[Fußball] SV Babelsberg 03 siegt Souverän im Landespokal / Fans erinnern an Rudi Dutschke / Ausschreitungen nach Abpfiff

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Der SV Babelsberg 03 gewann am Samstagnachmittag souverän das Finale im Brandenburgischen Fußballlandespokal gegen den FSV Luckenwalde 63. Die Begegnung wurde jedoch von einem Polizeieinsatz und anschließenden Ausschreitungen nach Abpfiff überschattet. Vor dem Spiel erinnerte hingegen eine Babelsberger Faninitiative friedlich an den in Luckenwalde zur Schule gegangenen, bekannten APO-Aktivisten Rudi Dutschke.

Ausgangslage und Statistik

Beide Teams kannten sich bereits aus der abgelaufenen Regionalligasaison 2015/2016. Diese endete für den SV Babelsberg 03, mit dem 6. Tabellenplatz, etwas günstiger als für den FSV Luckenwalde 63 (Platz 16). Ebenfalls für die Babelsberger sprach der direkte Vergleich beider Mannschaften während des Ligabetriebes. In Luckenwalde konnte der FSV zwar am 5. Spieltag dem SVB ein 1:1 Unentschieden abringen, unterlag dafür aber deutlich im Rückspiel in Potsdam-Babelsberg am 26. Februar 2016 mit sechs Gegentreffern und nur einem selbst verwandelten Goal ins Tor der Heimmannschaft. Im Wesentlichen spiegeln diese Ergebnisse auch die Saisonleistung der Luckenwalder in Bezug auf den Heim/Auswärts-Vergleich wider. Der FSV hat sich mit fünf Heimsiegen eher als heimstark erwiesen, während er auf dem Auswärtskonto nur drei Siege verbuchen konnte. Möglicherweise lag hierin auch ein kleiner Hoffnungsschimmer der Luckenwalder in Bezug auf das Pokalspiel gegen Babelsberg. Denn das diesjährige Endspiel im Brandenburger Fußballlandespokal wurde im Luckenwalder Werner-Seelenbinder-Stadion ausgetragen. Des Weiteren dürfte dem FSV Luckenwalde 63 eV bereits im Vorfeld nicht verborgen geblieben sein, dass der SVB mit neun Heimerfolgen in der abgelaufenen Regionalligasaison ebenfalls eher heimstark war und auswärts nur drei Siege für sich verbuchen konnte. Korrekterweise soll aber gleichzeitig angemerkt werden, dass die Babelsberger bei auswärtigen Spielen auch sieben Unentschieden und damit jeweils einen Punkt in der Tabellenwertung erzielten. In den letzten zehn Ligaspielen spielte der SVB im Vergleich zum FSV allerdings deutlich schwächer. Während Luckenwalde in diesem Zeitraum immerhin fünf Siege, u.a. gegen die tabellarisch besser platzierten Mannschaften des BFC Dynamo und des FSV Wacker 90 Nordhausen, verbuchte, waren es bei den Babelsbergern nur drei, und zwar ausschließlich gegen schlechtplatziertere Teams. Bei den bisherigen Begegnungen beider Mannschaften im Brandenburger Fußballlandespokal dominierte aber bisher trotzdem eher der SVB. Sowohl beim direkten Aufeinandertreffen beider Teams in der Saison 2012/2013 (14. Oktober 2012) als auch 2014/2015 (10. Oktober 2014) siegte Brandenburgs Rekord-Pokalsieger Babelsberg im Achtelfinale mit jeweils drei Toren, während es Luckenwalde nur einmal, am 14. Oktober 2012, gelang überhaupt ins Tor der Gäste aus Alt-Nowawes zu treffen.

Babelsberg siegt souverän

Ähnlich schwer, wie in den zurückliegenden Pokalbegegnungen 2012 und 2014, taten sich die Luckenwalder nun auch beim Finalspiel am frühen Samstagnachmittag. Obwohl der Stadionsprecher in seiner Einleitungsrede vor Spielanstoß noch einmal auf das 1:1 im Hinspiel der Regionalligabegegnung mit dem SV Babelsberg hinwies, dominierte Nulldrei bereits kurz darauf die Partie. Nach fünf Minuten folgte dann auch die erste Torchance, der SVB jedoch ohne Abschluss. Nun war auch Luckenwalde erwacht, hielt dagegen und hatte nach 25 Minuten seine erste Möglichkeit zur Verwandlung, schoss jedoch ebenfalls vorbei. Babelsberg nun mit deutlich mehr Ballbesitz und dem klaren Willen zum Sieg. Die Belohnung dafür erfolgte dann nach 33 Spielminuten. Andis Shala verwandelt nach Flanke von Ugurtan Cepni zum Führungstreffer und zum Halbzeitstand von 1:0, aus Babelsberger Sicht. Die zweite Spielhälfte entwickelte sich dann erst wieder langsam. Babelsberg dann aber schnell wieder in dominanter Position. Offenbar wollten sich die Nulldreier nicht auf ihrer knappen Führung ausruhen. Babelsbergs Sindik zog in der 71. Minute ab und streifte Luckenwaldes Leimbach mit dem Ball derart, dass dieser ins Tor des FSV abgefälscht wurde. Nulldrei nun mit solider 2:0 Führung. Doch Luckenwalde wollte sich zu Hause nicht blamieren und aktivierte offenbar noch einmal alle Kräfte. In der 89. Minute setzte Felix Nachtigall dann ein Zeichen und verwandelte zum 1:2 Anschlusstreffer. Mehr ging dann allerdings aus Luckenwalder Sicht nicht. Im Gegenteil die fünf Minuten der Nachspielzeit nutzte vor allem Nulldrei um seinen Sieg zu manifestieren. In der 94. Minute verwandelte nämlich Uslucan zum 3:1 Entstand, aus Babelsberger Sicht.

