Auftritt von umstrittenen Sänger in Rathenow geplant

Ein privater Hörfunksender möchte Xavier Naidoo in Rathenow auftreten lassen. Der Sänger gehöre zu den beliebtesten Musikern im Land und engagiere sich vielfach sozial. Er vertritt aber auch immer wieder krude reichsbürgerähnliche Positionen.

2014.10.03 Berlin Xavier Naidoo
Soulsänger und „Systemkritiker“ Xavier Naidoo nahm am 3. Oktober 2014 an einer so genannten „Friedensmahnwache“ und einer Reichsbürgerkundgebung in Berlin teil. Auf seiner Kleidung ist die Forderung „Freiheit für Deutschland“ zu lesen. Naidoo interpretiert dies als „auf Menschen zugehen“. (Foto: Sören Kohlhuber)

Auftritt bestätigt

Sowohl der private Hörfunksender BB Radio als Veranstalter als auch die Optikpark GmbH haben in einem Statement gegenüber Presseservice_RN bestätigt, dass der bekannte Mannheimer R&B und Soul Sänger Xavier Naidoo in Rathenow live auf treten soll. Der Auftritt vor Publikum sei am Samstag, dem 28. September 2019, im Rahmen des Sommertourfinales der Brandenburger Radiostation auf dem Gelände des Rathenower Optikpark am Schwedendamm geplant. Naidoo gehöre, so BB Radio und Optikpark Rathenow GmbH übereinstimmend, zu den erfolgreichsten und beliebtesten Künstlern Deutschlands. Zudem engagiere er sich seit vielen Jahren für soziale Integrationsprojekte und erhebe seine Stimme gegen Ausgrenzung, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung. Der Aufwind Mannheim eV, der sich gegen Kinderarmut engagiert, wird beispielsweise von Naidoo gefördert. Auf der Vereinsseite wird sowohl er als auch sein Bandprojekt, die „Söhne Mannheims“ als Förderer genannt.

Umstrittene Positionen

Doch es gibt auch noch eine andere Seite von Xavier Naidoo, die in der jüngsten Vergangenheit immer wieder für Empörung sorgte. Vor allem seine reichsbürgerähnlichen Positionierungen sorgten mehrfach für bundesweite Entrüstung. Am 3. Oktober 2014 hielt Naidoo beispielsweise Ansprachen auf Versammlungen von Reichsbürgern und einer so genannten „Mahnwache für den Frieden“ in Berlin. Dort trat er unter anderem mit einem Kleidungsstück auf, welches die Worte „Freiheit für Deutschland“ enthielt. Die Parole ist eine Schlüsselforderung der Reichsbürgerbewegung, welche die Bundesrepublik für ein besetztes Gebiet hält. Am 12. März 2015 erklärte Naidoo außerdem in einem Interview gegenüber dem Magazin Stern, dass Deutschland kein souveränes Land sei. Auch diese Position ist eine Kernaussage der Reichsbürgerbewegung. In seinem bereits 2009 veröffentlichten Lied „Raus aus dem Reichstag“ bedient Naidoo mit der Textzeile: „Baron Totschild gibt den Ton an“ zudem antisemitisch geprägte Verschwörungsklischees. Der im April 2017 veröffentlichten Song „Marionetten“ benutzte Begriff: „Volksverräter“, kann des Weiteren als indirekte Anklage gegen die demokratisch gewählte Parteien im Bundestag sowie als Zitat der extrem rechte PEGIDA-Bewegung gelesen werden.

Zweifel trotz Distanzierung

Sowohl BB Radio als auch die Optikpark Rathenow GmbH sehen die umstrittenen Äußerungen des Künstlers jedoch als entkräftet an. In ähnlicher Weise stellen beide Unternehmen klar, dass Xavier Naidoo die gegen ihn erhobenen Vorwürfe mehrfach zurückgewiesen und sich hierzu erklärt habe. Tatsächlich hatte der Künstler bereits 2017 – nach der massiven Kritik am Song „Marionetten“ – auf seinem Socialmedia-Profil bekannt gegeben, dass sich er, ebenso wie die „Söhne Mannheims“ gegen jede Art von Gewalt, gegen jede Art von Fremdenhass, gegen jede Art von Diskriminierung und gegen jede Form von Radikalismus und Nationalismus stellen würden. Bereits 2015 einigten sich außerdem Naidoo und die Amadeo Antonio Stiftung in einem Vergleich vor einem Zivilgericht darüber, dass der Sänger nicht länger von der Stiftung als „Antisemit“ bezeichnet werden dürfe. Allerdings könnten Textstellen des Liedes „Raus aus dem Reichstag“ tatsächlich als antisemitisch verstanden werden, so das Gericht. Auch seine Besuche bei der „Reichsbürgerversammlung“ und der „Friedensmahnwache“ bleiben nicht ohne Restzweifel. Zwar behauptete Naidoo bereits wenige Tage später gegenüber dem Focus, dass er nur auf Menschen zugehen und mit alle reden möchte und Reichsbürger sowie NPD nicht ausschließe. Schließlich könne sich „Frau Merkel“ ja auch nicht aussuchen vor wem sie spreche, so der Sänger weiter. Allerdings macht sich die Bundeskanzlerin – im Gegensatz zu Naidoo – auch nicht mit diesen gemein. Der Sänger bezeichnete die „Menschen der Mahnwachen“ sowie die „Menschen, die sich Reichsbürger nennen“ hingegen gegenüber Focus als „Systemkritiker so wie ich“.

Infocheck Reichsbürger-Szene

Die Reichsbürger-Szene eint in ihrer Charakteristik eine Ablehnung der Bundesrepublik Deutschland als souveräner Staat. Diese krude Ansicht wird in der Regel durch bizarre Verschwörungstheorien und absurde Gesetzesauslegungen begründet. Darüber hinaus hat die Reichsbürger-Szene aber auch eine strafrechtliche Komponente. Gemäß einem Bericht des Bundeskriminalamtes von Anfang 2018 seien Reichsbürger beispielsweise für mehr als 10.500 Straftaten verantwortlich. Ihre Verweigerungshaltung gegenüber Behörden hat in einzelnen Fällen auch militante Züge und forderte in Bayern bereits Todesopfer. Im Land Brandenburg beobachtete der Verfassungsschutz Brandenburg im Berichtszeitraum 2018 ca. 650 Reichsbürger. Eine Aufschlüsselung auf einzelne Gemeinden wird dort nicht vorgenommen. Allerdings sind aus dem eigenen Monitoring, beispielsweiser lokaler Versammlungen, allein in Rathenow bis zu 30 Personen bekannt, welche offen mit typischen Reichsbürgerthesen sympathisieren.