Versammlung mit einem betont kämpferischen Aspekt.

Erwünscht war diesbezüglich auch die Teilnahme des so genannten „Antikapitalistischen Kollektives (AKK)“, einer Vernetzung von „Autonomen Nationalisten“, welche in der Vergangenheit bei Erste-Mai-Veranstaltungen des III. Weges in Saalfeld (Thüringen) und Plauen (Sachsen) die Auseinandersetzung mit der Polizei suchten, dadurch den Abbruch der angemeldeten Versammlungen verursachten und sich letztendlich deswegen mit den Veranstaltenden überwarfen.

Auch im Vorfeld des TDDA in Halle (Saale) hatte das AKK angedeutet notfalls auf Militanz zur Durchsetzung des Aufmarsches zu setzen.

Während der III. Weg bei seiner Distanz zu den „Autonomen Nationalisten“ blieb und auf einen, im Vergleich zu den Vorjahren, kleineren Aufmarsch setzte, hatten die „Die Rechte“ und selbst die Brandenburger NPD offenbar keine Berührungsängste gemeinsam mit dem militanten schwarzen (Nazi-)block aufzutreten.

2017.05.01 Halle Saale Neonaziversammlung Hauptbahnhof (55)
NPD Kommunalpolitiker aus Brandenburg während des Aufmarsches zum „TDDA“ in Halle (Saale): Dave Trick (2.v.l.), Manuela Kokott (4.v.l.) und Benjamin Mertsch (1.v.r.). Ebenfalls im Bild: NPD Anhänger Alexander B. (rechts neben Kokott) sowie Sympathisierende der Brandenburger JN (im Hintergrund)

Zum geplanten Aufmarsch in Halle (Saale) reisten so sogar brandenburgische Kommunalpolitiker der „Nationaldemokraten“, wie beispielsweise Benjamin Mertsch (Kreistagsabgeordneter Landkreis Spree-Neiße), Manuela Kokott (Gemeindevertreterin Spreenhagen) und Dave Trick (Stadtverordneter Neuruppin), an. Sie kamen gemeinsam mit weiteren NPD Funktionären aus Brandenburg, wie Markus N. (Stadtverordneter Guben 2008-2014), Alexander B. (Kandidat Stadtverordnetenversammlung Guben 2008) sowie Frank O. und Alexander Kevin P. vom Kreisverband Oderland und Pierre B. vom Kreisverband Havel-Nuthe sowie Sympathisierenden der JN.

Bezeichnend dabei ist, dass fünf der acht genannten brandenburgischen NPD Funktionäre in der Vergangenheit mindestens gewalttätig in Erscheinung getreten waren. Alexander B. war Hauptakteur der ausländerfeindlichen Hetzjagd von Guben  im Jahr 1999 und saß wegen des dadurch verursachten Todes eines Algeriers zwei Jahre in Jugendhaft. Markus N. und Alexander Kevin P. sollen am 3. August 2013 Gegner einer NPD Kundgebung in Eisenhüttenstadt angriffen haben. P. wurde dafür erst am 15. März 2017 rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten, ausgesetzt zu zwei Jahren auf Bewährung, verurteilt. Ebenfalls gewalttätig in Erscheinung traten in der Vergangenheit Dave Trick und Pierre B. Gegen beide läuft zurzeit noch ein Verfahren wegen eines Angriffs auf einen Wahlhelfer der Linkspartei am 19. Mai 2014 in Neuruppin.

