Rathenow: Gegner der Pandemie-Beschränkungen protestierten unangemeldet

In Rathenow protestierten am Abend 110 Menschen gegen die Pandemiebeschränkungen. Unbekannte hatten dazu im Internet aufgerufen. Unter den Teilnehmenden waren auch mehrere Funktionäre der AfD und des extrem rechten Bürgerbündnisses Havelland.

Extreme Rechte suchte neues Betätigungsfeld

2020.05.11 Rathenow - Demo gegen Pandemie-Beschraenkung (4)
Auf der Suche nach neue Themen: Christian kaiser (Bürgerbündnis Havelland eV, Mitte) und Ralf Maasch (AfD, rechts daneben)

Die Wärme der letzten Sonnenstrahlen ringt in den frühen Abendstunden erfolglos mit der kühlen Luft, welche gegen 18.00 Uhr durch die zunächst leeren Straßen von Rathenow weht. Erst ab 18.30 Uhr füllt sich langsam das Zentrum – der Märkische Platz, vor dem Kulturzentrum. Leute mit Schildern, auf denen sie sich gegen das Impfen positionieren oder mit den Verschwörungstheoretikern von Qanon sympathisieren. Die Parole: „Gib Gates kein Chance“ ist auf den Buttons zweier Herren erkennbar. Christian Kaiser vom extrem rechten Bürgerbündnis Havelland eV, vor zwei Jahren noch Bürgermeisterkandidat, später kurzzeitiger Landeschef der „Republikaner“ ist im Getümmel zu erkennen, ebenso wie die lokale AfD Mannschaft. Ralf Maasch, Vorsitzender des AfD Stadtverbandes Rathenow, machte fleißig Fotos vom Versammlungsgeschehen, welches sich langsam entwickelte. Uwe Hendrich, Vorsitzender der AfD Fraktion in der Rathenower Stadtverordnetenversammlung, gab sich „bürgernah“, ebenso wie Kai Berger, AfD Stadtrat aus Premnitz.

Demonstration für Grundrechte

2020.05.11 Rathenow - Demo gegen Pandemie-Beschraenkung (1)
Aktivistinnen „für Menschlichkeit“: „Friedenspolizei“ in Rathenow

Eine junge Frau mit Rasta-Haaren und oranger Warnweste, auf welcher handschriftlich „Friedenspolizei“ geschrieben stand, kam schließlich mit dem Reporter von Presseservice Rathenow ins Gespräch. Sie distanzierte sich von AfD und Bürgerbündnis und sagte, dass es aus ihrer Sicht besser gewesen wäre, wenn diese Organisationen nicht bei der Demonstration anwesend gewesen wären. Die junge Frau hat ein Anliegen. Sie sieht durch die Infektionsschutzmaßnahmen der Bundesregierung im Rahmen der COVID-19-Pandemie Grundrechte gefährdet und spricht von einer wachsenden Bewegung gegen die Beschränkungen. Die junge Frau gehört zu einer Gruppe von augenscheinlich ca 20 Menschen innerhalb der heutigen Versammlung, welche sich offenbar als „Freidenker“ verstehen. Wer die Demonstration am Abend in Rathenow aber eigentlich organisiert hatte, wollte oder konnte sie nicht sagen. In einer Whatsapp-Gruppe sei dafür geworben worden. Tatsächlich liegen Screenshots aus dem Messenger-Chat sowie von einem privaten Facebook-Profil vor. Darin wurde zu einer Mahnwache und einem Spaziergang ab 19.00 Uhr unter dem Motto: „Wir alle zusammen, friedlich und respektvoll für Grundrechte, Menschlichkeit & Freiheit“ aufgerufen. Ein Impressum gab es dazu allerdings nicht.

Polizei war informiert

Die Polizei war jedoch anscheinend recht früh über die Versammlung informiert gewesen und mit mehreren Einsatzkräften vor Ort. Die Beamten hielten sich, obwohl keine Anmeldung der Veranstaltung vorlag und offensichtlich gegen Kontaktbeschränkungen verstoßen wurde, zurück. Einzelne Versammlungsteilnehmende hielten beispielsweise den Mindestabstand nicht ein oder schüttelten sich die Hände, umarmten sich. Erst kurz von 20.00 Uhr wurden die Beamten aktiv, nahmen zum Beispiel Personalien auf und forderten die Teilnehmenden auf, sich von der Versammlung zu entfernen. Der Großteil der Anwesenden kam den Aufforderungen der Polizei auch nach. Verantwortliche der Versammlung traten nicht in Erscheinung. Die junge Frau mit den Rasta-Haaren bekräftigte aber, am nächsten Montag wieder vor Ort zu sein.

weitere Fotos: hier