Burg bei Magdeburg: Rechte Demo gegen „Asylmissbrauch“

Titel

An einer rechten „Demonstration gegen Asylmissbrauch“ in Burg bei Magdeburg haben sich am frühen Nachmittag ungefähr 130 Personen beteiligt. Der Aufzug führte durch einen großen Teil des Stadtgebietes der Kreisstadt des Jerichower-Landes. Gegen den Aufmarsch protestierte der „Runde Tisch Burg“ im Rahmen einer Kundgebung auf dem Rolandplatz. An dieser beteiligten sich ungefähr 80 Menschen. Des Weiteren kam es zu einzelnen Protestaktionen von Antifas am Rande des rechten Aufzuges. Zu nennenswerten Zwischenfällen kam es aber nicht. Auseinandersetzungen blieben, so weit bekannt, auf verbale Ebene.

DIE.RECHTE dominiert Aufzug

Entgegen des angestrebten bürgerlichen Bildes der „Demonstration gegen Asylmissbrauch“ wurde recht schnell offensichtlich, dass es sich bei diesem Aufmarsch de facto um eine Wahlkampfveranstaltung der Partei „DIE.RECHTE“ handelte. Der Hauptanmelder Nico G. hatte offenbar lediglich die Funktion einer „Strohpuppe“ und war nicht einmal in der Lage die Auflagen der Polizei vorzutragen. Diese Aufgabe übernahm dann Ingo Zimmermann, Co-Anmelder der Veranstaltung, Vorsitzender des RECHTE-Kreisverbandes Magdeburg / Jerichower Land und eigentlicher Regisseur der Versammlung.

Auch während des Marsches machte ein Großteil der mitlaufenden Versammlungsteilnehmer_innen keinen Hehl daraus welche Weltanschauung hier transportiert wird. „Nationaler Sozialismus jetzt“ und „Frei, Sozial, National“ waren deren heutige Hauptparolen.

Während der Zwischenkundgebung auf dem Marktplatz ergriff dann Roman Gleißner, Landesvorsitzender der Partei DIE.RECHTE, das Wort und nutzte die Gelegenheit, um einerseits gegen die „Alternative für Deutschland“ (AfD), die offenbar als Konkurrent um die schwarz-braune Wähler_innengunst angesehen wird, verbal zu Felde zu ziehen und andererseits das eigene Parteiprogramm vorzustellen. Demnach fordere die Partei ernsthaft u.a. eine „friedliche Korrektur der Oder-Neiße-Grenze“ sowie die Abschaffung des Strafrechtsparagrafen 130 (Volksverhetzung).

In ähnlich braunen Gefilden bewegte sich dann auch der zweite Redner, Marcel Kretschmer von der antisemitischen „Europäischen Aktion“ – Sachsen-Anhalt. Er stellte ebenfalls das Programm seiner Organisation vor und leugnete dabei glatt den millionenfachen Mord an den europäischen Juden. Gemäß Kretschmer habe nämlich in „Dresden 1945 der einzige Holocaust auf deutschen Boden stattgefunden“.

Die „Europäische Aktion“ stellte übrigens auch den Lautsprecherwagen der Versammlung, in dessen Innenraum u.a. deutlich Werbung für einen Neonaziaufmarsch in Bad Nenndorf sowie die Parole „wir bleiben braun“ zu erkennen war.

„Bürger_inneninitiativen“ vernetzen sich

Die vermeintliche Bürger_inneninitiative „Burg gegen Asylmissbrauch“, als offensichtliche Vorfeld- oder Tarnorganisation der Partei „DIE.RECHTE“, ist übrigens seit 15. Dezember 2015 auch Teil der im brandenburgischen Havelland ins Leben gerufenen, überregionalen Vernetzung „Bürgerbündnis Deutschland“. Hierbei handelt es sich um ein Netzwerk von so genannten „Bürgerbewegungen“ und „Bürgerbündnissen“ im Elbe-Havel-Raum unter der Führung des „Bürgerbündnisses Havelland“ und der „Bürgerbewegung Altmark“. Letzt genannte Organisation bzw. dessen Kopf Martin Knaak sowie mindestens zwei weitere Sympathisant_innen war heute übrigens auch in Burg vertreten. Das gleiche gilt für bekannte Sympathisant_innen von „Genthin wach auf“, welche heute mit schwarz-weiß-roter Reichsfahne aufliefen und ebenfalls zum Netzwerk „Bürgerbündnis Deutschland“ gehören. Und ähnlich wie bei „Burg gegen Asylmissbrauch“ gibt es auch bei den Genthinern offensichtliche Überschneidungen zu neonazistischen Organisationen. Während in Burg bei Magdeburg allerdings „DIE.RECHTE“ dominiert, spielt in Genthin vor allem „Der III. Weg“ eine entscheidende Rolle. In jedem Fall hat sich dieses „Bürgerbündnis Deutschland“ damit deutlich der extremen Rechten geöffnet.

Fotos:

2015.12.19 Burg Demo gegen Asylmissbrauch und Proteste (1)
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