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Sympathisierende der „Freien Kräfte Prignitz“ am 1. Mai 2017 in Halle (Saale)

Neben den genannten NPD Funktionären waren auch Akteure freier nationalistischer Strukturen aus Brandenburg nach Halle (Saal) gereist. Hauptsächlich handelte es sich dabei um Aktive der „Freien Kräfte Prignitz“ aus dem Landkreis Prignitz und den „Freien Kräften Neuruppin-Osthavelland“ aus den Landkreisen Ostprignitz-Ruppin und Havelland sowie der kreisfreien Stadt Brandenburg an der Havel. Beide Gruppierungen pflegen eine enge Zusammenarbeit mit der Brandenburger NPD und geben sich in ihrem Habitus aber auch gerne als „Autonome Nationalisten“. Einzelne Akteure der „Freien Kräfte Prignitz“ und der „Freien Kräften Neuruppin-Osthavelland“  waren in der Vergangenheit immer wieder an gewalttätigen Aktionen beteiligt. Des Weiteren wurden von einzelnen Aktiven dieser Gruppierungen auch spontane Märsche in den Brandenburgischen Klein- und Mittelstädten Wittenberge, Neuruppin und Hennigsdorf (mit)organisiert.

Dieser Tradition folgend bekannten sich die „Freien Kräften Neuruppin-Osthavelland“ in der Timeline ihrer Socialmedia-Präsenz auch zur Teilnahme an der „TDDA“-Ersatzveranstaltung in Köthen (Sachsen-Anhalt). Dort waren nach dem Abbruch des Aufmarsches zum 1. Mai in Halle (Saale) zwischen 200 bis 250 Neonazis spontan aufmarschiert. Fotos aus Halle(Saale): hier

Sympathisierende des III. Weges zog es zum „Arbeiterkampftag“ nach Gera

Der zweite Versammlungsschwerpunkt aktiver Brandenburger Neonazis anlässlich des braunen ersten Maies lag  knapp 100 km südlich von Halle (Saale) im thüringischen Gera. Dort führte die neonazistische Kaderpartei „der III.Weg“ seinen so genannten „Arbeiterkampftag“ durch, für den es im Vorfeld u.a. am 22. April 2017 im brandenburgischen Luckenwalde (Landkreis Teltow-Fläming) eine Mobilisierungsveranstaltung gab.

Trotz der auch bundesweiten Bewerbung für Versammlung zum 1. Mai zog die Veranstaltung letztendlich „lediglich 400-500“ Teilnehmende (2016 in Plauen: ca. 1.000) an, darunter auch eine zweistellige Anzahl Brandenburger Sympathisierender der Partei aus der kreisfreien Stadt Potsdam und dem Landkreis Potsdam-Mittelmark, der kreisfreien Stadt Frankfurt (Oder) und dem Landkreis Oder-Spree, dem Landkreis Teltow-Fläming sowie dem Landkreis Uckermark an. Bekanntester, in Gera teilnehmender Funktionär des III. Weges aus Brandenburg war der so genannte „Gebietsleiter Mitte“, Matthias Fischer. Fotos aus Gera: hier

NPD Oberhavel und Barnim „für Volk und Heimat“ in Stralsund

Für Brandenburger Neonazis nur von geringen im Interesse war hingegen einen Versammlung der NPD unter dem Motto „Heraus zum 1. Mai: für Volk und Heimat – Sozial, National, Legal“ im mecklenburgischen Stralsund. An ihr beteiligten sich lediglich einzelne bekannte Parteifunktionäre aus den Landkreisen Barnim und Oberhavel, darunter der Kommunalpolitiker Robert Wolinksi (Stadtverordneter Velten). Letzt genannter, soll Angaben der PNN zufolge, in der Vergangenheit mehrfach im Visier polizeilicher Ermittlungen gewesen sein. Im November 2013 soll er Rädelsführer eines Fackelmarsches zu Ehren des verstorbenen NS-Kriegsverbrechers Erich Priebke gewesen sein. Weiterhin gilt er als Drahtzieher für mehrere neonazistische Konzertveranstaltungen, die in der Vergangenheit vor allem im Osten Mecklenburg-Vorpommerns stattfanden. Fotos aus Stralsund: hier

Europäische Aktion und „Antiimperialistische Plattform“ versammelten sich in Frankfurt (Oder)

