Neonazis gedachten verstorbenem Landeschef

In Chorin OT Golzow (Landkreis Barnim) wurde gestern der ehemalige Landeschef von Die RECHTE zu Grabe getragen. Ein brauner Liedermacher organisierte das letzte Szene-Geleit, an dem  sich ungefähr 50 Neonazis beteiligten.

„Fylgien“ organisierte rechtes Trauergeleit

 

2020.01.18 Chorin OT Golzow - Beerdigung Rene Hermann (1)
Neonazi-Treffen vor dem Friedhof: Sebastian Döhring alias „Fylgien“ (1.v.l) im Gespräch mit Dieter Riefling (3.v.l)

Nur mühsam bricht sich das Sonnenlicht durch den Laubhain, der die Allee zum rotverklinkerten Friedhofseingang im Choriner Ortsteil Golzow bildet. Es ist der letzte Weg von René „Rudi“ Herrmann, einem der führenden Köpfe des Brandenburger Neonazimilieus.

Einer der Ersten, welche sich an diesem recht kühlen Samstagmorgen vor dem Friedhof der Gemeinde einfinden, um dem letzten Gang des Verstorbenen beizuwohnen, ist der Templiner Sebastian Döhring. Der auch unter dem Pseudonym „Fylgien“ auftretende neonazistische Liedermacher hatte zuvor die Zusammenkunft der braunen Weggefährten Herrmanns maßgeblich über seinen Telegram-Channel organisiert. „Ich weiß wir werden uns zahlreich einfinden und Rudi noch einmal zeigen … GEMEINSCHAFT ÜBER ALLES!!!“, so ein Auszug aus der dortigen Mitteilung zur Trauerfeier.

Brandenburger Neonazis blieben weitgehend unter sich

Tatsächlich erschienen, neben Familienangehörigen, Bekanntem aus dem Dorf und Mitgliedern des Motorcycle Club „Gremium“, nach und nach ungefähr 50 Neonazis vor dem Friedhofseingang, begrüßten Döhring und begeben sich dann zur Trauerhalle auf dem Friedhof.

Unter den braunen Trauerbegleitenden fanden sich vor allem im Nordosten Brandenburgs aktive Rechtsextreme, wie Akteure aus den (selbst)aufgelösten Kameradschaften „Märkischer Heimatschutz“, „Kameradschaft Märkisch-Oder-Barnim“ und den „Freie Nationalisten Uckermark“ sowie der noch aktiven „Barnimer Freundschaft“, ein.

2020.01.18 Chorin OT Golzow - Beerdigung Rene Hermann (6)
Trauerbegleitung: Manuela Kokott von der NPD (Mitte) und René Bethage aus der Berliner Kameradschaftsszene (rechts)

Darüber hinaus war die NPD durch Funktionäre der Kreisverbände Uckermark, Märkisch-Oderland, Oderland und Lausitz vertreten. Bekannteste Parteivertreterin war Manuela Kokott, die zur Zeit ein Mandat in der Gemeindevertretung von Spreenhagen (Landkreis Oder-Spree) inne hat.

2020.01.18 Chorin OT Golzow - Beerdigung Rene Hermann (2)
Trauerdelegation aus Guben: Ex-NPD Kreistagskandidat Alexander Bode (rechts)

Weiterhin war der ehemalige NPD Kreistagskandidat Alexander Bode vor Ort, der als Haupttäter der Hetzjagd von Guben (Landkreis Spree Neiße), in deren Folge im Jahr 1999 ein Algerier zu Tode kam, zwei Jahre im Gefängnis saß.

2020.01.18 Chorin OT Golzow - Beerdigung Rene Hermann (4)
Robert Gebhardt, stellvertretender Brandenburger Landesvorsitzender von Die RECHTE Brandenburg (2.v.l.), beim letzten Geleit für seinen ehemaligen Chef

Die „RECHTE“ war hingegen – so weit erkennbar – nur durch den stellvertetenden Brandenburger Landesvorsitzenden Robert Gebhardt verteten. Von der Bundesführung der Partei war offenbar jedoch niemand in die Brandenburger Provinz gereist.

2020.01.18 Chorin OT Golzow - Beerdigung Rene Hermann (5)
Aus dem sächsischen Weißwasser war u.a. ein „Krieger“ der „Brigade 8“ angereist

 

Andere Bundesländer waren lediglich durch Dieter Riefling (Niedersachsen), René Bethage (Berlin) sowie einer Delegation der „Brigade 8“ aus Weißwasser (Sachsen) vertreten.

Neonazi-Netzwerker Rene Hermann

2014.01.04 Bad Freienwalde
René Herrmann mit rotem Parteipullover während einer Kundgebung der Partei „Die RECHTE“ im Januar 2014 in Bad Freienwalde (Landkreis Märkisch Oderland)

René Hermann verbrachte den überwiegenden Teil seines Lebens im neonazistischen Milieu. Schon in den 1990er Jahren betrieb er ein kleines Szenegeschäft in Eberswalde.

Über den „Märkischen Heimatschutz“ führte Herrmanns Weg dann in den 2000er Jahren in das Brandenburger Kameradschaftsmilieu.

Im Jahr 2006 galt er als einer der Köpfe der „Freien Kräfte Brandenburg“, einem Netzwerk von parteilosen Neonazis, und verwaltete – laut Impressum – deren Website „Nationales Infoportal Brandenburg“.

Im Jahr 2007 wurde erstmals der Brandenburger Verfassungsschutz auf Herrmann aufmerksam, weil auf der von ihm betriebenen Internetseite „Aktion Widerstand“ Schulungsmaterial verlinkt wurde, in dem zur Schaffung „national befreiter Zonen“ aufgerufen wurde. Aus diesen „No go Ares“ sollten vor allem Linke, Menschen mit Migrationshintergrund, Homosexuelle, Juden oder Behinderte aus dem gesellschaftlichen Leben verjagt werden.

Zu den Brandenburger Kommunalwahlen im Mai 2014 bewarb sich Herrmann dann auf einer Liste der NPD – erfolglos – für Mandat im Kreistag Barnim.

Ein Jahr später erfasste ihm der Brandenburger Verfassungsschutz dann erneut, diesmal jedoch als Landesvorsitzenden der Partei Die RECHTE. Dieses Amt behielt er bis zu seinem Tode inne.

Darüber hinaus betrieb Hermann bis zu seinem Tod den so genannten Zentralversand, einem Internethandel, dessen Angebot sich sowohl an parteilose Neonazis, als auch an Sympathisanten der Partei Die RECHTE richtete.

Am 26. Dezember 2019 verstarb René Herrmann nach schwerer Krankheit.

Fotolink Trauergeleit:

2020.01.18 Chorin OT Golzow - Beerdigung Rene Hermann (1)

Kundgebung „Die RECHTE“ 2014 in Bad Freienwalde:

https://www.flickr.com/photos/presseservice_rathenow/albums/72157639407530763/with/11759660945/