Spiel mit Eventcharakter

Die Begegnung FSV Luckenwalde 63 eV vs SV Babelsberg 03 verfolgten 3.042 zahlende Zuschauer_innen, davon ungefähr 1.000, hauptsächlich mit Bussen angereiste Anhänger_innen der Gästemannschaft aus Alt-Nowawes. Weiterhin verfolgten ungefähr  150 Fans des SV Babelsberg 03 die Partie via Live-Übertragung im heimischen Karl-Liebknecht-Stadion. Außerdem wurde das Spiel sowie weitere parallel laufende Landespokalbegegnungen erstmals in bundesweiter Live-Konferenzschaltung von der ARD bzw. deren regionalenTV-Partnern im Fernsehen übertragen. Vielleicht auch als Test für weitere Vermarktungsoptionen. Für DFB-Vizepräsident Peter Frymuth beispielsweise werden „die Pokalwettbewerbe der Landesverbände“ ohnehin „immer interessanter“. Wobei natürlich offen blieb, ob damit auch finanzielle Interessen gemeint waren. Babelsbergs Sindik zog in der 71. Minute ab und streifte Luckenwaldes Leimbach mit dem Ball derart, dass dieser ins Tor des FSV abgefälscht wurde.Dennoch kann Frymuths Statement gegenüber dem Westdeutschen Fußball- und Leichtathletikverband, indem er den „bundesweit einheitlichen Finaltag der Amateure“ als „vorläufigen Höhepunkt“ einer scheinbar gestiegenen Nachfrage von Konsumenten andeutet, schon als Hinweis auf eine künftig ligaübergreifende Weiterentwicklung einer zunehmend auf Kommerzialisierung und reiner Unterhaltung zielenden Fußballkultur verstanden werden.

Aktivitäten aus der Fankurve

Der Gegenentwurf scheint, in Bezug auf das Pokalfinale, vor allem für die Anhänger_innen des SV Babelsberg 03 die aktive und erlebnisorientierte Fußball- bzw. Fankultur zu sein. Wobei „Aktivität“ in der ehemaligen Arbeiter_innenstadt Nowawes, die 1938 zu Babelsberg und 1939 nach Potsdam eingemeindet wurde, eben auch politisches Engagement, beispielsweise in der Unterstützung von Flüchtlingen, wie dem Mannschaftsprojekt „Welcome United“,oder in Aktionen gegen Rassismus und Homophobie erkennbar ist. Während des Spieltages in Luckenwalde gehörte zum Programm der politisch interessierten Nulldreier_innen beispielsweise auch die Erinnerung an den bekanntesten Vertreter der Außerparlamentarischen Opposition (APO)  in West-Berlin, Rudi Dutschke (1940-1979), der in der teltow-flämingischen Kreisstadt zur Schule gegangen war. An einem ihm gewidmeten Denkmal am Friedrich-Gymnasium wurde eine kleine Gedenkzeremonie abgehalten, wobei auch Blumen niedergelegt wurden. Ansonsten stand natürlich im Anhang des SV Babelsberg 03 vor allem der Fußball bzw. die Unterstützung der Mannschaft im Vordergrund. Und die zeigte sich vor allem im lautstarken Support. Auf eine größere Choreografie wurde, wie ansonsten durchaus üblich, allerdings verzichtet. Ebenso auf Pyrotechnik. Lediglich nach dem Babelsberger Führungstreffer war kurzzeitig orangener Rauch im Gästeblock zu sehen. Offensichtlich sollte der Spielablauf nicht gefährdet werden. Erst nach Abpfiff und dem bestätigten Sieg der Nulldreier setzte die Gästekurve massiv auf Rauch und vereinzelten Bengalos.

Ausschreitungen nach Abpfiff

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Ein gemeinsames Feiern der Fans mit der Mannschaft auf dem Platz sollte dagegen offenbar verhindert werden. Bereits kurz vor Abpfiff wurden diesbezüglich mehrere behelmte Beamt_innen der Bereitschaftspolizei postiert. Als dennoch vereinzelte Fans versuchten zu ihrer Mannschaft, die sich inzwischen vollständig vor der Gästekurve versammelt hatte, zu gelangen, eskalierte plötzlich die Situation. Nach dem Ordner_innen und Beamt_innen erfolglos versuchten die Fans zurück in die Kurve zu bewegen, setzte die Polizei massiv ihre Schlagstöcke und ihr Pfefferspray ein. Mehrere Anhänger_innen des SV Babelsberg wurde dabei offensichtlich erheblich verletzt. Einzelne Fans wurden zudem zeitweise mit Kabelbindern fixiert und von den Beamt_innen festgesetzt. Nun kippte die Stimmung völlig. Nach dem anfangs euphorischen Jubel über den Sieg, entwickelte sich innerhalb weniger Minuten eine erhebliche Wut gegen die Polizeibeamt_innen, die im Ausgangsbereich des Stadions erneut eskalierte und zu einzelnen Rangeleien führte. Erst der Abzug der Polizei aus dem Stadion und die klare Trennung von den Fans konnte die Situation halbwegs beruhigen.

Fotos:

2016.05.28_01 Luckenwalde Finale Brandenburger Fussballlandespokal FSV 63 vs SVB 03 (1)

 

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