Die einzige Brandenburger Versammlung mit neonazistischer Beteiligung fand hingegen nahezu unbemerkt in der kreisfreien Stadt Frankfurt (Oder) statt. Dort hatte ein Sympathisant der extrem rechten „Europäischen Aktion“ eine Kundgebung unter dem Motto „für ein soziales Deutschland“ angemeldet. Diese Versammlung zog ungefähr 20 Teilnehmende aus Frankfurt (Oder), dem Landkreis Oder-Spree sowie der Bundeshauptstadt Berlin an. Bekanntester  Teilnehmer war der ehemalige Vorsitzende der Querfront-Organisation „Kampfbund Deutscher Sozialisten (KDS)“ und jetzige Akteur bei der „Antiimperialistischen Plattform (AiP)“, Michael Koth. Fotos aus Frankfurt (Oder): hier

Halle (Saale): Menschenblockaden verhinderten Neonaziaufmarsch zum 1.Mai

2017.05.01 Halle_Saale Proteste gegen Neonaziaufmarsch (1)
Mehrere tausend Menschen verhinderten, dass die Neonazis am 1. Mai in Halle (Saale) liefen

Mehrere tausend Menschen verhinderten  am 1. Mai 2017 in Halle (Saale) den von Neonazis ausgerufenen, so genannten „Tag der deutschen Arbeit (TDDA)“. Die als Aufmarsch konzipierte Versammlung, an der sich ungefähr 500 Personen beteiligen wollten, sollte planmäßig vom Hauptbahnhof über eine kilometerlange Strecke bis in den Stadtteil Silberhöhe führen. Durch die Blockierung aller Zufahrtsstraßen blieb den Neonazis jedoch nichts weiter übrig als an ihrem Startpunkt zu verharren. Nach dem endgültigen Abbruch des „Tages der deutschen Arbeit“ in Halle (Saale) kam es zu einzelnen Schlagabtäuschen zwischen Neonazis, Gegendemonstrierenden und der Polizei. Weiterhin führten vom Hauptbahnhof abreisende Teilnehmende des TDDA, trotz des Verbotes von Ersatzversammlungen, spontane Aufmärschen in Sachsen-Anhalt und Thüringen durch.

„Tag der deutschen Arbeit“

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In Halle (Saale) versammelte sich der militante Flügel des neonazistischen Milieus.

Der so genannte „Tag der deutschen Arbeit“  war, nach Ansicht der Veranstaltenden auf ihrer Mobilisierungsseite im Internet, als eine überregionale partei- und gruppierungsübergreifende Kampagne zum 1. Mai, analog dem jeweils Anfang Juni stattfindenden „Tag der deutschen Zukunft (TDDZ)“, konzipiert.

Entsprechend versuchten die Organisierenden, hauptsächlich Funktionäre der Partei „Die Rechte“, das gesamte neonazistische Spektrum im Bundesgebiet anzusprechen und für einen einzigen zentralen Großaufmarsch anzuwerben. Dies scheiterte jedoch bereits im Vorfeld, da auch in weiteren Städten im Bundesgebiet neonazistische Aufzüge angemeldet wurden.

Allein die NPD führte drei Aufmärsche in Bautzen (SN), Stralsund (MV) und Essen (NRW) anlässlich des 1. Mai durch. Der III. Weg marschierte zu dem in Gera (TH). Und selbst „Die Rechte“ führte noch einen weiteren Aufmarsch in Dortmund (NRW) durch.

