Brauner Gestank statt frischer Wind

In Rathenow hat die AfD vier Kandidaten für die Stadtratswahl nominiert. Sie wollen mit kommunalen Sachthemen für „frischen Wind“ sorgen. Einzelnen Bewerbern haftet allerdings brauner Gestank an. Sie sympathisieren beispielsweise mit einer bekannten Holocaustleugnerin.

AfD will in die Stadtverordnetenversammlung

Die AfD hat es nicht einfach in Rathenow. Gerade einmal neun Mitglieder konnte die Partei, nach Angaben der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ), in den letzten sechs Jahren ihrer Präsenz in der havelländischen Kreisstadt akquirieren. Seit Monaten steht die Gründung eines Ortsverbandes aus und als Treffpunkte stehen nur Gasträume von Restaurants zur Verfügung.
Dennoch werden die Stammtische der AfD in Rathenow regelmäßig gut besucht. 20-30 Interessierte kommen dann zusammen. Aus diesem Personenkreis konnte die AfD nun vier Kandidaten für die Wahl zur Stadtverordnetenversammlung (SVV) gewinnen. Drei alte weiße Männer und eine blonde Frau. Der MAZ gegenüber erklärten die Kandidaten, dass sie sich Sachthemen widmen und für „frischen Wind“ sorgen möchten.

Biografie beim extrem rechten Bürgerbündnis

2018.10.22 Rathenow Ralf Maasch
Ralf Maasch engagierte sich jahrelang als Straßenaktivist für das extrem rechte „Bürgerbündnis Havelland“, jetzt soll sein Weg mit Hilfe der AfD in die Stadtverordnetenversammlung führen

Politisch erfahren ist jedoch kaum jemand der Vier. Lediglich Ralf Maasch stach bisher durch wahrnehmbares Engagement im vorpolitischen Raum hervor. Als Straßenaktivist beteiligte er sich im Zeitraum von Oktober 2015 bis Januar 2019 an einem Großteil der öffentlichen Versammlungen des „Bürgerbündnisses Havelland“, hielt dort vielfach auch Redebeiträge. Darüber hinaus gehörte er auch zum inneren Kern dieser Organisation und zu den Gründungsmitgliedern des daraus am 1. Mai 2016 entstandenen eingetragenen Vereins. Maaschs Teilnahme an der Jahreshauptversammlung im Mai 2017 ist ebenfalls belegt. Noch Ende Oktober 2018 posierte er selbstbewusst in Kleidungsstücken des Vereins.
Erst im Rahmen der letzten öffentlichen Versammlung des „Bürgerbündnisses Havelland“ am 14. Januar 2019 verkündete Maasch  seinen offiziellen Austritt aus der Vereinigung.

Die Abkehr erscheint jedoch wenig glaubhaft und hat vermutlich eher taktische Gründe. Das Bürgerbündnis ist nämlich in Rathenow für seine obskuren bis wahnhaften Statements berüchtigt. Wegen zunehmend „extremistischer Inhalte“, Hetze gegen Flüchtlinge und Gewaltaufrufen ist es aber auch im Fokus des Brandenburger Verfassungsschutzes. Ein Engagement für diese extrem rechte Vereinigung könnte also einige, für die AfD interessante Wählerschichten abschrecken.

Allerdings schließen momentane Abgrenzungen zum Bürgerbündnis eine spätere, fraktionsübergreifende Zusammenarbeit in der Stadtverordnetenversammlung (SVV) nicht zwingend aus. Im Gegenteil eine künftige Partnerschaft deutet sich bereits jetzt an.

An einer „kommunalpolitischen Schulung“ der AfD am 10. Januar 2019 in Rathenow, nahmen beispielsweise neben den SVV-Kandidaten der blauen Partei, wie eben beispielsweise Ralf Maasch, auch Kandidaten des „Bürgerbündnisses Havelland“ teil, die momentan mit den Republikanern und „parteilosen Bürgern“ eine eigene Wahlliste anstreben.

Liebäugelei mit Holocaustleugnerin und Neonazi-Parteien

Doch nicht nur die Nähe zu extrem rechten Organisationen ist einzelnen Rathenower AfD Mitgliedern belegbar. Auch deren persönliche Statements lassen eine Nähe zu neonazistischen Denkmustern erkennen. So sympathisieren beispielsweise Ralf Maasch und  Dirk Przedwolewski, ebenfalls AfD Kandidat für die Wahl zur Rathenower Stadtverordnetenversammlung, in jüngster Zeit auf ihren privaten, aber öffentlich einsehbaren Socialmedia-Accounts mit der Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck, die momentan in der JVA Bielefeld eine Haftstrafe wegen wiederholter Volksverhetzung abbüßt.

Ursula und AfD Kandidaten
Die Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck gilt im Neonazimilieu als Gallionsfigur. Sie findet aber auch Sympathien bei AfD Mitgliedern, wie hier bei Ralf Maasch und Dirk Przedwolewski. (Screenshots, Facebook)

Przedwolewski teilte sogar – im November 2018 – einen direkten Link zu einer Onlinepetition, in der die Freilassung der notorischen Hetzerin gefordert wird. Die Petition wurde im Übrigen durch die neonazistische Partei Die.RECHTE initiiert, ebenso wie die Internetseite auf der diese zu finden ist. Der im Impressum genannte Markus Walter ist, gemäß Bundeswahlleiter, Beisitzer im RECHTE-Bundesvorstand.

Ralf Maasch geteilte Beitraege
„Artgemeinschaft“, NPD Funktionäre und dazu die Musik von Rennicke – werden sie Einfluss auf die lokale Politik der AfD haben, sollte diese in die Rathenower SVV gewählt werden?

Darüber hinaus teilte Maasch – zuletzt Anfang März 2019 – auch Inhalte von NPD Funktionären, wie beispielsweise vom Stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Partei, Ronny Zasowk. Mehrfach finden sich bei ihm auch geteilte Beiträge, die den NPD-nahen Neonazibarden Frank Rennicke glorifizieren. Im Januar 2019 teilte Maasch außerdem ein Statement der neonazistischen „Artgemeinschaft“. Hierbei handelt es sich um eine religiös-völkische Vereinigung von Personen, die daran glauben von „nordisch-germanischer Art“ zu sein.
Sowohl „Artgemeinschaft“ als auch „Die.RECHTE“ und die NPD werden vom Verfassungsschutz als rechtsextreme Organisationen beobachtet und finden sich auch in der aktuellen „Unvereinbarkeitliste“ der AfD wieder.

Ein Gedanke zu „Brauner Gestank statt frischer Wind“

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.