Schönhausen (Elbe) – Bizarres Gedenken an Toten von Chemnitz

2018.09.02 Schoenhausen - Bizarre Gedenkkundgebung (5)

Schönhausen ist eine kleine Gemeinde im Landkreis Stendal. Ungefähr 2.100 Menschen wohnen hier. Bemerkbar ist dies allerdings nicht. Die Straßen an diesem Sonntagabend sind menschenleer.

Nur am sowjetischen Ehrenmal versammelt sich eine kleine Gruppe Personen, flankiert von Ordnungsamt und Polizei. Es waren Teilnehmende einer Kundgebung, die  der Schönhausener Eckhardt „Eckie“ Gromeier  initiierte. Er wolle damit sein Mitgefühl für die „Opfer der Emigrationskriese“ ausdrücken, wie er in seiner im Internet veröffentlichten Anmeldung im Original schreibt.

Gemeint ist der gewaltsame Tod von Daniel H, den derzeit vor allem extrem rechte Parteien und  neonazistische Organisationen nutzen, um von Chemnitz aus ein bundesweites Signal zu senden.

Ein Rechter will „Eckie“ allerdings nicht sein. Irgendwie wirkt der mittelalte Mann mit seinem schwarzen Zylinder, der Jeansweste mit  den „Exploited“ und „Anarchy“ Aufnähern, seinen unbekleideten Füßen und der Wandergitarre tatsächlich eher wie ein punkiger Quergeist.

Im Internet zeigt er jedoch ein ganz anderes Gesicht, teilt gerne Beiträge der AfD, PEGIDA-typische Slogans sowie Fotos von diversen betont schwarz-weiß-rot gehaltenen Devotionalien. Und natürlich ist er zum Thema „Asyl“ sensibilisiert. Während der Kundgebung zeigt er ein Foto, auf dem mehrere Tote der „GroKo-Politik“ aufgezählt werden.

Mit der Gestaltung der Versammlung ist „Eckie“ allerdings etwas überfordert. Mit seiner Werbung hat er so gut wie keine Mitstreitende aus der Gemeinde erreicht. Dafür kommen ein paar Akteure „Freier Kräfte“ sowie eine ehemalige Kreistagskandidatin der NPD aus der Gemeinde Windberge. Sehr günstig für „Eckie“ gestaltete sich lediglich, dass er in der PEGIDA-ähnlichen Gruppierung „Bürgerbewegung Altmark“ tatkräftige Unterstützung fand. Deren augenscheinlicher Chef, Martin Knaak, war mit weiteren Sympathisierenden, Fahnen, Spruchbändern und Veranstaltungstechnik angereist. Knaak gilt als Versammlungserfahren, führt seit 2015 in Stendal, Tangerhütte und Tangermünde flüchtlingsfeindlichen Veranstaltungen durch.

Heute kommen aus seiner Musikbox u.a. Lieder der Rechtsrockband „Tanzorchester Immervoll“ (Ex-Landser) und der ehemaligen NPD-Liedermacherin „Annett Müller“. Dann folgte „Musik“ von „Frei.wild“, Marschmusik („O Du schöner Westerwald“) und abschließend die alte deutsche Kaiserhymne:  „Heil Dir im Siegerkranz“. Zudem hielt Knaak einen kurzen Redebeitrag in dem er sich auf Ereignisse in Chemnitz bezog.

Knaaks hochschwangere Lebensabschnittsgefährtin erklomm inzwischen, mit einer weiteren Sympathisantin das sowjetischen Ehrenmal, wedelte eine in Schwarz-Weiß-Rot gehaltene Fahne und zeigte dazu ein Spruchband gegen die Bundeskanzlerin. „Rapefugees – not welcome“ stand zusätzlich auf ihrem „T-Hemd“. Eine andere Veranstaltungsteilnehmerin wedelte zu dem die Reichskriegsflagge (1933-1945).

Nach fast einer Stunde beendete „Eckie“ die Versammlung, mit dem Hinweis das weitere folgen könnten.

Weitere Fotos hier:

2018.09.02 Schoenhausen - Bizarre Gedenkkundgebung  (5)

 

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