Lediglich der partei- und gruppierungsübergreifende Charakter des TDDA konnte in Teilen erreicht werden. Neben den Mitgliedern der Partei „Die Rechte“  folgten auch größere Abordnungen der NPD, ihrer Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten (JN)“ und „Freier Kräfte“, insbesondere gewaltbereite „Autonome Nationalisten“, aus ganz Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg, Sachsen, Niedersachsen sowie vereinzelt aus Hessen, Bayern, Hamburg und Berlin, dem Aufruf sich in Halle (Saale) zu versammeln. Insgesamt blieb die Anzahl der Anreisenden mit ungefähr 500 jedoch deutlich geringer als erwartet. Fotos der Neonaziversammlung: hier

Massiver Gegenprotest

2017.05.01 Halle_Saale Proteste gegen Neonaziaufmarsch (2)
Halle (Saale) zeugte deutlich Flagge

Im Gegensatz zur schwachen Zugkraft des TDDA mobilisierte der Gegenprotest mehrere tausend Sympathisierende, die sich auf unterschiedliche Veranstaltungen und Aktionen verteilten. Die ursprünglich anvisierten Treffpunkte der Neonazis, zunächst der Marktplatz und dann der Hallmarkt, wurden beispielsweise schon im Vorfeld durch Versammlungen des DGB sowie ein „Picknick für Toleranz und Vielfalt“ verhindert.

Des Weiteren zogen zwei Demonstrationen, eine mit Startpunkt Universitätsplatz, die andere vom Rannischen Platz, mit jeweils bis zu tausend Teilnehmenden in einer Zangenbewegung in Richtung Hauptbahnhof. Dadurch wurden zahlreiche Routenoptionen der Neonazis in Richtung Altstadt, Marktplatz und Hallmarkt, ebenfalls verhindert.

Durch das Verharren der Demonstration vom Universitätsplatz am ZOB / Hauptbahnhof sowie den Sitzblockaden von aktionsorientierten, ehemaligen Teilnehmenden beider Demonstrationen im Bereich Merseburger Straße, Raffeneriestraße und  Rudolf-Weise-Straße war ein neonazistischer Marsch durch die Stadt dann völlig unmöglich geworden.

Auseinandersetzungen und Ersatzveranstaltungen

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Randale am Hauptbahnhof in Halle (Saale): Abreisende Neonazis lieferten sich Auseinandersetzungen mit Gegendemonstrierenden

Jetzt blieb den Neonazis in Halle (Saale) nur noch die Option eine stationäre Versammlung am Hauptbahnhof abzuhalten. Doch davon wollten sie keinen Gebrauch machen. Ein Großteil der angereisten Neonazis weigerte sich dem ihnen zugewiesenen Versammlungsraum zu betreten, um polizeilichen Durchsuchungen zur Gefahrenabwehr zu entgehen.

Schließlich wurde die Neonaziversammlung durch die eigene Veranstaltungsleitung zunächst unter- und später sogar abgebrochen. Der Großteil der Neonazis reiste daraufhin mit Zügen ab.

Eine kleine Gruppe Naziskins aus Hessen und Bayern wurde jedoch auch zu Fuß von der Polizei wegbegleitet. Dabei kam es in der Delitzscher Straße auch zu körperlichen Auseinandersetzungen mit Gegendemonstrieren. Die Polizei trennte beide Gruppen unter Schlagstock- und Pfeffersprayeinsatz.

Später soll diese Neonazigruppe aus Hessen und Bayern auch noch mutmaßlich Gegendemonstrierende angegriffen haben. Dabei waren die Neonazis mit ihren Autos vorgefahren und mit Schlagstöcken auf die Betroffenen zugestürmt.

Ebenfalls zu gewalttätigen Auseinandersetzungen soll es bei einer Ersatzveranstaltung in Apolda (Thüringen) gekommen sein. Dort hatten aus Halle (Saale) anreisende „Autonome Nationalisten“, nach Angaben des MDR, Polizeibeamte mit Feuerwerkskörpern und Steinen angegriffen. Es soll zu rund 100 Festnahmen gekommen sein.

Zu weiteren Ersatzveranstaltungen soll es, trotz eines durch die Versammlungsbehörde ausgesprochenen Verbotes, in Köthen und Merseburg (Sachsen-Anhalt) gekommen sein.

