Dessau-Roßlau: Neonazistischer Fackelmarsch und Kopfgeldauslobung

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Die Attacke auf mehrere Neonazis am vergangenen Wochenende in Roßlau bewegt weiterhin deren Umfeld. Am Abend versammelte sich das lokale Milieu, verstärkt durch einzelne Szeneaktivisten aus Niedersachsen, am Roßlauer Bahnhof. Zu ihrem angekündigten Fackelmarsch kamen jedoch deutlich weniger Teilnehmende als erwartet. Dafür wurde im Internet ein Kopfgeld zur „Ergreifung der Täter“ ausgesetzt.

Vermummte bei Fackelmarsch

Waren am vergangenen Sonntag noch 150 Neonazis zu einem Solidaritätsmarsch für die attackierten Kameraden erschienen, kamen am heutigen Samstagabend lediglich 40, zum Teil erheblich vermummte Akteure aus dem Umfeld so genannter „Freien Kräften“, um sich gegen „linke Gewalt“ zu positionieren.

Wer für den Überfall auf die Neonazis am letzten Wochenende indes verantwortlich ist, scheint allerdings tatsächlich noch Stand der Ermittlungen der Polizei zu sein. Bisher bekannt ist lediglich, dass die Tatverdächtigen vermummt gewesen sein sollen.

Für Szeneaktivist Dieter Riefling, der in seinem heutigen Redebeitrag vehement von einem versuchten Mord an seinen Kameraden sprach, standen die Schuldigen indes  schon fest. Er verdächtigt linke „Sportgruppen“, die er vor allem in Leipzig oder Bremen verortet, hinter der Attacke. Eine antifaschistische Szene in Roßlau sei ihm hingegen nicht bekannt.

Dennoch schien es den Neonazis wichtig zu sein, in Roßlau Flagge zu zeigen.

Auf eine größere Route durch den nördlichen Ortsteil von Dessau-Roßlau wurde jedoch, offenbar wegen der geringen Teilnehmendenzahl und der äußerst widrigen Witterungsumstände verzichtet.

Der Fackelmarsch endete bereits nach 440 Metern mit der Abschlusskundgebung an einer Kreuzung.

Neonazis setzten Belohnung aus

Zuvor bekräftigte Dieter Riefling allerdings noch einmal, dass für „Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen“ eine Belohnung ausgelobt sei.

Ein ähnlicher Aufruf kursiert bereits seit gestern im Internet. Dort wird ebenfalls von einem „versuchten Mord“ gesprochen, während die Polizei nach wie vor wegen „gefährlicher Körperverletzung“ ermittelt. Doch die Arbeit der Ermittelnden scheint die Neonazis nicht zu interessieren. Das Milieu scheint nach Rache zu dürsten. Bereits während des ersten Aufmarsches am vergangenen Sonntag war eine 14 Jährige Nazigegnerin attackiert worden.

Nun können sich Personen, die Angaben zum Tatgeschehen machen können, via angegebener Telefonnummer direkt an die Neonazis wenden. Die Polizei als eigentlich originärer Ansprechpartner wird in diesem Aufruf nur zweitrangig erwähnt.

Angegriffener soll bekannter Szeneaktivist sein

Das Hohe Interesse am Schicksal der attackierten Neonazis liegt offenbar darin, dass einer der Angegriffenen ein äußerst umtriebiger Szeneaktivist sein soll. Der Mann soll Räumlichkeiten im Ortsteil Roßlau unterhalten, in denen das neonazistische Milieu Versammlungen und Konzerte abhält. Außerdem gilt der Szeneaktivist als Organisator der regelmäßig in Dessau-Roßlau inszenierten „Trauermärsche“, die vorgeblich an die Bombardierung der Stadt während des Zweiten Weltkrieges erinnern sollen. Aktuell wirbt die Partei Die Rechte für eine entsprechende Versammlung am 16. März 2019.

weitere Fotos hier:

2019.01.26 Dessau-Rosslau OT Rosslau Neonazistischer Fackelmarsch (15)
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