Rathenow: Vortrag und Meinungsaustaustausch zu Syrischem Bürgerkrieg

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In Rathenow hatte am Mittwochabend das zivilgesellschaftliche Aktionsbündnis „Miteinander, Füreinander“ zu einem Vortrag über den syrischen Bürgerkrieg geladen. Aus der Informationsveranstaltung wurde ein Meinungsaustausch, der viele Fragen zu einem vernünftigen Ausgang aus diesem komplexen Konflikt erkennen ließ. Inmitten der syrischen Dystopie keimt allerdings auch Hoffnung, wie das Beispiel eines Schulprojektes in Kobané zeigt.

Syrien-Krieg ohne Ende?

Unter dem Motto „Syrien – Krieg ohne Ende?“ hatte das Aktionsbündnis: „Unser Rathenow-Miteinander-Füreinander“ zu der Vortragsveranstaltung im Kulturzentrum geladen, zu der ungefähr 100 Menschen, darunter viele junge Leute, kamen. Nach einer musikalischen Introduktion durch ein deutsch-syrisches Ensemble und der Einleitung durch die Moderation begann sodann der eigentliche Vortrag zum syrischen Bürgerkrieg. Zur Veranschaulichung der komplexen Zusammenhänge dieser Auseinandersetzung hatte das Aktionsbündnis den Falkenseer Pädagogen Matthias Hofmann als Referenten geladen. Dieser zeigte anhand einer Bildschirmpräsentation ruhig, sachlich und in der Wortwahl sehr anschaulich, welche unterschiedlichen Interessen in dem Konflikt eine Rolle spielen. Klar und deutlich arbeitete er vor allem heraus, dass der Krieg in Syrien längst nicht mehr nur landesinterne Dimensionen hat, sondern auch im Kontext einander gegensätzlicher machtpolitischer Erwägungen anderer Staaten, Regional- und Großmächte, steht. Dabei spielten, laut Ansicht des Referenten, vor allem vielschichtige und vor allem einander widerstrebende ökonomische, militärstrategische, religiöse, nationalistische und separatistische Interessen der am Konflikt beteiligten Parteien eine Rolle.

Frieden: ja, aber wie?

Der erhellende Vortrag hinterließ im Auditorium vor allem eine Forderung aufkeimen: das in Syrien endlich über Frieden verhandelt werden sollte. Wie dies aber konkret Geschehen soll und was dafür getan werden kann, war anschließend Gegenstand verschiedener Meinungsäußerungen. Demnach sahen die meisten vor allem die Großmächte in der Pflicht, andere hingegen herausragende Persönlichkeiten aus der syrischen Gesellschaft, so es denn welche gäbe.
Eine weitere Möglichkeit wurde zudem von Moderator Thomas Weidlich vom Mobilen Beratungsteam in Potsdam ins Spiel gebracht. Seiner Meinung nach, gäbe es für Wählende durchaus Möglichkeiten auf die Kandidaten für die anstehende Bundestagswahl zu zugehen und diese zu einem stärkeren Engagement der Bundesrepublik bei Friedensverhandlungen aufzufordern.
Aufgrund der vielfachen und zum Teil recht lebhaften Meinungsäußerungen sowie daraus folgender Zwiegespräche gelang es letztendlich aber nicht, tiefer in die Diskussion einzusteigen und sich beispielweise auf einen Weg zu einigen. Zurecht fragte ein Schüler deshalb sinngemäß in die Runde, was er denn überhaupt aus diesem Abend mitnehmen solle.

Eine Schule für Kobané

Doch Ohnmacht allein wollte Referent Matthias Hofmann mit seinem Vortrag nicht hinterlassen. Er zeigte nun auf, dass es durch persönliches Engagement auch außerhalb des großen politischen Parketts möglich sei, in einem Land in dem ein grausamer Bürgerkrieg herrscht, Menschlichkeit zu fördern. Dies beweise beispielsweise ein Schulprojekt in syrischen Kleinstadt Kobané, das von Matthias Hofmann initiiert wurde.
Trotz des fortlaufenden Bürgerkrieges soll dort ein neues Schulgebäude entstehen, um künftigen Generationen nach dem Krieg wieder ein Fundament für ein normales Leben im Frieden zu ermöglichen. In der Vergangenheit wurde für die Umsetzung dieses Projektes insbesondere in Berlin und Brandenburg Geld gesammelt und später Vorort investiert. Momentan befindet sich beispielsweise die Bodenplatte des Gebäudes in Fertigstellung.
Impuls für den Aufbau der Schule soll, laut Mathias Hofmann, übrigens ein Foto aus der Zeit der Schlacht um Kobané gewesen sein. Dieses soll eine Frau zeigen, die während der erbitterten Gefechte um die Stadt, in einem Keller Kinder unterrichtete, während in den oberen Geschossen der Frontkampf tobte. Das Ausharren der Menschen, trotz des grausamen Treibens um sie ringsherum und der Ausdruck von Hoffnung für ein Leben nach dem Krieg beeindruckte schließlich die Schulinitiative so nachhaltig, dass sie sich sofort engagierte.

Fotos vom Abend (11) auf Flickr:

2017.05.17 Rathenow - Veranstaltung zum Syrischen Buergerkrieg (8)
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