Havelland: REPs eröffnen braune Schlammschlacht

Eine deutsche Staatsbürgerin mit kurdischen Wurzeln wird Vorsitzende eines AfD Verbandes im brandenburgischen Havelland. Dies empört die Republikaner und deren neuen Brandenburger Landeschef, der mit seinem extrem rechten Verein „Bürgerbündnis Havelland“ bisheriger Platzhirsch in diesem Landkreis ist. Beide engagierten sich allerdings noch Anfang  des Jahres für die gemeinsame Sache. Der REP- und gleichzeige Bürgerbündnis Chef unterstützte die jetzige Vorsitzende des AfD Kreisverbandes Havelland bei einem ihrer rechten „Frauenmärsche“ in Berlin.

Leyla Bilge neue AfD Kreisvorsitzende

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Foto: Leyla Bilge (links) mit ihrem Bodygard (rechts, mit „Lebensrunen“-Tattoo) während einer ihrer „Frauenmärsche“ am 9. Juni 2018 in Berlin.

Der havelländische Pressesprecher der Alternative für Deutschland, Gerald Hübner, verkündete vorgestern scheinbar Sensationelles. In einer überwiegend ironisch verfassten Pressemitteilung, welche in ersten Linie offenbar Rassismus-, Sexismus- und Homophobie-Vorwürfe gegen seine Partei aufs Korn nehmen sollte, verkündete der Mann, der in Berlin als Angestellter des LKA arbeitet und vor zwei Jahren wegen rechter Aussagen bei Veranstaltungen der „PEGIDA Havelland“ mit drohenden personalrechtlichen Konsequenzen zu kämpfen hatte, das nun die „gebürtige Kurdin“ Leyla Bilge zur neuen Kreisvorsitzenden der havelländischen AfD gewählt wurde. Explizit betonte er dabei, dass diese sich „mit ihrem Verein auch der Entwicklungs- und Flüchtlingshilfe in Syrien und Irak“ widme.

Gab es etwa eine Kurskorrektur in der „AfD“ ?

Nein, die Fakten sprechen eher dagegen.

Im November 2017 soll Leyla Bilge beispielsweise Moderatorin einer Konferenz des rechten Compact Magazins in Leipzig gewesen sein. Dort habe sie Björn Höcke – Anführer des völkisch-nationalistischen Flügels in der AfD – u.a. als „die Stimme Deutschlands“ bezeichnet.  Der „Alternative für Deutschland“ soll sie zudem bereits im Sommer 2016  beigetreten sein.

Am 17. Februar 2018 organisierte Bilge in Berlin einen so genannten „Frauenmarsch“, auf dem u.a. auch PEGIDA-Mann Lutz Bachmann auftrat. Die Berliner Innenbehörde erkannte zudem auch Neonazis, Mitglieder der „Identitären Bewegung“, „Reichsbürger“ und NPD Funktionäre auf der Demonstration.

Das Engagement Leyla Bilges im Havelland erscheint jedoch tatsächlich neu. Auf dem Magdeburger Konvent der Bundespartei Mitte November 2018 hatte sie sich nämlich noch um einen Listenplatz für die Kandidatur zu den Europawahlen 2019 beworben – vorerst erfolglos. Der Abstieg in die Provinz verwirrt deshalb zunächst. Jedoch werden 2019 im Land Brandenburg  Kommunal- und Landtagswahlen abgehalten. Es könnte eine zweite Chance für Bilge sein.

REP Chef Christian Kaiser empört über Bilges neuen Posten

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Foto: Christian Kaiser, Chef des „Bürgerbündnisses Havelland“ und Brandenburger REPUBLIKANER während eines Redebeitrages an einem mit „Lebensrunen“ verzierten Podium (Kundgebung am 2. Juli 2018 in Rathenow).

Doch kurz nach dem Bekanntwerden der AfD Pressemitteilung zur Neubesetzung des Kreisvorsitzes der Partei empörte sich bereits die Konkurrenz in Form des Brandenburger Landesverbandes  der REPUBLIKANER über diese Wahlentscheidung. „Niemand braucht eine Kurdin um Politik für die BRD zu machen“, so Brandenburgs REPs auf ihrer offenbar neuen, zweiten Seite bei Facebook. „Deutsche für Deutschland“ ergänzte der Chef der Brandenburger REPUBLIKANER, Christian Kaiser, zudem beim Teilen der Meinung seines Parteiverbandes.

Die REPs und ihr Chef in Brandenburg unterstellen der AfD zudem indirekt Unehrlichkeit. In ihrer mutmaßlich rassistisch motivierten „Kritik“ berufen sie sich auf Björn Höcke. Dieser gilt wiederum als Kopf des völkisch-nationalistischen „Flügels“ in der AfD, der sich in einem seiner fünf Grundsätze u.a. wie folgt positioniert: „Nur Ideologen glauben, […] dass jeder zu einem Deutschen wird, sobald er die Landesgrenze überschritten hat“.

Diese grundsätzliche „Kritik“ an der neuen AfD-Kreisvorsitzenden  passt zwar zu den aktuellen Entwicklungen bei den REPs, verwirrt allerdings doch ein wenig im Hinblick darauf, dass Kaiser, der auch Chef der extrem rechten Vereinigung „Bürgerbündnis Havelland“ ist,  Bilge noch bei ihrem „Frauenmarsch“ im Februar diesen Jahres mit einem Lautsprecherwagen, Anlagentechnik und nicht zuletzt mit dem Logo-besetzten Podium des Vereins unterstützte.

Andererseits offenbart die Empörung der REPs die perfide Masche der extremen Rechten, willige Menschen, welche nicht dem landläufigen Bild ihrer Bewegung entsprechen und somit gerne als Aushängeschild gezeigt werden, so lange für sich auszunutzen, wie es für die Sache dienlich ist.

Die plötzliche fundamentale Ablehnung der „gebürtigen Kurdin“ kann nämlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass der havelländische „Platzhirsch“ der extremen Rechten, Christian Kaiser, durch die bundesweit bekanntere Bilge um seinen Einfluss in der Region fürchten muss.

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