Halle (Saale): Menschenblockaden verhinderten Neonaziaufmarsch zum 1.Mai

2017.05.01 Halle_Saale Proteste gegen Neonaziaufmarsch (1)
Mehrere tausend Menschen verhinderten, dass die Neonazis am 1. Mai in Halle (Saale) liefen

Mehrere tausend Menschen verhinderten  am 1. Mai 2017 in Halle (Saale) den von Neonazis ausgerufenen, so genannten „Tag der deutschen Arbeit (TDDA)“. Die als Aufmarsch konzipierte Versammlung, an der sich ungefähr 500 Personen beteiligen wollten, sollte planmäßig vom Hauptbahnhof über eine kilometerlange Strecke bis in den Stadtteil Silberhöhe führen. Durch die Blockierung aller Zufahrtsstraßen blieb den Neonazis jedoch nichts weiter übrig als an ihrem Startpunkt zu verharren. Nach dem endgültigen Abbruch des „Tages der deutschen Arbeit“ in Halle (Saale) kam es zu einzelnen Schlagabtäuschen zwischen Neonazis, Gegendemonstrierenden und der Polizei. Weiterhin führten vom Hauptbahnhof abreisende Teilnehmende des TDDA, trotz des Verbotes von Ersatzversammlungen, spontane Aufmärschen in Sachsen-Anhalt und Thüringen durch.

„Tag der deutschen Arbeit“

2017.05.01 Halle Saale Neonaziversammlung Hauptbahnhof (43)
In Halle (Saale) versammelte sich der militante Flügel des neonazistischen Milieus.

Der so genannte „Tag der deutschen Arbeit“  war, nach Ansicht der Veranstaltenden auf ihrer Mobilisierungsseite im Internet, als eine überregionale partei- und gruppierungsübergreifende Kampagne zum 1. Mai, analog dem jeweils Anfang Juni stattfindenden „Tag der deutschen Zukunft (TDDZ)“, konzipiert.

Entsprechend versuchten die Organisierenden, hauptsächlich Funktionäre der Partei „Die Rechte“, das gesamte neonazistische Spektrum im Bundesgebiet anzusprechen und für einen einzigen zentralen Großaufmarsch anzuwerben. Dies scheiterte jedoch bereits im Vorfeld, da auch in weiteren Städten im Bundesgebiet neonazistische Aufzüge angemeldet wurden.

Allein die NPD führte drei Aufmärsche in Bautzen (SN), Stralsund (MV) und Essen (NRW) anlässlich des 1. Mai durch. Der III. Weg marschierte zu dem in Gera (TH). Und selbst „Die Rechte“ führte noch einen weiteren Aufmarsch in Dortmund (NRW) durch.

Lediglich der partei- und gruppierungsübergreifende Charakter des TDDA konnte in Teilen erreicht werden. Neben den Mitgliedern der Partei „Die Rechte“  folgten auch größere Abordnungen der NPD, ihrer Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten (JN)“ und „Freier Kräfte“, insbesondere gewaltbereite „Autonome Nationalisten“, aus ganz Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg, Sachsen, Niedersachsen sowie vereinzelt aus Hessen, Bayern, Hamburg und Berlin, dem Aufruf sich in Halle (Saale) zu versammeln. Insgesamt blieb die Anzahl der Anreisenden mit ungefähr 500 jedoch deutlich geringer als erwartet. Fotos der Neonaziversammlung: hier

Massiver Gegenprotest

2017.05.01 Halle_Saale Proteste gegen Neonaziaufmarsch (2)
Halle (Saale) zeugte deutlich Flagge

Im Gegensatz zur schwachen Zugkraft des TDDA mobilisierte der Gegenprotest mehrere tausend Sympathisierende, die sich auf unterschiedliche Veranstaltungen und Aktionen verteilten. Die ursprünglich anvisierten Treffpunkte der Neonazis, zunächst der Marktplatz und dann der Hallmarkt, wurden beispielsweise schon im Vorfeld durch Versammlungen des DGB sowie ein „Picknick für Toleranz und Vielfalt“ verhindert.

Des Weiteren zogen zwei Demonstrationen, eine mit Startpunkt Universitätsplatz, die andere vom Rannischen Platz, mit jeweils bis zu tausend Teilnehmenden in einer Zangenbewegung in Richtung Hauptbahnhof. Dadurch wurden zahlreiche Routenoptionen der Neonazis in Richtung Altstadt, Marktplatz und Hallmarkt, ebenfalls verhindert.

Durch das Verharren der Demonstration vom Universitätsplatz am ZOB / Hauptbahnhof sowie den Sitzblockaden von aktionsorientierten, ehemaligen Teilnehmenden beider Demonstrationen im Bereich Merseburger Straße, Raffeneriestraße und  Rudolf-Weise-Straße war ein neonazistischer Marsch durch die Stadt dann völlig unmöglich geworden.

Auseinandersetzungen und Ersatzveranstaltungen

2017.05.01 Halle Saale Neonaziversammlung Hauptbahnhof (5)
Randale am Hauptbahnhof in Halle (Saale): Abreisende Neonazis lieferten sich Auseinandersetzungen mit Gegendemonstrierenden

Jetzt blieb den Neonazis in Halle (Saale) nur noch die Option eine stationäre Versammlung am Hauptbahnhof abzuhalten. Doch davon wollten sie keinen Gebrauch machen. Ein Großteil der angereisten Neonazis weigerte sich dem ihnen zugewiesenen Versammlungsraum zu betreten, um polizeilichen Durchsuchungen zur Gefahrenabwehr zu entgehen.

Schließlich wurde die Neonaziversammlung durch die eigene Veranstaltungsleitung zunächst unter- und später sogar abgebrochen. Der Großteil der Neonazis reiste daraufhin mit Zügen ab.

Eine kleine Gruppe Naziskins aus Hessen und Bayern wurde jedoch auch zu Fuß von der Polizei wegbegleitet. Dabei kam es in der Delitzscher Straße auch zu körperlichen Auseinandersetzungen mit Gegendemonstrieren. Die Polizei trennte beide Gruppen unter Schlagstock- und Pfeffersprayeinsatz.

Später soll diese Neonazigruppe aus Hessen und Bayern auch noch mutmaßlich Gegendemonstrierende angegriffen haben. Dabei waren die Neonazis mit ihren Autos vorgefahren und mit Schlagstöcken auf die Betroffenen zugestürmt.

Ebenfalls zu gewalttätigen Auseinandersetzungen soll es bei einer Ersatzveranstaltung in Apolda (Thüringen) gekommen sein. Dort hatten aus Halle (Saale) anreisende „Autonome Nationalisten“, nach Angaben des MDR, Polizeibeamte mit Feuerwerkskörpern und Steinen angegriffen. Es soll zu rund 100 Festnahmen gekommen sein.

Zu weiteren Ersatzveranstaltungen soll es, trotz eines durch die Versammlungsbehörde ausgesprochenen Verbotes, in Köthen und Merseburg (Sachsen-Anhalt) gekommen sein.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s