Rathenow: Extreme rechte Propaganda nach Auseinandersetzungen im Stadtzentrum

Restaurantgäste und Jugendliche gerieten am Donnerstagabend in Streit. Polizei ermittelt wegen „gefährlicher Körperverletzung“ und „schweren Eingriff in Straßenverkehr“. Extrem rechtes „Bürgerbündnis“ macht „Ausländer“ als Schuldige aus, „Identitäre Bewegung“ verteilte Freitagfrüh Propagandamaterial

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Propaganda der extrem rechten „Identitären Bewegung“, die Freitagfrüh in Rathenow festgestellt worden sein soll

Am Donnerstagabend soll es, Polizeiangaben zu Folge, auf und um den Märkischen Platz zu mehreren strafbewehrten Handlungen zwischen Jugendlichen und Gästen eines Restaurants gekommen sein. Hintergrund ist offenbar ein Missverständnis, dass sich zu einer handfesten Auseinandersetzung entwickelte. Außerdem soll aus einem Fahrzeug, welches auf den Märkischen Platz gefahren war, mindestens eine Flasche in Richtung der Jugendlichen geworfen worden sein. Das Auto habe zudem offenbar versucht in die Gruppe hineinzufahren.

Wenig später veröffentlichte das extrem rechte „Bürgerbündnis Havelland eV“ ein Statement zu den Vorfällen, demnach es sich in seinem (asylfeindlichen) Wirken bestätigt fühlte, da es sich bei den Jugendlichen angeblich um „Einige von denen, die noch nicht lange hier leben“, womit offenbar Geflüchtete gemeint waren, handeln soll. Am frühen Freitagmorgen lagen dann plötzlich dutzende Flyer, der ebenfalls extrem rechten Vereinigung „Identitäre Bewegung“, auf dem Märkischen Platz aus.

Die Auseinandersetzungen nach Darstellung der Polizei

Für den Donnerstagabend lagen der Polizeipressestelle offenbar zwei Sachverhalte vor, die im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen zur Anzeige gebracht wurden.

Zunächst ermitteln die Beamten wegen einer „gefährlichen Körperverletzung“ im Bereich eines Restaurants. Als Tatverdächtiger gilt ein 14 jähriger Jugendlicher, der mit einem Gürtel zugeschlagen haben soll.

Die Situation hatte sich gegen 21.05 Uhr möglicherweise aus einem Missverständnis heraus hochgeschaukelt. Laut Polizeiangaben „fühlte sich“ eine 25 jähriger Restaurantgast von einem außerhalb der Gaststätte stehenden Jugendlichen „belästigt“. Der 14 Jährige soll den Mann bzw dessen an einem Tisch sitzende Familie „stur“ angeschaut haben. Eine Aufforderung dies zu unterlassen soll der Jugendliche nicht nachgekommen sein. Der 14 Jährige soll lediglich angegeben haben, auf jemanden zu warten. Der 25 jährige Mann habe daraufhin den Wartenden zur Seite geschoben. Dies sollen wiederum andere Jugendliche auf dem Märkischen Platz mitbekommen haben und zur Gaststätte geeilt sein. Ein weiterer 14 Jähriger habe daraufhin einen Gürtel aus seiner Hose geholt und dann auf den Tisch, an dem der 25 Jährige inzwischen wieder Platz genommen hatte, eingeschlagen haben. Dabei soll die dreijährige Tochter des Mannes gestriffen worden sein, blieb aber unverletzt. Der 25 Jährige stand dann auf, schubste den 14 jährigen Tatverdächtigen weg und verlangte von ihm in Ruhe gelassen zu werden. Die Jugendlichen verschwanden dann in Richtung Märkischer Platz.

Wenig später kam es in räumlicher Nähe dann zu einem zweiten Vorfall. Hier ermittelt die Polizei nun wegen schweren Eingriffs in den Straßenverkehr.

Demnach sei der Fahrer eines mattschwarzen Fahrzeuges, möglicherweise ein Transporter, auf den Märkischen Platz gefahren. Zeugenangaben, die der Polizei vorliegen, zu Folge soll das Auto dort zwei Personen abgeholt haben. Beim Verlassen des Platzes sei dann eine Flasche in Richtung der Jugendlichen geworfen worden. Außerdem soll der Fahrer zielgerichtet auf die Gruppe zugefahren sein. Die Jugendlichen bemerkten dies aber und sprangen rechtzeitig zur Seite. Ein 14 Jähriger soll aber, laut Polizei, eine leichte Prellung am Knöchel erlitten haben.

Der Fahrzeugführer sei daraufhin mit „quietschenden Reifen“ geflohen. Er wird von Zeugen als korpulent, tätowiert und glatzköpfig beschrieben.

Extreme Rechte versucht Vorfall zu instrumentalisieren

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Einige Akteure des extrem rechten „Bürgerbündnisses Havelland“ sympathisieren offen mit den „Identitären“ (Archivbild, Mai 2017)

Bereits eine Stunde nach den Vorfällen veröffentlichte die extrem rechte Vereinigung „Bürgerbündnis Havelland“ im Internet ein Statement, in dem zunächst Bezug auf die Auseinandersetzung genommen wird. Gleichzeitig sah sich der Verein offenbar in seinem Wirken, regelmäßig asylfeindliche Versammlungen, wie erst am vergangenen Dienstag, durchzuführen bestätigt, da an den Vorfällen angeblich „Einige von denen, die noch nicht lange hier leben“ – eine offensichtliche Verklausulierung für die minderjährigen Geflüchteten, die sich zeitweise auf dem Märkischen Platz treffen – beteiligt gewesen sein sollen.

In einem weiteren, später veröffentlichtem Statement behauptet das extrem rechte „Bürgerbündnis“ entgegen der Pressemitteilung der Polizei, dass sich einige „illegale Merkel Gäste“ mutmaßlich „in die Haare bekommen“ hätten. Ferner wird offenbar fälschlich bekräftigt, dass „männliche Ausländer“ angeblich „weibliche Gäste“ des Lokals gegenüber dem Märkischen Platz belästigt haben sollen.

Am Freitagmorgen stellte dann ein Passant, gemäß Recherche von Presseservice Rathenow, dutzende Flyer der extrem rechten Vereinigung „Identitäre Bewegung“ fest. Ungefähr 80 Flugblätter hätten Unbekannte demnach offenbar zielgerichtet auf den Bänken des Märkischen Platzes abgelegt. Dabei handelte es sich offenbar um eine Werbeschrift der „Identitären Bewegung“.

„Globalisierung, Masseneinwanderung und Kulturverfall werden unseren Kontinent zerstören, wenn wir nichts dagegen tun“, so die Ansage der extrem rechten, auch im Brandenburger Verfassungsschutzbericht 2016 ausführlich erwähnten Vereinigung, auf den Flugblättern.

Die regionale „Identitäre Bewegung“ hat ihren Hauptwirkungsraum allerdings hauptsächlich im nahen Berlin, bildet jedoch mit Brandenburg zusammen einen gemeinsamen Landesverband. Einzelne Mitglieder des „Bürgerbündnisses Havelland“  sympathisieren mittlerweile offen mit dieser völkisch orientierten Vereinigung.

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