Rathenow: Der harte Kampf gegen die Bedeutungslosigkeit

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Es war wieder Versammlungsmontag in Rathenow. Die extrem rechte Vereinigung „Bürgerbündnis Havelland“ setzte ihre Veranstaltungsserie auf dem Märkischen Platz fort. 20 Personen erschienen – inzwischen der typischer Schnitt für diese Kundgebungsreihe.

Wehmütig erinnerten sich aber noch einige sympthisierende Passanten, dass dort einmal bis zu 1.000 Personen gestanden haben. Sie ärgern sich vor allem über die Presse, die wegen ihrer genauen Beobachtung vermeintlich schuld daran sei, dass die Leute fernblieben.

Die hartnäckigen Dauerdemonstrierenden in der Mitte des Märkischen Platzes fürchten sich einerseits ebenfalls vor der Presse, betonen aber andererseits in großspurigen Reden, die zunächst mit Videotechnik aufgezeichnet und später dann frei zugänglich ins Internet eingespeist werden, wieviel „Eier“ und „Rückgrat“ sie zeigen, weil sie immer noch  da stehen.

Tatsächlich ist der Wahn dieser Leute etwas was die Menschen in der Stadt beschäftigt. Soll die aggressive Hetze ernstgenommen oder das infantile Palaver ignoriert werden?

Proteste gegen das „Bürgerbündnis Havelland“ hat es, trotz der Verschärfung des Tones auf den Kundgebungen und auf der Webside schon seit zwei Jahren nicht mehr gegeben.

Dabei wird der Kampf gegen die Bedeutungslosigkeit seitens des Bürgerbündnisses keinesfalls nur kleinlaut und wehmütig ausgetragen. Allen voran der immer mehr von Wahnzügen gezeichnete Vereinsvorsitzende Christian Kaiser lässt durch die lärmintensiver Anlage keinen Zweifel daran, dass es ihm weder an Entschlossenheit, noch an Aktionismus fehle.

Stolz berichtete der Chef des Bürgerbündnisses von einem „Vernetzungstreffen“ der THÜGIDA in Leipzig, welches er am vergangenen Samstag mit einer weiteren Person  besuchte. „Patrioten, deutschlandweit“ sollen daran teilgenommen haben, um sich gemeinsam über neue Aktionsformen abzusprechen. Demnach seien beispielsweise „deutschlandweite Kundgebungen“ in den  „roten Hochburgen“ und „antideutschen Zeckenstraßen“ geplant, „sieben Tage am Stück, von frühs um 10.00 bis abends um 18.00 Uhr“ bzw. „20.00 Uhr“, so der Kaiser. Ziel sei es die „Belastbarkeitsgrenze“ des „Systems BRD“ zu testen.

Eine ernsthafte Krise ist durch derartige Phantasmen jedoch nicht wirklich erwartbar. Es wird wohl eher bei aggressiver Hetze bleiben, die sich übrigens auch heute wieder beim Kaiser zeigte.

Während er sich immer weiter in Rage redete, kamen immer wieder explizit rassistische und antisemitische Einflüsse in seiner Weltanschauung zum Vorschein. Für dunkelhäutige Menschen benutzt der Kaiser beispielsweise das Wort „Niggerlein“ sowie  „Zionistische Denkfabrik“ für das ZDF.

Auch bei den anderen Redenden ist die Wortwahl ähnlich, beispielsweise wenn über das „Hochfinanzjudentum“ gesprochen wird oder Rathenows Bürgermeister Seeger als „Parasit der Schuldkultindustrie“ bezeichnet wird.

Einige Redende haben andererseits aber auch derart mit dem Satzbau zu kämpfen, dass die aneinandergereihten Phrasen selbst für das eigene Publikum kaum verständlich sind. Viele Teilnehmende verließen so bereits vor dem offiziellen Ende der Kundgebung die Versammlung. Von 20 Personen zu Beginn der Veranstaltung blieben so am Ende kaum mehr als zehn.

Letztendlich war das „Bürgerbündnis“ sich selber wieder der größte Feind.

Weitere Fotos hier:

2018.10.22 Rathenow Kundgebung Buergerbuendnis (8)
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