Rathenow: Reichsbürger-Propaganda, Hitler-Verherrlichung und REP-Werbung

Titel

Am Montagabend versammelten sich 20 Personen der extrem rechte Vereinigung „Bürgerbündnis Havelland eV“ zu ihrer regelmäßig stattfindenden Kundgebung im Rathenower Stadtzentrum. Dem üblichen Muster folgend, begann die Versammlung gegen 18.30 Uhr mit der inoffiziellen Brandenburger Hymne: „Märkische Heide“. Dann folgten fünf Redebeiträge, mit musikalischem Zwischenspiel sowie abschließend das dreistrophige „Lied der Deutschen“, dessen letzte Strophe die offizielle Nationalhymne der Bundesrepublik ist.

Mit dem bundesrepublikanischen Deutschland, zumindest wie es heut besteht, dürfte das Bürgerbündnis aber tatsächlich nichts zu tun haben wollen. So behauptete der ehemalige Stellvertretende Vorsitzende der Vereinigung, Andreas Schömann, während seiner Rede, dass dieses Deutschland überhaupt kein Staat sei und Beamte für ihn nicht existieren würden, weil alle „Beamtenverhältnisse“ am 8. Mai 1945 „erloschen“ seien.

Sicher, das eigentliche Kernanliegen von Schömanns Rede dürfte sich dabei weniger um tiefgreifende, verfassungsrechtliche Fragen drehen, sondern eher die Abkapselung vom bundesrepublikanischen Gebührensystem („GEZ Gebühr“) zum persönlichen Vorteil beinhalten.  Doch so skurril die Redebeiträge auch seien mögen, in manchen verbergen sich eben auch Versatzstücke einer gesellschaftspolitischen Agenda mit deutlich erkennbaren extrem rechten, ja sogar neonazistischen Tendenzen.

Deutlich wurde dies insbesondere bei der Rede des Vereinsvorsitzenden Christian Kaiser, der 29 noch gültige „Gesetze von Adolf Hitler“ als „Errungenschaft“ positivierte, weil diese eben bis heute nicht außer Kraft seien. Explizit nannte er u.a. „Tierschutzgesetz“, den „1. Mai Feiertag“, die „Morddefinition“, die „Sicherheitsverwahrung“ etc. Auch die Ausweispflicht habe der „gute Mann“ eingeführt, so Kaiser.  Hitlers Verbrechen wurden hingegen nicht thematisiert. Dafür aber dessen positiven „Errungenschaften“ als vermeintliches Argument gegen den poltischen Gegner genutzt.

Als Relativismus  wird diese, vor allem im neonazistischen Milieu übliche Strategie bezeichnet, in der es um Aufrechnung von Opferzahlen oder gar die Schuldumkehr geht. So begann beispielsweise der Zweite Weltkrieg, laut späterer Bekundung des Kaisers, von „Übersee“ aus und nicht etwa von deutschem Boden.

Ebenfalls mit einem historischen Thema begann der Redebeitrag der Berlinerin „Elke Metzner“. Sie erinnerte zunächst an den Mauerbau vor 57 Jahren, um anschließend zunächst explizit gegen die Linkspartei  zu polemisieren und zum Widerstand auf der Straße aufzurufen. Nach einigen verbalen Wutausbrüchen zu den Themen „Frühsexualisierung“, „GEZ“, kam Metzner dann zum eigentlichen Kern ihrer Rede. Die Berlinerin wolle sich nämlich im Wahlkampf engagieren. Am Samstag, dem 18. August 2018, wolle Metzner so an einer Kundgebung der Republikaner (REP) in Göttingen (Niedersachsen) teilnehmen. Es gehe ihr dabei um die bevorstehenden Kommunal- und Europawahlen, insbesondere um den gemeinsamen Einzug von vier extrem rechten Parteien in das verhasste europäische Parlament. Da dürften die Republikaner nicht fehlen, so Metzner weiter, ebenso wenig wie ihr „Mutterschiff“, die NPD, sowie der „Dritte Weg“ und „Die Rechte“. Schließlich gäbe es, so die Rednerin, Übereinstimmungen in den wichtigsten Zielen. Und um „raus aus der EU“ zu kommen, müssten „wir“ erst einmal „in diesen Saftladen hineingewählt werden“, so Metzner weiter.

Damit war eigentlich alles gesagt.

Die anderen Reden, u.a. die von Wolfgang Hoppe, in der dieser wieder gegen anwesende Pressevertreter oder eine seiner Nachbarinnen verbal wütete, förderten hingegen keine neuen Erkenntnisse oder blieben, wie im Falle des letzten Redners, vom Sinn her unverständlich.

Fotos:

2018.08.13 Rathenow Kundegbung Buergerbuendnis Havelland (1)