Eberswalde: Unteilbar-Demo gegen Hetzkundgebung

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In Eberswalde (Landkreis Barnim) demonstrierte erneut „Heimatliebe Brandenburg“.
Das rechte Netzwerk agiert, ähnlich wie dessen Südbrandenburger Partnerverein „Zukunft Heimat“, im Rahmen eines Kooperationsmodells zu Gunsten der AfD.
Die Dauerwerbung für die rechte Partei erfuhr jedoch auch Widerspruch, beispielsweise durch das Aktionsbündnis „Für ein tolerantes Eberswalde“ (F.E.T.E.) unter dem Hashtag #Eberswaldeunteilbar.

150 Teilnehmende bei extrem rechter Demonstration in Eberswalde

Der Marktplatz befindet sich an zentraler Stelle in der historischen Altstadt von Eberswalde. Er hat eine Fläche von ungefähr 4.550m2 und dürfte fast ebenso vielen Menschen einen bequemen Platz zum versammeln bieten. So viele wurden es aber an diesem Samstagnachmittag nicht, die sich für die angemeldete Versammlung des rechten Netzwerkes „Heimatliebe Brandenburg“ interessierten.

Genauer gesagt wurden es gerade einmal 150 Sympathisierende aus dem gesamten Land Brandenburg und Berlin, die der im Internet beworbenen Veranstaltung, welche letztendlich bloß aus einer stationären Kundgebung bestand, beiwohnten. Ein ursprünglich geplanter Marsch durch einzelne Straßenzüge hatte die Versammlungsleitung – wegen schlechten Wetters – wieder abgesagt.

Die Orga-Crew um den rechten Netzwerker Lars Günther aus Bad Freienwalde (Landkreis Märkisch-Oderland), der u.a. das extrem rechte COMPACT Magazin  verteilt und dem Verbindungen zu Akteuren von NPD und Die.RECHTE nachgesagt werden, ist noch in der Gründungsphase und bestrebt einen harten Kern für ihre Dauerversammlungen zu konsolidieren.

Dass es für die Veranstaltenden noch nicht ganz rund läuft, zeigte beispielsweise die für die heutige Versammlung als Motto genutzte Phrase: „Unsere Heimat – Unsere Werte“. Unter dem selben Wortlaut führte nämlich bereits der CDU Kreisverband Wesel beispielsweise im Frühjahr 2018 eine Kampagne in Nordrhein-Westfalen durch. Die Bundeskanzlerin, die aus der selben Partei stammt, wurde hingegen von einem spontan eingesprungenen Redner aus Templin wiederum mit den üblichen „Merkel muss weg“ – Rufen geschmäht.

Schmähungen machten übrigens auch einen erheblichen Teil der Reden aus. Christoph Berndt von „Zukunft Heimat“ arbeitete sich beispielsweise an der „Amadeo-Antonio-Stiftung“ ab. Und das ausgerechnet in Eberswalde – dort wo der Namensgeber der Stiftung im Jahr 1990 durch Neonazis getötet wurde.

Auch Redner Steffen Kotré von der AfD wurde nicht Müde gegen bestimmte Feindbilder zu polemisieren. Sein Thema war die vermeintliche Islamisierung Brandenburgs, die er insbesondere in der Landeshauptstadt Potsdam auf dem Vormarsch sah. Ihm störte in diesem Zusammenhang vor allem das Moslems dort öffentlich Beten können. Kotré sieht darin eine Machtdemonstration von Islamgläubigen.

Sein Parteikollege Steffen John dämonisierte wiederum Geflüchtete. Er vermittelte den Eindruck, dass er in der Aufnahme von Asylsuchenden vor allem eine „unkontrollie Zuwanderung von kulturfremden und kulturfeindlichen Migranten“ sieht, die aus seiner Sicht „weder moralisch, juristisch noch gesellschaftspolitisch vertretbar“ sei. Außerdem störte John sich an der Arbeit rot-roten Landesregierung und forderte die Zuhörenden auf die AfD zu wählen.

Raumbesetzung im Sinne der AfD

Überhaupt scheint die AfD die Versammlungen von „Heimatliebe Brandenburg“ in Eberswalde als Chance für ihre Selbstdarstellung erkannt zu haben.

Es scheint deshalb kein Zufall sein, dass alle bereits im Vorfeld zur heutigen Versammlung „Heimatliebe Brandenburg“ angekündigten Redenden eine aktive Verknüpfung mit dieser Partei haben. Drei der vier Redner – Christoph Berndt, Lars Günther und Steffen John – befinden sich auf der Landesliste der Brandenburger AfD für die Wahlen zum Landesparlament im September 2019. Der vierte Redner, Steffen Kotré, sitzt bereits seit 2017 für diese Partei im Deutschen Bundestag.

