Tangermünde: Extreme Rechte Gruppen posierten im Fackelschein

Titel

Treffen extrem rechter PEGIDA-Splittergruppen in der Altmark, mit „Sternmarsch“ und Fackelparade, anlässlich des dreijährigen Bestehens lokaler Gruppen

Mit dem Entzünden von 30 Fackeln endete am frühen Samstagabend ein Treffen von extrem rechten PEGIDA-Splittergruppen in der altmärkischen Kleinstadt Tangermünde (Landkreis Stendal, Sachsen-Anhalt). Zuvor hatte derselbe Personenkreis bereits am Nachmittag einen „Sternmarsch“ und eine stationäre Kundgebung im Zentrum der Stadt durchgeführt. Das umfangreiche Versammlungsangebot wurde jedoch nur von knapp 50 Sympathisierenden aus Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Sachsen und Thüringen wahrgenommen. Die örtliche Zivilgesellschaft antworte unter dem Motto: „Buntes Tangermünde“ mit einer Gegenveranstaltung an der Stephanskirche auf das extrem rechte Versammlungsgeschehen. An dieser Veranstaltung nahmen ungefähr 100 Menschen teil. Die Polizei war mehreren dutzend Einsatzkräften vor Ort.

Vom „Sternmarsch“ zur Fackelparade

Begonnen hatte das Versammlungsgeschehen in Tangermünde bereits am frühen Samstagnachmittag. Ab 14.30 Uhr hatten mehrere extrem rechte Gruppen, ausgehend von drei unterschiedlichen Punkten im Stadtgebiet zu einem „Sternmarsch“ aufgerufen. So wollte die „Bürgerbewegung Altmark“ unter dem Motto: „Unser Land Unsere Regeln“ vom Neustädter Tor, die „Volksbewegung Sachsen-Anhalt“ unter dem Motto: „Chemnitz ist überall“ vom Bahnhof und eine weitere Gruppe vom Eulenturm aus in das Stadtzentrum „einmarschieren“. Zwar fanden diese Veranstaltungen dann auch tatsächlich statt, jedoch in deutlich schmaleren Dimensionen als der von den Veranstaltenden überhöht gewählte Begriff „Sternmarsch“ vielleicht verspricht. So starteten vom Neustädter Tor lediglich neun Personen, vom Bahnhof 16 und vom Eulenturm ebenfalls 16. Dabei führten die Marschteilnehmenden u.a. Symbole der „Volksbewegung Sachsen-Anhalt“, des „Bürgerbündnis Havelland“, der „Soldiers of Odin“ sowie Fahnen der „Freikorps Heimatschutz Division“, der „REPUBLIKANER“, des Staates Preußen und der Bundesrepublik mit sich.

Ziel des „Sternmarsches“ war der Markt in der historischen Altstadt. Dort hatte die Internetinitiative „Vereint für ein freies und souveränes Vaterland“ unter gleich lautendem Motto bereits Wochen im Voraus zu einer Veranstaltung aufgerufen. Diese begann dann nach dem Eintreffen der einzelnen Züge des „Sternmarsches“.

Nachdem die Versammlungsleitenden die einzelnen „Demonstrationen“, u.a. Jens Lorek für die von Katja Kaiser aus Dresden geleitete Veranstaltung der „Volksbewegung Sachsen-Anhalt“ und Martin Knaak aus Tangerhütte für die „Bürgerbewegung Altmark“, beendeten, eröffnete Jessica Rupp, ebenfalls „Bürgerbewegung Altmark“, als Versammlungsleiterin, gegen 16.00 Uhr die stationäre Kundgebung  auf dem Markt. Dort traten nun mehrere Redende aus Tangerhütte, Rathenow, Premnitz, Magdeburg und Berlin an das „offene“ Mikrophon. Sie äußerten sich, in zumeist scharfen Ton, hauptsächlich zu PEGIDA-typischen Themen. Darüber hinaus stellte ein Mann, der sich als „Schmidti“ aus Magdeburg vorstellte und über Russland-Solidarität sowie über typische Reichsbürger-Themen sprach, die AfD als einzig wählbare Partei da. Christian Kaiser vom „Bürgerbündnis Havelland“ aus Rathenow betonte anschließend, dass er neben der AfD auch die REPUBLIKANER sowie die neonazistischen Parteien NPD und „Der III. Weg“ als Teil des patriotischen Spektrums, in dem sich die Versammelnden selber einordneten, sieht. In einem von einem Tonträger abgespielten Musikbeitrag, betonte die Sängerin, dass sie zur NPD gehöre. Weitere wiedergegebene Tonaufnahmen waren ein Lied vom „Tanzorchester immervoll“ (Tarnbezeichnung der kriminellen Vereinigung „Landser“)   sowie die alte Kaiserhymne „Heil Dir im Siegerkranz“. Anschließend trat ein Liedermacher auf, der u.a. das 1935 geschriebene Westerwaldlied, ein populärer Marsch der nationalsozialistischen Wehrmacht, im Repertoire hatte.

Mit einbrechender Dunkelheit positionierten sich dann 30 Kundgebungsteilnehmende gegen 18.15 Uhr an der Lange Straße und leiteten den letzten Akt des Versammlungsgeschehens, das Entzünden von Fackeln, ein.

Dreijähriges Bestehen lokaler Aktivengruppen

Hintergrund des Treffens der extrem rechten PEGIDA-Splittergruppen dürften die Jubiläen zwei lokaler Verbände sein. So veranstaltete beispielsweise die „Bürgerbewegung Altmark“ erstmals am 25. Oktober 2015 eine Demonstration in Stendal. Wenige Tage später startete dann das „Bürgerbündnis Havelland“ am 27. Oktober 2015 im nahen Rathenow (Landkreis Havelland, Brandenburg) mit einer stationären Kundgebung.

Beide Gruppierungen konnten in ihrer Frühphase zunächst hunderte Menschen, auch aus dem bürgerlich konservativen Spektrum, mobilisieren und dadurch zumindest auf lokaler Ebene in der tagespolitischen Debatte Gehör finden. Der Erfolg hielt jedoch nur kurz an. Nach mehreren Aufzügen dünnten sich die neuen Bewegungen innerhalb weniger Monate jedoch recht schnell wieder erheblich aus.

Übrig blieb eine meist im unteren zweistelligen Bereich agierende Minderheit, die sich ausgehend von informellen Gruppierungen von „Islam- und Asylkritern“ bzw. Flüchtlingsfeinden hin zu organisierten, extrem rechten Strukturen entwickelten und seitdem den bisherigen gesellschaftspolitischen Aktionsraum der vormals hier aktiven Netzwerke aus NPD und „Freien Kräfte“ füllten.

Hinweis:

Der Abschnitt „Vom Sternmarsch zur Fackelparade“ wurde am 28.10.2018 um 10.30 Uhr ergänzt.

Weitere Fotos hier:

2018.10.27 Tangermuende - Extrem rechter Sternmarsch und Fackelkundgebung (1)
Advertisements