Stendal: Demonstration flüchtlingsfeindlicher Bürgerbewegung wurde Spendenlauf

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Eine flüchtlingsfeindliche Kundgebung der so genannten „Bürgerbewegung Altmark“ sowie anschließender Demonstration durch die Stendaler Altstadt wurde heute Nachmittag unfreiwillig zu einem Spendenlauf für Flüchtlingsprojekte. Pro Demonstrant_in und gelaufenen Kilometer wurden so mindestens drei Euro gespendet. Des Weiteren protestierten in der Rathenower Straße Ecke Breite Straße zwischen 300 bis 500 Menschen gegen die Veranstaltung der „Bürgerbewegung Altmark“. Stendals Bürgermeister Klaus Schmotz (CDU) eröffnete die Protestveranstaltung mit einem klaren Bekenntnis für die Aufnahme von Flüchtlingen. Gleichzeitig betonte er aber auch die Sorgen und Ängste von Bürger_innen ernst nehmen zu wollen. Später setzten sich einige linke Jugendliche von der zivilgesellschaftlichen Kundgebung ab und protestierten in der Hallstraße noch einmal in unmittelbarer Nähe der Demonstration der „Bürgerbewegung Altmark“. Eine Blockade gelang dort jedoch nicht. Die Begegnung war allerdings von verbalen Auseinandersetzungen geprägt. Zu nennenswerten Zwischenfällen kam jedoch nicht. Die Polizei trennte beide Lager.

Rechtsoffene „Bürgerbewegung“

Obwohl der Aufzug der „Bürgerbewegung Altmark“, an dem sich rund 250 Personen beteiligten, einen betont bürgerlichen Charakter hatte, war jedoch die Offenheit gegenüber der extremen Rechten unübersehbar.

Die alte kaiserliche Reichsfahne wurde gezeigt, der Vorsitzende des NPD Kreisverbandes Altmark, Sebastian Klein, marschierte mit Gefolge mit, ebenso Stendaler Sympathisanten der Partei „DIE.RECHTE“, bekannte Neonazis aus „freien nationalen“ Strukturen aus dem Altmarkkreis Salzwedel, Sympathisanten der Internetinitiative „Nein zum Heim in Gardelegen“, „Autonome Nationalisten“ aus Stendal sowie Anhänger der „Identitären Bewegung“. Des Weiteren nahmen einigen Personen aus dem rechtsorientierten Hooliganmilieu teil. Eine Person fiel durch einen „HOGESA“-Pullover auf. Die bekannten Gesichter der Stendaler „Alternative für Deutschland“ (AfD) standen dem Aufzug hingegen etwas zwiespältiger gegenüber. Während Stadtrat Matthias Büttner die Szenerie nur vom Rand am Treffpunkt der „besorgten Bürger_innen“ beobachtete, marschierte Tom Klein vorbehaltlos bei der „Bürgerbewegung Altmark“ mit.

Inhaltlich war das Konzept der Veranstaltung stark an PEGIDA („Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“) angelehnt. Das Frontbanner der Versammlung war entsprechend ähnlich gestaltet. Und mit Sebastiano Graziani und Victor Seibel traten auch zwei Redner auf, die zuvor bereits bei PEGIDA-Ablegern in Braunschweig („BRAGIDA“) und Kassel („KAGIDA“) Redebeiträge hielten. Beide sowie drei weitere Redner aus Stendal beklagten sich mehr oder weniger über die steigenden Flüchtlingszahlen, polemisierten gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel, kolportierten Verschwörungstheorien oder hetzten gegen die so genannte „Lügenpresse“.

Auch der markante Slogan: „Wir sind das Volk“ wurde durch die „Bürgerbewegung“ mehrfach skandiert, neben Parolen die ansonsten nur auf Neonaziaufmärschen zu hören sind.

Vernetzung in Nachbarstädte

Unterstützt wurde die „Bürgerbewegung Altmark“ heute übrigens auch durch den Magdeburger PEGIDA-Ableger „MAGIDA“. Deren Sympathisant_innen gaben sich durch das Zeigen ihrs Banners zu erkennen. Des Weiteren bewarben sie mittels Flugblättern ihre jeweils montags stattfindenden Aufmärsche in der sachsen-anhaltinischen Landeshauptstadt.

Unterstützt wurde die „Bürgerbewegung Altmark“ heute ebenfalls durch Vertreter_innen des so genannten „Bürgerbündnisses Havelland“ aus Rathenow. Diese übernahmen u.a. Ordneraufgaben während des Aufzuges. Während der Abschlusskundgebung nutzte einer der Beiden die Chance und rief über die Lautsprecheranlage zur Teilnahme an einer ähnlichen Versammlung am kommenden Dienstag in Rathenow auf.

Fotos: hier

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