Ähnlich sah es auch bei den vorangegangen Versammlungen von „Heimatliebe Brandenburg“ im August und November 2018 aus. Dort hatten ebenfalls fast alle Redende eine aktive biografische Verknüpfung mit der AfD und hoben durch ihr Engagement die Partei indirekt als Wähloption hervor.

Eine besonders bemerkenswerte Personalie ist dabei der Wortführer der extrem rechten Vereinigung „Zukunft Heimat“, Christoph Berndt aus Golßen (Landkreis Dahme-Spreewald), der nun schon zum dritten mal als Gastredner bei „Heimatliebe Brandenburg“ auftrat. Im südbrandenburgischen Cottbus  hat er gemeinsam mit seinem Verein der in Brandenburg eher extrem rechts aufgestellten AfD durch flüchtlingsfeindliche Aufmärsche im vierstelligen Teilnehmendenbereich einen vorpolitischen Raum eröffnet, welcher der Partei einen Weg zu extrem hohen Umfragewerte ebnete und derzeit das Selbstbewusstsein vermittelt, bei den kommenden Wahlen stärkste politische Kraft im Land zu werden. Berndts Engagement zahlte sich auch für ihn selbst aus. Er wurde während des Landesparteitages der AfD in Rangsdorf (Landkreis Teltow-Fläming) auf Platz 2 der Landesliste für die Landtagswahlen, gleich hinter Landeschef Andreas Kalbitz, gewählt und dürfte damit – nach aktuellen Umfragewerten – mit großer Wahrscheinlichkeit auch in das Brandenburger Landesparlament einziehen. Berndt ließ daraufhin verlauten, dass die Kooperation seiner „Bürgerinitiative“ mit der AfD ein Erfolgsmodell sei, das er gedenke weiterzuentwickeln.

Bisher gelang es ihm jedoch außerhalb von Cottbus kaum, qualitativ ähnliche Strukturen zu etablieren. Jedoch scheint zu mindestens im Raum Eberswalde mit Lars Günther ein rechter Netzwerker aktiv zu sein, der hier mit kontinuierlichen Versammlungen den öffentlichen Raum zu Gunsten der AfD offen hält und fähig zu sein scheint das „Cottbusser Kooperationsmodell“ zumindest im kleineren Maßstab auf den Norden Brandenburgs zu übertragen.

Auch in der Partei selber findet sein Aktionismus durchaus Anerkennung. Die Delegierten des AfD Landesparteitages hatten Günther immerhin auf Platz 26 (von 89 möglichen Plätzen) der Kandidatenliste für die Brandenburger Landtagswahl 2019 gewählt.

300 Menschen bekannten sich zu #eberswaldeunteilbar

Die von außen nach Eberswalde hinein getragenen Hetzversammlungen mit ihren vor allem geflüchteten- und islamfeindlichen Positionierungen, stoßen in der Stadt jedoch auch auf Widerspruch. Verschiedene Initiativen riefen deshalb im Vorfeld der heutigen Veranstaltung von „Heimatliebe Brandenburg“ zu Protestveranstaltungen auf. Das Aktionsbündnis „Für ein tolerantes Eberswalde“ (F.E.T.E.) mobilisierte beispielsweise unter dem Motto: „Unteilbar gegen Hass“ zu einer Demonstration „für eine solidarisches und soziales Miteinander“, statt „ Ausgrenzung und Rassismus“. Unterstützt wurde es dabei u.a. von der SPD, den Grünen, der LINKEn, deren Jugendgruppen sowie dem DGB, dem AStA der Fachhochschule und der Eberswalder Antifa-Gruppe „rumble“. Außerdem waren einige Sympathisierende mit dem Zug aus Richtung Berlin gekommen.

Entlang des Bahnhofsrings am Eberswalder Hauptbahnhof bildeten die ungefähr 300 Versammelten einen Demonstrationszug, der über die Bundesstraße 167, der Hauptverbindungsachse der Stadt in Ost-West Richtung, zur Altstadt führte und am Marktplatz in Hör- und Sichtweite zur Veranstaltung von „Heimatliebe Brandenburg“ mündete. Von dort aus widersprachen die Protestierenden lautstark den hetzerischen Verlautbarungen der Redenden des rechten Netzwerkes.

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Der Text wurde zuletzt am 10.02.2019 um 6.40 Uhr geändert und Ergänzungen eingefügt.

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Fotos vom gesamten Versammlungsgeschehen hier:

2019.02.09 Eberswalde - Buendnis Linkes Buendnis Unteilbar gegen rechtes Netzwerk Heimatliebe Brandenburg (1)

 

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