Rathenow: Deutlich weniger bei Demo gegen Corona-Beschränkung

In Rathenow umwerben Bürgerbündnis Havelland und AfD Impfgegner und Verschwörungsanhänger. Doch die Schwurbel- Welle ebbt bereits wieder ab. Am Abend demonstrierten nur noch 60 gegen Corona Beschränkungen.

Erneut Versammlungen gegen Corona-Beschränkungen
Fünf Mannschaftstransporter und zwei Streifenwagen der Brandenburger Polizei bewachten gegen 18.20 Uhr den ansonsten menschenleeren Märkischen Platz in Rathenow. Veranstaltungen gegen die Pandemie bedingten Kontaktbeschränkungen waren wieder angekündigt. In einerWhatsapp-Gruppe wurde zunächst für 19.00 Uhr eine „stille Mahnwache“ angekündigt, in einem anderen, speziellen Termin-Chat wurde außerdem zu einem „Spaziergang“ aufgerufen.

Polizei setzt Anmeldung durch

2020.05.18 Rathenow - Mahnwache und Demonstration gegen Corona-Beschraenkungen (5)
Die Polizei war heute Abend deutlich präsenter als letzte Woche

Tatsächlich fanden sich ab 18.40 Uhr die ersten mutmaßlichen Teilnehmenden ein, darunter eine Frau, welche als sachkundige Einwohnerin für die AfD im Rathenower Stadtverordnetenausschuss für „Klimaschutz, Umwelt, Ordnung, Sicherheit und Brandschutz“ sitzt. Kurze Zeit später taucht dann auch der im weiteren Verlauf des Abends eigentlich Handelnde auf – Christian Kaiser vom extrem rechten Bürgerbündnis Havelland eV. Ein paar Minuten danach folgt ihm der Rathenower AfD SVV-Fraktionsvorsitzende Dr. Uwe Hendrich sowie anschließend der Vorsitzende des AfD Stadtverbandes, Ralf Maasch. Langsam füllt sich der Platz. 60 Versammlungsinteressierte, darunter einige Anhänger von Verschwörungserzählungen sowie Impfgegner, werden es am Ende sein. Doch diesmal scheint die Polizei eine aktivere Rolle im Geschehen einnehmen zu wollen. Zumindest bestanden die Beamten – erfolgreich – auf die Anmeldung einer Veranstaltung.

Kaiser übernahm Führung

2020.05.18 Rathenow - Mahnwache und Demonstration gegen Corona-Beschraenkungen (1)
Christian Kaiser (am Telefon) übernahm die Anmeldung

Der versammlungserfahrene Bürgerbündnis-Vorsitzende Christian Kaiser, ergriff schließlich die Chance und setzte sich als Anmelder an die Spitze der neuen Schwurbel-Bewegung.

Kaiser ist berüchtigt in Rathenow. Er führte seit 2015 dutzende Veranstaltungen durch, in denen flüchtlingsfeindliche, rassistische, revisionistische, antisemitische Positionen und Ähnliches verbreitet wurden.

Vielen stört Kaiser aber auch wegen seiner aufdringlichen Omnipräsenz und die „spezielle Art“ seiner politischen Auftritte. So wurde seine heutige Anmelder-Initiative auch nicht von allen Veranstaltungsbesuchern begrüßt. Am Ende beteiligten sich sogar nur 35 Versammlungsteilnehmende am abschließenden Spaziergang durch die Stadt.

Auch der deutliche Rückgang von Sympathisierenden im Vergleich zur Versammlung am vergangenen Montag – von 110 auf 60 – könnte im Zusammenhang mit Kaiser & Co liegen.

Fotos: hier