Rathenow: „Pulse Of Europe“ bleibt in kleinem Rahmen

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Auch die zweite Versammlung der lokalen „Pulse Of Europe“ Bewegung in Rathenow (Havelland, Brandenburg) blieb am Sonntagnachmittag in eher kleinem Rahmen. Ungefähr 20 Teilnehmende zählte die Veranstaltung im Kern. Vertreter des lokalen rechten und EU-feindlichen Milieus waren ebenfalls wieder vor Ort.  Die Versammlung verlief allerdings konfliktfrei.

Versammlungsort war an diesem Sonntagnachmittag der August-Bebel-Platz im Stadtzentrum. Doch trotz bestem Wetter und vorheriger Ankündigung in der Regionalpresse hielt sich die Europa-Begeisterung  der Rathenower jedoch deutlich in Grenzen. Die Veranstaltenden, Berlinerinnen mit Zweitwohnsitz in der Nähe Rathenows, gaben sich jedoch weiterhin optimistisch die Menschen in der havelländischen Kreisstadt für ihre Ideale zu gewinnen. So wurde eben nicht nur versucht mit den Gästen der Kundgebung, sondern auch mit Passanten ins Gespräch zu kommen.

Auf eine deutliche Abgrenzung gegenüber den lokalen EU-feindlichen, rechten Kräften wurde dabei allerdings verzichtet. Insbesondere gegenüber den heute in Vereinskluft auftretenden Funktionsträgern des rechten „Bürgerbündnisses Havelland eV“. Diese hatten in der Vergangenheit im Rahmen ihrer eigenen Veranstaltungen immer wieder ihre Ablehnung gegenüber der Bundesrepublik, dem Islam oder Geflüchteten zum Ausdruck gebracht sowie nationalistisches, latent völkisches und geschichtsrevisionistisches Gedankengut öffentlich mitgeteilt und bereits in der letzten Woche am Rande des „Pulse Of Europe“ provoziert.

Die Veranstaltenden des „Pulse Of Europe“ sahen dies heute aber offenbar anders, widersprachen der Berichterstattung zu den Störungen am Rande ihrer Versammlung in der vergangenen Woche und waren vom – ihrer Ansicht nach – friedlichen Meinungsaustausch mit den rechten Dialogteilnehmenden begeistert.

Das sich einige Sympathisierende des rechten „Bürgerbündnisses Havelland eV“ längst offen zum Neonazismus bekennen und mittlerweile Fundamentalopposition betreiben, scheint dabei allerdings offenbar ausgeblendet worden zu sein. Immerhin wurden erst in der vergangenen Nacht wieder hunderte Sticker mit Werbung für einen Aufmarsch militanter Neonazis am 1. Mai in Sachsen-Anhalt verklebt und erst vor geraumer Zeit ein Hakenkreuz keine hundert Meter vom Bebelplatz entfernt gesprüht.

Die Freude über den friedlichen Meinungsaustausch scheint daher nur eines zu kaschieren: das ein wirkliches  Konzept gegen rechtspopulistische und extrem rechte Tendenzen vor Ort fehlt.

Auch das in der Vergangenheit auf zivilgesellschaftlicher Ebene immer wieder geforderte Engagement „für etwas“, in diesem Fall dem Bekenntnis für ein geeintes Europa, statt stets nur Gegenstandpunkte, beispielsweise im Umgang mit dem rechten Bürgerbündnis, zu vertreten, konnte keinen repräsentativen Querschnitt der hier lebenden Menschen motivieren sich vor Ort zu positionieren. Rückzug ins Private, Resignation, Lethargie und schlimmstenfalls soziale Verwahrlosung scheinen nach wie vor den Alltag am Rande Brandenburgs zu bestimmen.

Fotos (13) zum Tag bei Flickr:

2017.04.09 Rathenow Pulse Of Europe (1)
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