Neuruppin: Nachlese zu Vorkommnissen bei Pokalspiel

MSV verurteilte Auseinandersetzungen nach Pokalspiel / Mecklenburger Neonazi provozierte im Innenraum / Naziparolen gegen Fans des SV Babelsberg 03

Nach den Auseinandersetzungen infolge des Fußballlandespokal-Halbfinales, hat der Gastgebende MSV Neuruppin das Verhalten einiger seiner Fans verurteilt. Gegenüber dem Sportbuzzer bedauerte ein Vereinssprecher die „unschönen Szenen“ nach Abpfiff der Partie. Sympathisierende des MSV hatten nämlich versucht die Babelsberger Fans zu provozieren und damit einen Polizeieinsatz ausgelöst.
Unter anderem sollen sich drei Männer aus der heimischen Gegengerade in Richtung des Gästeblockes begeben haben und die Auseinandersetzung mit Spielern des SV Babelsberg 03 gesucht haben. Daraufhin mussten zunächst die Ordner einschreiten und im anschließenden Tumult auch die Polizei.
Zwei der drei Männer schienen heimische Anhänger des MSV zu sein, sie hatten sich in der ersten Halbzeit zunächst an einer Choreografie beteiligt, in der vom Pokalsieg der Neuruppiner geträumt wurde.

Mecklenburger Neonazi provozierte im Innenraum

2018.03.24 Neuruppin MSV Fans auf Platz
Neonazi Bjarn T. provoziert mit Neuruppiner Fans im Innenraum, Babelsberger Ordner müssen eingreifen

Der dritte Provokateur im Innenraum konnte inzwischen ebenfalls eingeordnet werden. Es soll sich bei dem jungen Mann um den Mecklenburger Neonazi Bjarn T. aus dem 160 km von Neuruppin (Landkreis Ostprignitz-Ruppin, Brandenburg) entfernten Lübtheen (Landkreis Ludwigslust-Parchim) gehandelt haben. Er ist der Sohn des Lübtheener NPD Stadtrat Andreas Theißen, der ebenfalls im Stadion war. Von beiden existiert ein Foto, welches sie gemeinsam in der Gegengerade des MSV zeigt.

2018.03.24 Neuruppin SV Babelsberg vs MSV Neuruppin, Fans des MSV
Neonazistische „Auswärtsfahrt“: der Lübtheener NPD Stadtrat Andreas Theißen und Sohn Bjarn T. in der Neuruppiner Gegengerade

Es scheint auch nicht die erste gemeinsame „Auswärtsfahrt“ der Beiden gewesen zu sein. Erst am 24. Februar 2018 sollen sich Vater und Sohn an einer Kundgebung der NPD-nahen MVGIDA im niedersächsichen Lüchow (Landkreis Lüchow-Dannenberg) beteiligt haben. Andreas Theißen gilt als Mitinitiator von MVGIDA. Im mecklenburgischen Verfassungsschutzbericht 2016 wird die Gruppierung als „rechtsextremistisch gesteuerte Bewegung“ erwähnt. Auf Fotos aus Lüchow ist Andreas Theißen als Bannerträger erkennbar, sein Sprössling als Ordner.
Da der SV Babelsberg 03 als Verein mit einem hohen Anteil linksalternativer Fans bekannt ist, dürfte die Anwesenheit Neonazis und extrem Rechten am vergangenen Samstag in Neuruppin kein Zufall gewesen sein. Denn bereits bei früheren Begegnungen zwischen dem MSV und dem SVB soll es zu kleineren Scharmützeln zwischen den Fangruppen beider Vereine gekommen sein.
Andreas Theißen soll zudem zum militanten Flügel der Mecklenburger Neonaziszene gehören. Wegen Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz verurteilte ihn das Amtsgericht Hagenow 1999 zu 15 Monaten auf Bewährung. Im Jahr 2008 wurde Theißen wegen Körperverletzung und Nötigung zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er einen NDR Kameramann angegriffen hatte.
Da Theißen sowohl für die verbotenen neonazistischen Jugendorganisationen „Wiking Jugend“ und „Heimattreue Deutsche Jugend“ aktiv gewesen sein soll, gilt die Erziehung seiner eigenen Kinder in völkisch-nationalem Geiste als höchstwahrscheinlich.

„Nur03“ berichtete von weiteren neonazistischen Vorfällen

2018.03.24 Neuruppin SV Babelsberg vs MSV Neuruppin (55)
Volksverhetzende Gesänge und Hitlergrüße mutmaßlicher „Heimfans“ gegen Babelsberger Gästefans

Die Provokation aus der Gegengerade waren aber bei weitem nicht die einzigen Vorfälle während des Pokalspiels. Die Babelsberger Fanseite „Nur03“ sprach zudem von volksverhetzenden Fangesängen aus Richtung der Haupttribüne. Unter anderem sollen dabei Parolen, wie „Arbeit macht frei – Babelsberg 03“ aus dem Heimblock in Richtung der Gästefans skandiert worden sein.
Auf einem Foto von mutmaßlichen „Fans“ des MSV Neuruppins, die sich wenige Meter vom Gästeblock entfernt aufgehalten haben, ist weiterhin das Zeigen des „deutschen Grußes“ (umgangssprachlich: „Hitlergruß“) in Richtung der Gäste aus Babelsberg zu erkennen.
Einige Babelsberger sammelten sich daraufhin am Blocktrennungszaun und antworteten ihrerseits mit „Nazis raus“ – Rufen.
Der SV Babelsberg 03 führt zurzeit eine Kampagne unter dem Motto: „Nazis raus aus den Stadien“ durch. Hintergrund waren geplante Sanktionierungen des Regionalligaverbandes NOFV gegen den Verein wegen Anti-Nazi-Rufen aus dem Babelsberger Fanlager infolge eines Spiels gegen den FC Energie Cottbus. Die Cottbusser hatten zuvor ebenfalls „Hitler-Grüße“ gezeigt und antisemitische Parolen skandiert. Die Babelsberger hatten daraufhin mit „Nazischweine“-Rufen geantwortet.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s