Landkreis Havelland: Kandidatenvorstellung Landratswahl 2016

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Am kommenden Sonntag sind alle Wahlberechtigten im Landkreis Havelland dazu aufgerufen einen neuen Landrat oder eine neue Landrätin zu wählen.
Der bisherige Amtsinhaber Dr. Burkhardt Schröder (SPD) war aus familiären Gründen zurückgetreten und hatte sein Amt zum 1. April 2016 offiziell niedergelegt.
Den einst „dienstältesten“ Landrat Brandenburgs wollen insgesamt acht Kandidat_innen verschiedenster politischer Coleur beerben, die nachfolgend kurz vorgestellt werden.

Martin Gorholt (SPD) – Der Herausforderer

Für Schröders Partei, die SPD, wird der Diplom Volkswirt Martin Gorholt, der zurzeit als Staatssekretär für die Landesregierung im Bereich Wissenschaft, Forschung und Kultur arbeitet, antreten. Der gebürtige Westfale ist seit 1975 bei den Sozialdemokraten und lebt seit 1990 in Brandenburg. Seit 2011 ist er Vorsitzender des SPD Unterbezirks Havelland und steht als Ansprechpartner regelmäßig zur Verfügung. Darüber hinaus ist er im Landkreis auch in lokalen zivilgesellschaftlichen Initiativen engagiert. Seinen Wohnsitz hat Martin Gorholt allerdings, und zwar als einziger der acht Kandidaten, außerhalb des Kreises Havelland, in der Landeshauptstadt Potsdam.

Roger Lewandowski (CDU) – Der Kronprinz

Aus (West)Berlin in den havelländischen Landkreis übergesiedelt ist der CDU Kandidat und Diplom Verwaltungswirt Roger Lewandowski. Obwohl er bereits 1994 ins Havelland verzog, war sein Hauptwirkungsgebiet aber noch über Jahre die heutige Bundeshauptstadt. Von 1988 bis 2005 arbeitete Lewandowski für die Berliner Senatsverwaltung, zunächst für den Bereich des Innern, später für die Finanzabteilung. 2005 wechselte er dann in den Landkreis Havelland und wurde dort erster Beigeordneter von Landrat Dr. Burkhardt Schröder. 2013 wurde Roger Lewandowski in diesem Amt bestätigt.

Harald Petzold (DIE.LINKE) – Der Parlamentarier

Für die LINKE bewirbt sich der Lehrer Harald Petzold um das Amt des havelländischen Landrates. Der gebürtige Mecklenburger zog bereits nach seinem Militärdienst, in den 1980er Jahren, ins Brandenburgische, studierte in der damaligen Bezirkshauptstadt Potsdam. Anschließend arbeitete er als Lehrer an einer Schule in Ketzin/Havel, erlebte dort den Übergang von der DDR zur Bundesrepublik. Parteipolitisch zunächst in der SED engagiert, wechselte Harald Petzold 1990 in deren Nachfolgerpartei PDS und zog für diese im selben Jahr noch in den ersten Brandenburgischen Landtag ein. Bis 1999 blieb er Landtagsabgeordneter und hatte u.a. auch in Rathenow ein Büro, wo er stets ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Bürger_innen hatte. Daneben arbeitete er weiterhin in Falkensee als Lehrer. Im Jahr 2003 zog Petzold dort auch hin. Außerdem wurde er in diesem Jahr für die LINKE in den havelländischen Kreistag gewählt. Dieses Mandat hat Harald Petzold, ebenso wie das des Stadtverordneten in Falkensee, bis heute inne. Seit 2013 kam ein weiteres, als Bundestagsabgeordneter seiner Partei für die Region, hinzu.

Petra Budke (GRÜNE) – Die Einzelkämpferin

Petra Budke von Bündnis 90 / Die Grünen tritt als einzige Frau für das höchste Amt im Landkreis an. Sie stammt, wie Martin Gorholt von der SPD, aus Nordrhein-Westfalen und übte, wie Harald Petzold von den LINKEn, zunächst einen Lehrberuf aus. In den 1970er und 1980er Jahren war sie Teil verschiedener Protestbewegungen, u.a. gegen den Bau von Kernkraftanlagen und gegen die Stationierung von Atomraketen auf dem Staatsgebiet der damaligen Bundesrepublik. Später war Petra Budke für die Alternative Liste in Berlin-Charlottenburg aktiv. 2003 zog sie ins Havelland und ist dort seit 2008 Gemeindevertreterin in Dallgow-Döberitz. Gleichzeitig ist Petra Budke aber auch Landesvorsitzende der Partei Bündnis 90/ Die Grünen.

