Hansestadt Stendal: Aufmarsch der rechten „Bürgerbewegung Altmark“

Titel

Ungefähr 100 Personen hatten sich am Samstagnachmittag an einer Versammlung der rechten „Bürgerbewegung Altmark“ beteiligt. Die Teilnehmer_innen waren aus dem gesamten Bundesgebiet, u.a. auch aus Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Niedersachsen und Baden Württemberg angereist. Nach einer Auftaktkundgebung mit mehreren Redebeiträgen formierte sich die Versammlung zu einem Aufmarsch und zog durch die Stadt.

Von „besorgten Bürger_innen“ zu extremen Rechten

Unter dem Motto „Vereint für ein freies und souveränes Vaterland“ hatte die rechte „Bürgerbewegung Altmark“ für ihre Veranstaltung auf dem Winckelmannplatz in Stendal geworben. Die Bekanntmachung der Versammlung erfolgte hauptsächlich über soziale Internetmedien. Vereinzelt waren die Protagonist_innen der altmärkischen Bürgerbewegung aber auch bei ähnlich gesinnten Vereinigungen, wie beispielsweise bei einer Veranstaltung des „Bürgerbündnisses Havelland“,  zu Gast und warben dort als Redner von der Bühne aus für den geplanten Aufzug. Kurz vor Beginn der Versammlung am Samstagnachmittag in Stendal blieb die Teilnehmer_innenzahl jedoch deutlich gering. Lediglich 50 Personen aus dem Reichsbürger_innenspektrum, von PEGIDA-ähnlichen Vereinigungen und aus dem neonazistischen Milieu hatten sich auf dem Winckelmannplatz eingefunden. Die Zeit größere Veranstaltungen dieses Klientels, wie sie die „Bürgerbewegung  Altmark“ noch im Herbst des vergangenen Jahres in Stendal organisierte, als die Gruppierung noch betont bürgerlicher auftrat, schien vorbei. Stattdessen verfließen die Grenzen zwischen den selbsternannten Interessensvertreter_innen vermeintlich „besorgter“ Bürger_innen und der extremen Rechten immer deutlicher.

„Hooligans“ unterstützen „Bürgerbewegung“

Bemerkenswert war am Samstagnachmittag auch der Auftritt einer Gruppe überwiegend junger Männer, die sich selbst dem Hooligan-Spektrum einordneten. Die etwa 50 Personen aus Berlin, Wolfsburg, Braunschweig, Rathenow und Mecklenburg-Vorpommern waren von Aktivist_innen der „Bürgerbewegung Altmark“ am Bahnhof in Empfang genommen worden und dann gemeinsam mit diesen, erheblich angetrunken und Parolen grölend, durch die Stendaler Einkaufspassage in der Breiten Straße gezogen, bis sie schließlich die Veranstaltung am Winckelmannplatz komplettierten.

Diffuse Redebeiträge

Dort begann dann die Auftaktkundgebung mit lokalen und angereisten Redner_innen aus Tangerhütte, Magdeburg, Karlsruhe und Berlin vor nunmehr ungefähr 100 Teilnehmer_innen. Die Reden hatten, wie mittlerweile bei solchen Versammlungen üblich, allerdings kaum fundierte Inhalte. Sie waren eher von Polemik gegen politische und gesellschaftliche Gegner_innen, der Entfesselung von Emotionen und bis hin zum persönlichen Frustabbau geprägt. Gleichwohl wurden aber auch extrem rechte Versatzstücke, insbesondere Ressentiments gegen Flüchtlinge und den Islam kolportiert. Ein Redner aus Magdeburg hatte zudem angekündigt in den nächsten Tagen der AfD beitreten zu wollen. Komplettiert wurden die diffusen und widersprüchlichen Redebeiträge durch Solidaritätsbekundungen gegenüber Russland sowie Statements gegen die US-Außenpolitik und die NATO-Aktivitäten in Osteuropa. Bisweilen wurden dabei auch antiamerikanische und latent antisemitische Phrasen wiedergegeben. Der umstrittene US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump wurde hingegen gelobt.

Marsch durch die Stadt

Nach den äußerst langatmigen Redebeiträgen formierte sich aus der Versammlung heraus der angekündigte Aufmarsch durch das Stadtgebiet. Vom Winckelmannplatz in der historischen Altstadt zogen Veranstaltungsteilnehmer_innen dann in ein Plattenbauviertel im Westen Stendals. Dort wurde eine weitere Kundgebung abgehalten. Hier sprach ein bekannter Funktionär der neonazistischen Partei Die.Rechte aus Leipzig. Der Redner aus Sachsen wurde allerdings als Vertreter des thüringischen PEGIDA-Ablegers „Thügida“ vorgestellt.  Ansonsten verlief der Aufzug eher unspektakulär. Stendal wirkte an diesem Samstagnachmittag ohnehin menschenleer. Vereinzelt sympathisierten jedoch Schaulustige, die sich aus den geöffneten Fenstern der Neubau-Blocks hinauslehnten, mit der Versammlung, andere drückten wiederum ihre Abneigung gegen die Veranstaltung aus.

Kaum Gegenprotest

Organisierte Gegenproteste gab es hingegen nur in kleineren Ansätzen. Die Zivilgesellschaft hatte die Marienkirche am Winckelmannplatz genutzt, um sich mit Plakaten und Transparenten gegen Hetze und Rechtsextremismus, für Menschlichkeit auszusprechen.

Fotos:

2016.07.02 Stendal Aufmarsch Buergerbewegung Altmark  (1)

 

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