Potsdam: Rechtsrock-Konzert in Bornstedt

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Am Samstagabend protestierten ungefähr 50 Menschen gegen eine Rechtsrock-Veranstaltung im Potsdamer Stadtteil Bornstedt. Die Protestversammlung richtete sich gegen ein Konzert rechter Musiker in der Gaststätte „Viktoria Eck“. An der höchstumstrittenen Konzertveranstaltung nahmen schätzungsweise ebenfalls 50 Personen teil. Bereits im Vorfeld sei es laut PNN, die sich auf Polizeiquellen beruft, zu einem Farbanschlag auf den Veranstaltungsort gekommen sein.

Farbanschlag auf Veranstaltungsort

Gemäß einer mutmaßlichen Selbstbezichtigung „Potsdamer Antifas“ auf einem freizugänglichen Internetportal soll bereits in der Nacht vom 27. zum 28. April 2017 die Fassade des Veranstaltungsortes „Viktoria Eck“ mit der „braunen Scheiße markiert“ worden sein, die „sich hier am Wochenende“treffe. Außerdem wurde im Bekennerschreiben zu weiteren Aktionen „gegen das Rechtsrockkonzert“ aufgerufen.

Der Farbanschlag scheint sich inzwischen bestätigt zu haben. Laut Informationen der PNN, die sich auf einen Polizeisprecher beruft, soll sich der Angriff auf die Gaststätte am frühen Freitagmorgen, zwischen 00.30 und 01.15 Uhr zugetragen haben. Dabei sollen eine „handvoll“ Farbbeutel eingesetzt worden sein. Tatverdächtige konnte die Polizei jedoch nicht ermitteln. Die Spuren des mutmaßlichen Anschlags waren am Samstagabend noch erkennbar.

Gegenkundgebung am Samstagabend

In unmittelbarer Nähe zum Beginn des Rechtsrock-Konzertes gab es indes eine weitere Protestaktion. In der Zeit von 18.45 bis ca. 20.30 Uhr führte die Landtagsabgeordnete Isabell Vandré (LINKE) eine versammlungsrechtlich angemeldete Kundgebung in Hör- und Sichtweite zum „Viktoria Eck“ durch. Diese Veranstaltung trug das Motto „Rechtsrockern die Show stehlen“. Beide Versammlungen hatte die Bereitschaftspolizei durch Absperrgitter voneinander abgetrennt. Zu polizeilichen Maßnahmen kam es jedoch, soweit bekannt, nur gegen eine Person.  Laut Angaben eines Twitter-Tweet des „Ticker Potsdam“ soll es sich dabei um einen mutmaßlichen „Neonazi“ gehandelt haben. Die Polizei war mit ungefähr 100 Einsatzkräften aus Brandenburg und Berlin vor Ort.

Konzert rechter Mischszene

Die Konzertveranstaltung fand übrigens wie geplant in der Gaststätte „Viktoria Eck“ statt. Hauptact soll der Teltower Rechtsrocker Sacha Korn gewesen sein. Dieser gibt sich jedoch wesentlich unverfänglicher und bezeichnet seinen Stil selber als „Neue Deutsche Härte“. Seine Lieder waren allerdings auch auf einer so genannten „Schulhof CD“ der NPD vertreten und untermalten darüber hinaus einen Wahlwerbespott dieser Partei. Offiziell distanziert sich der Musiker jedoch in einem Interview auf seiner Socialmedia-Seite von „Extremismus und Gewalt“ sowie „sämtlicher Ideologien“. Für die Veröffentlichungen bei der NPD machte Korn ausschließlich sein ausländisches Management verantwortlich. Dennoch sollen weiterhin Kontakte zu Figuren des extrem rechten Milieus bestehen. Am Samstagabend reiste zumindest ein ehemaliger Bezirksverordneter der Berliner NPD an. Weitere Konzertgäste zeigten sich in rechten Modemarken oder milieutypischer Kleidung gewandet. Eine Person trug ein Shirt mit einem Slogan und dem Symbol der extrem rechten „Identitären Bewegung“. Andere waren als Rocker oder Fans eines Berliner Fußballcubs zu erkennen.