Raimond Heydt (PIRATEN) – Der Rebell

Ebenfalls aus Nordrhein-Westfalen ins Havelland übergesiedelt ist der Kandidat der Piratenpartei, Raimond Heydt. Er ist, wie es sich standesgemäß für einen echten Piraten gehört, der Rebell unter den Landratskandidat_innen. Als ein anderer Kandidat für den Landratsposten nicht die nötigen Unterschriften zusammenbekam, soll er beispielsweise die Wahlleitung bedroht haben. Raimond Heydt selbst sieht sich hingegen als Kämpfer gegen Ungerechtigkeit. Während seiner Berliner Jahre (2000-2007) hat er sich, eigenen Angaben zu Folge, politisch radikalisiert, da er „die vielen Widersprüche“ in der „Gesellschaft dort hautnah zu spüren bekommen“ habe. Heydt beteiligte sich an Demonstration und sprühte nach dem 11. September 2001 ein Graffiti mit den Worten „Make Love not war“ ans Kanzleramt. Ab Mitte der 2000er Jahre trat er dann aber gemäßigter auf, wurde Familienvater und lebt seit 2007 in Nauen. Zurzeit arbeitet Raimond Heydt als Pflegekraft bei einer spastisch gelähmten Frau und engagiert sich darüber hinaus ehrenamtlich in den Bereichen Kita, Schule und Jugendarbeit. Sein parteipolitisches Engagement begann er 1995 zunächst bei der SPD in Nordrhein-Westfalen. Seit 2011 ist Raimond Heydt bei den Piraten.

Kai Gersch (AfD) – Der Deutsch-Alternative

Kai Gersch, Landratskandidat der AfD, stammt, wie Harald Petzold, aus Mecklenburg-Vorpommern, hat aber ansonsten nichts mit der Partei DIE.LINKE gemein. Im Gegenteil, bereits als Mitglied der Berliner FDP lehnte der gelernte Industriemechaniker einen „Linkskurs“ seiner Partei in Fragen der Integrationspolitik ab. Den Liberalen hatte sich Gersch spätestens in den 2000er Jahren angeschlossen. 2006 bis 2011 saß er für die FDP im Berliner Abgeordnetenhaus. Nach dem seine Partei nicht wieder in den Senat einziehen konnte, trat Gersch von allen Ämtern zurück. 2012 verließ er die FDP und trat 2014 in die AfD ein, deren Vorsitz im Landkreis Havelland er im selben Jahr übernahm. Der politische Richtungswechsel hatte sich, rückblickend betrachtet, allerdings schon zuvor abgezeichnet. Bereits in den 2000er Jahren gab Kai Gersch der extrem rechten Publikation „Junge Freiheit“ ein Interview. Des Weiteren soll er durch Forderungen nach einem „Aktionsplan gegen Deutschenfeindlichkeit“ aufgefallen sein. Für die AfD sitzt Kai Gersch seit 2014 in seinem jetzigen Wohnort Falkensee in der Stadtverordnetenversammlung. Außerdem wurde er im selben Jahr in den havelländischen Kreistag gewählt.

Frank Kittler (NPD) – Der „Asylkritiker“

Ebenfalls kommunalpolitisch aktiv ist der Landratskandidat der NPD, Frank Kittler. Der aus Berlin-Spandau ins Havelland verzogene sitzt seit 2014 für die Nationaldemokraten in der Gemeindevertretung Brieselang. Im Gegensatz zu den üblichen Kandidaten der NPD macht der beruflich als Bilanzbuchhalter Tätige nach außen hin einen bürgerlichen und moderaten Eindruck. Im vergangenen Jahr beteiligte sich Kittler jedoch auch an mehreren Anti-Asyl-Demonstrationen in Nauen, die von der lokalen Struktur seiner Partei maßgeblich mitorganisiert wurden. Die u.a. auch daraus befeuerte Hysterie gegen Flüchtlinge mündete in einer Brandstiftung an einer kreiseigenen Sporthalle. Vier der fünf mutmaßlichen Tatverdächtigen liefen auch bei den Anti-Asyl-Demos in Nauen.

Holger Schilling (Einzelbewerber) – Der „Volkslandrat“

Holger Schilling bezeichnet sich selber als „Ureinwohner des Havellandes“ und wäre damit der einzige der acht Kandidaten, der nicht im Laufe seines Lebens in den Landkreis zugezogen ist. Dafür kam der Rathenower erst relativ spät zur Politik. Einen Namen hatte sich Holger Schilling lokal zunächst als Unternehmer gemacht. In Rathenow-Süd betrieb er zehn Jahre lang eine Kartbahn, bevor er 2006 eine ehemalige LPG Stallanlage in Göttlin kaufte. Eigentlich als Pferdepension gedacht, schwenkte Schilling schließlich um und baute eine Produktionsstätte für Holzhackschnitzel auf. Allerdings mit wenig Glück. Anwohner_innenbeschwerden und bürokratische Gerangel mit der Kreisverwaltung führten immer wieder zu zermürbenden Konflikten. Zuletzt organisierte Schilling sogar eine Demonstration unter dem Motto: „Wir zerhacken eure Korruption“ gegen die Kreisverwaltung. Genutzt hat dies jedoch wenig, so dass er den Standort seiner Firma ins sachsen-anhaltinische Tangermünde verlegte. Erst Anfang 2016 meldete sich Holger Schilling mit einem Paukenschlag zurück. Als „Volkslandrat“ ohne Wahlprogramm, ohne Wahlversprechen und ohne Wahlplakate will er den Kampf gegen die Bürokratie nun offenbar auf einer anderen Ebene weiterführen.

Fotos:

2016.04.10 Landratswahl Kreis Havelland Kandidaten (1)

 

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