Rathenow: Randnotizen zum Viertelfinale des Fußballlandespokals

Es war ein äußerst robustes Pokalspiel, das der SV Babelsberg 03 gestern Nachmittag auswärts in Rathenow bestritt. Vier gelbe Karten und eine Rote sammelte allein der Regionallist aus Alt Nowawes. Oberligist Optik wurden hingegen nur mit zwei Gelben verwarnt, verlor dafür aber – in Unterzahl – das Spiel mit 0:1. Der Titel „Sieger der Herzen“ scheint jedoch für den Heimverein, trotz recht überzeugender Leistung seiner Spieler, jedoch dennoch unangemessen.  Zwar zeigte sich der FSV, der zurzeit immerhin Tabellenführer der NOFV Oberliga-Nord ist und sich mit der im Bau befindlichen Flutlichtanlage gerade Regionalliga tauglich macht, von einer bewundernswert  spielstarken Seite,  einige seiner Fans aber eben einmal mehr von der Niveaulosten.

Optik-Ultras gewohnt niveaulos

2017.11.11 Rathenow Optik Ultras homophobe Geste 1vl
Pöbelner Optik Fan (1.v.l) mit mutmaßlich homophober Geste

Immer wieder kam es zu lautstarken sexistischen Pöbeleien, mutmaßlich homophoben Gesten und rechten Parolen aus dem zwanzigköpfigen Anhang der Optik-Ultras in Richtung Gästeblock. Einzelne Babelsberger Fans wollen zudem auch antisemitische Fangesänge einzelner Heimfans gehört haben.

Babelsberger Fans gegen „Nazischweine“

2017.11.11 Rathenow FSV Optik vs SV Babelsberg 03 (69)
Babelsberger Fanszene mit gewohnt deutlichem Bekenntnis gegen Neonazis

Das Babelsberg derartigen Tendenzen mit einer klar antifaschistische Position entgegentritt, wurde ebenfalls sichtbar. An ihrem Block hatten die Gästefans recht zentral ein Transparent mit der Aufschrift: „Egal welche Liga, egal welcher Verband – Raus mit dem jedem Nazischwein“ angebracht. Die aus neutralem Blickwinkel recht polemisch wirkende Formulierung spielte dabei offensichtlich auf ein Urteil des NOFV an, demnach der SV Babelsberg 03 im Zusammenhang mit Ausschreitungen  bei einem Heimspiel gegen den FC Energie Cottbus für das Verhalten seiner Fans bestraft wurde. Die Babelsberger Ultras hatten die Cottbusser Gästefans, nach mehrfachen Hitlergrüßen und dem skandieren von neonazistischen Parolen im Gästeblock, als „Nazischweine“ bezeichnet.

Optik-Anhang: Auffällige Einzelpersonen, aber keine organisierte Szene

2017.11.11 Rathenow FSV Optik vs SV Babelsberg 03 (70)
Auf der Suche nach Streit: Optik-Ultras provozieren am Gästeblock, unter ihnen ein ehemaliger aktiver Sympathisant der „Nationalen Sozialisten Premnitz“ (1.v.r)

Derart gravierende Probleme wie der FC Energie Cottbus hat der FSV Optik freilich nicht. Einzige auffällige Gruppe sind die so genannten Optik Ultras, die zumindest immer wieder durch menschenfeindliche Pöbeleien auffallen und damit das zivilgesellschaftliche Engagement des FSV Optik, beispielsweise bei der Integration von Geflüchteten, konterkarieren. Organisierte Neonazistrukturen, wie in Cottbus, sind in der Rathenower Fanszene jedoch bisher nicht erkennbar. Eine Person aus dem Ultraanhang des FSV war jedoch bis vor wenigen Jahren ein aktiver Sympathisant der „Nationalen Sozialisten Premnitz“ und beteiligte sich in den Jahren 2007 bis 2008 an mehreren Neonaziaufmärschen im Land Brandenburg. Dieser Mann gehörte auch zu den Pöbelnden, welche nach Abpfiff des gestrigen Pokalspiels die Auseinandersetzung mit Fans des SVB suchten.

Braune Groundhopper

2010.10.09 Brandenburg an der Havel Stahl vs SVB Ingewahrsamnahme Christian G
Ingewahrsamnahme von Christian G. während eines Pokalspiels zwischen dem FC Stahl Brandenburg und dem SV Babelsberg 03, am 9. Oktober 2010
2017.11.11 Rathenow FSV vs SVB Christian G und ehemalige HV Leute
Christian G. (2.v.r) mit Mitglieder der verbotenen Kamerdaschaft „Hauptvolk“, während des Pokalspiels zwischen dem FSV Optik Rathenow und dem SV Babelsberg 03 am 11. November 2017

Deutlich unauffälliger, jedoch dennoch bemerkenswert verhielten sich einige „neutrale“ Stadionbesucher, die in der VIP Lounge gastierten. Dabei handelte es sich u.a. um zwei bekannte rechtsorientierte Hooligans des FC Stahl Brandenburg. Das Bemerkenswerte: beide waren an Auseinandersetzungen mit Fans des SV Babelsberg 03 bei einem Pokalspiel ihres Vereins gegen die Nowaweser Kiezkicker im Jahr 2010 auf dem Brandenburger Quenz beteiligt. Einer der Beiden, Christian G., wurde dabei noch im Stahl-Stadion in Gewahrsam genommen, der Andere soll einen Babelsberger an einer Straßenbahnhaltestelle geschlagen haben. Bemerkenswert ist ebenfalls mit wem sich die beiden Stahl Anhänger in der VIP Lounge trafen. Dabei handelte es sich um fünf Personen der im Jahr 2005 verbotenen Kameradschaft „Hauptvolk“ (HV), darunter auch ehemalige Köpfe dieser Vereinigung. Diese  Fünf gelten ebenso als gewaltbereit, mussten sich in den 1990er und 2000er Jahren wegen verschiedener Roheitsdelikte, allerdings außerhalb des Fußballs, vor Gericht verantworten. Ihre Verbindung zum Fußball besteht in der Anhängerschaft zum BFC Dynamo. Dort war allerdings aber mindestens einer der Fünf bereits auffällig, als dieser sich während eines Spiels gegen den Lokalrivalen 1. FC Union Berlin im Jahr 2006 an einem Platzsturm von Hooligans beteiligte. Während des Spiels zwischen Optik und Babelsberg traten jedoch weder die beiden Stahl Anhänger als auch die fünf BFCer/ex-HVer  in Erscheinung.

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