Stendal: Neonazigruppe verübt Farbanschlag auf LINKE-Geschäftsstelle

Hakenkreuz an Parteibüro geschmiert. Neue neonazistische Gruppe aus Stendal bekennt sich zur Tat. Personelle Verbindungen zur rechten „Bürgerbewegung Altmark“

Wie die Partei DIE.LINKE berichtet, soll es in der vergangenen Woche einen Farbanschlag auf ihre Geschäftsstelle in Stendal gegeben haben. Dabei soll ein Hinweisschild zum Büroeingang an der Hauseingangstür u.a. mit einem Hakenkreuz beschmiert worden sein. Laut Angaben der LINKEN wurde Anzeige bei der Polizei erstattet.

„Freie Jugend SDL“ bekennt sich zur Tat

2017.06 Farbschmiererei LINKE Stendal
„Freie Jugend SDL“ bekennt sich zu Farbschmiererei auf Geschäftsstelle von DIE.LINKE Stendal

Neben dem Hakenkreuz hinterließen die unbekannten Tatbeteiligten auch den Schriftzug: „Freie Jugend SDL“. Gemäß Internetrecherchen existiert seit kurzem offenbar eine Jugendgruppe der rechten „Bürgerbewegung Altmark (BBA)“ mit ähnlichen Namen. Diese nennt sich im Socialmedia „Freie Jugend Stendal“ und nutzt in ihrer Symbolik, einer schwarz-weiß-roten Fahne, ebenfalls den Schriftzug „Freie Jugend SDL“. Die erste Aktivität auf demSocialmedia-Profil der Gruppe ist für den 19. Juni 2017, 13.55 Uhr, verzeichnet. Am selben Tag, jedoch bereits um 12.24 Uhr, warb die „Bürgerbewegung Altmark“ im Socialmedia mit dem aus einem FDJ-Lied entlehnten Slogan: „Deutsche Jugend steh deinen Mann“ und dem Logobildnis der „Freie(n) Jugend Stendal“ für ihre mutmaßliche Jugendgruppe. Es sei an der Zeit, dass „sich auch die deutsche Jugend ihrer Herkunft besinnt und für die Werte, Traditionen und Bräuche ihrer Heimath aufsteht und kämpft“ (Rechtschreibung im Original), so die BBA weiter. Um 15.22 Uhr verlinkte die „Bürgerbewegung Altmark“ dann auch das Socialmedia-Profil der „Freien Jugend Stendal“, das möglicherweise um 12.24 Uhr noch nicht existierte.

Personelle Verbindungen zur „Bürgerbewegung Altmark“

2017.06.15 Stendal Politischer Salon Hochschule (1)
Dieser Jugendliche gilt als Schlüsselfigur der „Freien Jugend Stendal“. Das Foto zeigt ihn als einen von vier Tatverdächtigen für eine Sachbeschädigung am 15. Juni 2017 in Stendal

Schlüsselfigur der „Freien Jugend Stendal“ scheint ein Jugendlicher zu sein, der seit 2016 in den Reihen der BBA auftritt. Auf einem Internet-Fotostream eines Berliner Journalisten ist er während eines extrem rechten Aufzuges am 30. Juli 2016 in Berlin-Mitte in Kleidung der „Bürgerbewegung Altmark“ erkennbar. Diese Fotos nutzt der Jugendliche auch auf seinem öffentlich einsehbaren Socialmedia-Profil. Ebenfalls öffentlich wird dort auch Symbolik der „Freien Jugend Stendal“ sowie der bundesweit aktiven extrem rechten „Freikorps Heimatschutzdivision 2016“, zu deren ca.300 Personen starke Internet-Bewerbergruppe er ebenfalls gehört, verwendet.

Im Jahr 2017 trat der Jugendliche in der Öffentlichkeit gemeinsam mit dem Führungsduo der „Bürgerbewegung Altmark“ bei extrem rechten Aufmärschen in Stendal und Berlin auf. Bei letztgenanntem Aufzug wurde er im Vorfeld auch kurzzeitig durch die Polizei in Gewahrsam genommen.

Am 15. Juni 2017 war der Jugendliche wiederum mit dem Führungsduo der „Bürgerbewegung Altmark“ sowie einer weiteren Person in Stendal unterwegs. Ziel der Vier war offenbar eine Veranstaltung in der örtlichen Hochschule, jedoch wurde ihnen dort der Zugang verwehrt. Wenig später wurde eine Scheibe des Veranstaltungsortes durch einen Steinwurf beschädigt. Die Vier wurden daraufhin von der Polizei als Tatverdächtige gestellt.

Wenige Tage später erfolgte dann der Farbanschlag auf das LINKE-Büro.

Update 17:10 Uhr: Distanzierungsversuche durch rechte Gruppen

Die „Bürgerbewegung Altmark“ hat sich inzwischen, auch im Namen der „Freien Jugend Stendal“, zumindest offiziell von dem Farbanschlag distanziert. Demnach seien „Sachbeschädigung und Schmierereien“ angeblich nicht im Sinne dieser Gruppen. Gleichzeitig wurde behauptet, dass die Schmiererei nur ein Vorwand sei, die BBA zu „diffamieren“. Die Distanzierung erfolgte auf dem Socialmedia-Profil der „Bürgerbewegung Altmark“. Wie glaubwürdig sie ist, werden die Ermittlungen der Polizei zeige n.

 

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