Die Einnahmen des Konzertes von Sacha Korn sollen in Teilen übrigens an die „Bandidos“ geflossen sein. Ein Sprecher dieser Rockervereinigung teilte allerdings den PNN mit, dass das Geld für die Eltern eines im März 2017 ermordeten Neunjährigen in Nordrhein-Westfalen bestimmt sei. Ein Elternteil des Ermordeten soll Mitglied der „Bandidos“ sein.

Fotos vom Abend (30) auf Flickr:

2017.04.29 Potsdam Sacha Korn Konzert (1)

Rathenow: Rechtes „Bürgerbündnis“ gegen GEZ

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Am Samstagnachmittag demonstrierten ungefähr 40 Sympathisierende der rechten Vereinigung „Bürgerbündnis Havelland e.V.“ auf dem Georg-Penning-Platz in Rathenow. Die Veranstaltung war zuvor unter dem Motto: „Gegen GEZ und andere Repressalien“ via Flugblätter und im Internet beworben worden.

Neben den havelländischen Bündlern reisten aus Sympathisierende aus Sachsen-Anhalt und Berlin an. Eine Rednerin nahm sogar den langen Weg aus Baden-Württemberg auf sich.

Im Wesentlichen handelte es sich dabei um Personen aus dem extrem rechten Milieu. Insbesondere aus Berlin reisten Funktionäre und Sympathisierende von NPD, Bürgerbewegung Pro Deutschland, Identitärer Bewegung, BÄRGIDA eV, „Hand in Hand“ und „Wir für Deutschland“ an. Aus Sachsen-Anhalt reisten die „Brigade Magdeburg“ und die „Freikorps Heimatschutz Division 2016“ an, aus Baden-Württemberg eine bekannte Sprecherin von „Karlsruhe wehrt sich“.

Die Versammlung verlief im Wesentlichen ohne öffentliches Interesse. Es wurde ein Imbissstand aufgebaut, mehrere Redebeiträge gehalten und ein kurzer Marsch durch die Kleine Hagenstraße, die Brauhausstraße, die Große Hagenstraße sowie die Mittelstraße abgehalten.

In ihren Beiträgen äußerten sich die Redenden u.a. zu den Themen direkte Demokratie, Islam, Geflüchtete und GEZ (Rundfunkgebühr). Ein Rednerin aus Berlin warb außerdem für einen Aufmarsch der extrem rechten „Identitären Bewegung“ in Berlin. Ihrer Meinung nach sei diese Vereinigung „die Königsklasse der Bürgerbewegungen in Deutschland“.

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2017.04.29 Rathenow - Buergerbuendnis gegen GEZ (20)

Potsdam-Babelsberg: Hochrisikofußball mit Hitler-Grüßen und Spielunterbrechungen

2017.04.28 Babelsberg SVB vs FCE Brandenburg Derby (13)
Eine Dauerbegleitung während Spiels: „Hitler-Grüße“ von Cottbus Fans

Am Freitagabend kam es in Potsdam-Babelsberg anlässlich der Fußballregionalligabegegnung zwischen dem SV Babelsberg 03 und dem FC Energie Cottbus zu Auseinandersetzungen zwischen  den auch politisch konträren Fangruppen. Es kam zu Hitler-Grüßen, Böllerwürfen und einem Platzsturm. Zweimal musste das Hochrisikospiel aufgrund von Fanausschreitungen vom Schiedsrichter unterbrochen werden. Beide mal stand das so genannte Brandenburg-Derby kurz vor dem endgültigen Spielabbruch.

