Rathenow: Hass und Wahn am Montagabend

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Trotz des desaströsen Auftritts des „(Reichs)bürgerbündnisses“ bei der zivilgesellschaftlichen Veranstaltung: „Warum Reichsbürger?“, in der vergangenen Woche, setzte der lokale, extrem rechte PEGIDA-Ableger am Montagabend seine Versammlungsreihe in Rathenow fort.
Zu der stationären Kundgebung auf dem Märkischen Platz erschienen insgesamt 20 Personen aus der havelländischen Kreisstadt sowie aus Premnitz, Brandenburg an der Havel und Berlin.

Rassistische Hetze als Dauerthema zur Mobilisierung Gleichgesinnter

Nach dem Singen einer abgewandelten, Bundeskanzlerin Angela Merkel verunglimpfenden Version der inoffiziellen brandenburgischen Landeshymne „Märkische Heide“ durch einen vermeintlichen Sänger, hielt der Vorsitzende des Bürgerbündnisses Havelland eV, Christian Kaiser, den Eröffnungsredebeitrag. Im Rahmen dessen pöbelte der Redende u.a. gegen die „Lügenjournallie der BRD“ und gegen „Antideutsches Gesindel“. Dann folgten Bemerkungen über den Ausländeranteil in Rathenower Kitas und Schulen, die so formuliert waren, als ob es ein Skandal wäre, dass dort „nichtdeutsche“ Kinder betreut werden. Die vermeintliche „Besorgnis“, welche üblicherweise die bürgerliche „Mitte der Gesellschaft“ sensibilisieren soll, demaskierte sich allerdings einmal mehr, durch die Verwendung typisch neu-rechter Begriffe, wie „kulturfremde Kreise“ und „Umvolkung“, als banale rassistische Hetze.
Die permanente Befeuerung dieser Thematik durch das Bürgerbündnis und seine Podiumsgäste sowie Kaisers Hinweis, dass angeblich „an jedem vierten Tag ein Deutscher durch einen Ausländer in Deutschland getötet“ werde, lassen jedoch auch zielgerichtete Absichten durchblicken. Offenbar beeindruckt von extrem rechten Großaufzügen in Chemnitz und Köthen, nach Auseinandersetzungen zwischen Menschen unterschiedlicher Nationalität, war der Redebeitrag des Kaisers mutmaßlich auch als Aufruf für kommende, ähnlich gesinnte Versammlungen im gesamten Bundesgebiet gedacht. Explizit mobilisierte der Vorsitzende des „Bürgerbündnisses Havelland“ beispielsweise zu angemeldeten Veranstaltungen am 29. September in Köthen sowie am 3. Oktober in Berlin.
Die tatsächliche Zugkraft von Kaisers Vereinigung dürfte lokal allerdings weiterhin gering bleiben, auch wenn einzelne, neue Sympathisierende jetzt das so genannte „offene Mikrophon“ nutzen. Das plumpe, infantile und höchst realitätsferne Auftreten der Sympathisierenden des „Bürgerbündnisses“ während der eingangs erwähnten Infoveranstaltung in der vergangenen Woche, stellt eine Massenmobilisierung, wie im Jahr 2015, jedoch mehr denn je in Frage. Und auch die Hineinsteigerung in den „Reichsbürger“-Wahn – am gestrigen Abend beispielsweise wieder durch die Infragestellung der bundesrepublikanischen Verfassung in Kaisers Redebeitrag – wird das Stadtklima nicht wesentlich zu Gunsten des „Bürgerbündnisses“ beeinflussen.

Bundesweite Vernetzung als Ausgleich zum Schwund lokaler Sympathisierender

Die einzige ernstzunehmende Gefahr, die von diesem Personenkreis momentan ausgeht, ist die offensichtlich angestrebte Vernetzung mit ähnlich wahnhaften Personen sowie Klientel der extremen Rechten aus dem gesamten Bundesgebiet.
Während der Veranstaltung am Montagabend zeigte sich insbesondere wieder die enge Verbindung zur Figuren der extremen Rechten aus Berlin. So wurde die Berlinerin „Elke Metzner“, die später auch noch einen Redebeitrag hielt, beispielsweise als neue Verantwortliche der Internetpräsenz des Bürgerbündnisses offiziell vorgestellt. Dass „Metzner“, die für extreme Ausdrucksweise berüchtigt ist, diese Funktion ausübt, deutete sich schon seit geraumer Zeit an. Die auf der Internetpräsenz verbreitete Hetze nimmt bereits seit Wochen an Schärfe zu. Zudem werden dort immer öfter Statements anderer extrem rechter Organisationen sowie aus dem neonazistischen Spektrum, wie der NPD oder dem III. Weg geteilt.

Fotos hier: https://www.flickr.com/photos/presseservice_rathenow/albums/72157701447964124

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