Aggressive Vorboten im Hinspiel

Bereits im Hinspiel im November 2016 in Cottbus kam es im Rahmen der Begegnung zu erheblichen Provokationen sowie sowohl zu Schlagabtäuschen zwischen den rechtsorientierten Heim- und den linksorientierten Gästefans als auch zwischen rechten, heimischen Fans und der Polizei. Damals wurde der Babelsberger Fanblock bereits am Bahnhof mit antisemitischen Schmierereien Empfangen. An einer Brücke, kurz vor dem Stadion, griffen offensichtlich Cottbus-Anhänger die Gästefans mit Feuerwerkskörpern an, letztere revanchierten sich dafür mit Flaschenwürfen. Im Stadion blieb es dafür, bis auf die üblen Gesänge und vulgären Provokationen seitens der Heimfans, weitgehend friedlich. Erst nach dem Spiel soll wiederum aus den Reihen der heimischen Fans aus Cottbus die körperliche Auseinandersetzung mit den Gästen aus Babelsberg gesucht worden sein. Ein massives Polizeiaufgebot verhinderte dies jedoch offenbar. Daraufhin soll es zu Scharmützeln zwischen Fangruppen aus Cottbus und den Sicherheitskräften gekommen sein.

Hass-Derby eskaliert

2017.04.28 Babelsberg SVB vs FCE Brandenburg Derby (29)
Vermummte Fans des FC Energie Cottbus lieferten sich vor der Babelsberger Nordkurve handgreifliche Auseinandersetzungen mit den Ordnungskräften

Auch aufgrund der Ereignisse im Hinspiel wurde die brisante Begegnung am Freitagabend als Hochrisikospiel eingestuft. Doch trotz der erhöhten Sicherheitsvorkehrungen konnte die Eskalation im Brandenburger Hass-Derby, insbesondere im Stadion, nicht verhindert werden.

Bereits lange vor Anpfiff kam es aus den Reihen der Gästefans, die sich auch durch Sympathisierende der rechtsorientierten Fanszene des sächsischen Chemnitzer FC verstärkt hatten,  immer wieder zum Zeigen des „Deutschen Grußes“ (umgangsprachlich: „Hitler-Gruß“), welches sich auch während des Spieles konsequent und ohne Konsequenzen fortsetzte. Außerdem folgten Parolen wie „Asylanten“ und „Arbeit macht frei – Babelsberg 03“. „Nazischweine“ und „Alerta Antifascista“ schallte es daraufhin aus Richtung der Heimfans.

Kurz vor Spielanpfiff zündeten die Babelsberger Ultras dann im Heimblock Nebeltöpfe und Bengalfackeln. Allerdings nicht in Richtung Gästefans, sondern offensichtlich als Mannschaftssupport. Dennoch ein Verstoß gegen die Stadionverordnung, die nach dem entsprechenden Hinweis des Stadionsprechers auch endete.

Wenige Minuten später suchten dann die Gästefans, die sich inzwischen massiv vermummt hatten, wieder die Auseinandersetzung. Nach einer Banneraktion gegen Babelsberg, bei dem zwei Tücher mit der Aufschrift „H8 03“ (Kurzform für „Hate 03“) gezeigt wurden, zündeten auch die Cottbusser Pyrotechnik, beschränkten dies allerdings nicht auf ihren Block, sondern schossen auch gezielt Feuerwerkskörper in Richtung Spielfeld und den heimischen Nulldreiern. Außerdem erklommen mehrere Gästefans die Spielfeldbegrenzungszäune, stürmten in Richtung Babelsberger Nordkurve und lieferten sich eine handgreifliche Auseinandersetzung mit Ordnern und Polizei. Nach dem daraufhin auch einige Fans des SV Babelsberg den Rasen erstürmt hatten, kam es zu einem größeren Polizeieinsatz sowie zu einer ersten Spielunterbrechung.

Nach ungefähr zehn Minuten wurde die Partie jedoch wieder angepfiffen und blieb bis zur Halbzeitpause weitgehend störungsfrei. Zur regulären Spielunterbrechung nach 45 Minuten führte die Mannschaft des FC Energie Cottbus übrigens mit einem Tor.

2017.04.28 Babelsberg SVB vs FCE Brandenburg Derby (53)
Um weitere Platzstürme zu verhindern, setzte die Polizei auch massiv Pfefferspray gegen die Fans des FC Energie Cottbus ein

Kurz nach Anpfiff der zweiten Halbzeit begann die Konfrontation dann erneut. Nachdem eine Spruchbandaktion der Gästefans sowie der wiederholte Einsatz von Rauchtöpfen und Bengalfackeln beider Fanlager noch weitgehend harmlos blieben, schossen die Sympathisierenden des FC Energie abermals mit Feuerwerkskörpern auf den Heimblock und das Spielfeld. Wieder versuchten die Fans aus der Lausitz das Spielfeld zu stürmen, wurden aber schon beim Versuch den Begrenzungszaun zu überwinden seitens der Polizei mit Pfefferspray gestoppt. Abermals musste das Spiel für einige Zeit vom Schiedsrichter unterbrochen werden. Erst jetzt beruhigte sich die Lage in den Rängen, insbesondere im Gästeblock, merklich.

Nach dem Wiederanpfiff rückte dann das Fußballspiel ansich wieder in den Mittelpunkt des Spieltages. Und da legte jetzt eindeutig Babelsberg vor. In der 75. Minute glichen die Nulldreier zunächst aus, bevor sie in der 90. Minute mit einem weiteren Tor den Derby-Sieg holten. Die schmachvolle Niederlage im Hinspiel in Cottbus war damit zumindest spielerisch vergessen.

Fotos vom Derby (79) bei Flickr:

2017.04.28 Babelsberg SVB vs FCE Brandenburg Derby (43)

Rathenow: Never Ending „Bürgerbündnis“

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Die rechte Vereinigung „Bürgerbündnis Havelland e.V.“ versammelte sich am Dienstagabend  wieder zu einer Kundgebung auf dem Märkischen Platz in Rathenow. Zu der Veranstaltung erschienen ungefähr 20 Personen aus Rathenow und Umgebung.

Es wurden mehrere Lieder, darunter die Brandenburger Landeshymne, das vollständige „Deutschlandlied“ und ein Song einer ehemaligen NPD Liedermacherin, abgespielt sowie drei Redebeiträge gehalten.

Der Vorsitzende der rechten Vereinigung betonte während seiner Rede die Liebe zur deutschen Sprache, beherrschte diese aber selber nur in Ansätzen. Auffällig war jedoch die Verwendung von (sogar richtig ausgesprochenem) völkischem Vokabular. Der Vereinsvorsitzende bezog sich u.a. positiv auf den Begriff „Volksgemeinschaft“ und verurteilte den vermeintlichen „Volksaustausch“.

Mit Austausch hat das Bürgerbündnis Havelland e.V. zumindest regional Erfahrung. Von hunderten  Versammlungsteilnehmenden, die Ende 2015 noch die Veranstaltungen der „Bündler“ besuchten, blieben nur 20, die in den letzten Monaten regelmäßig erschienen. Der Rest wurde offenbar ersatzlos ausgetauscht.

Dennoch gab der Vereinsvorsitzende, der möglicherweise an einer Form von Geltungssucht leidet, bekannt,  notfalls auch zu Dritt im Stadtgebiet Flagge zeigen zu wollen.

Der nächste Termin soll übrigens schon diesen Samstag sein. Dort will sich das „Bürgerbündnis“ offenbar an einem überregionalen Aktionstag gegen die „GEZ Gebühr“ beteiligen. Der Widerstand gegen die staatliche Rundfunkgebühr gehört zum Grundrepertoire der der so genannten „Reichsbürgerbewegung“.

Fotos vom Abend (20) bei Flickr:

2017.04.25 Rathenow Buergerbuendnis Havelland (5)

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