Brandenburg an der Havel: Ruhige Infoveranstaltung zu Asylunterkunft Fohrder Landstraße

2015.03.30 Brandenburg Havel - Infoabend Asylheim Fohrder Ldstr (3)

Zu einer zweiten Informationsveranstaltung zur Errichtung einer Gemeinschaftsunterkunft für Asylsuchende in Brandenburg an der Havel, diesmal in der Fohrder Landstraße, hatte am frühen Abend erneut die Stadtverwaltung geladen. Die Versammlung fand in einer Sporthalle in der Walther-Ausländer-Straße, Mitten im Plattenbaugebiet Hohenstücken, statt. Den Anwohner_innen wurde, ähnlich wie bereits am 18. März, beim Infoabend zum geplanten Asylheim am Neuendorfer Sand, die Chance gegeben ihre Fragen zu den neuen Nachbarn, Anregungen oder Kritik zu äußern. Allerdings nahmen nur wenige Bürger_innen das Angebot der Stadt an. Lediglich 40 Menschen interessierten sich für die neue Gemeinschaftsunterkunft.

Trotzdem waren die Vertreter_innen der Stadt sehr bemüht, alle ihnen zur Verfügung stehenden Informationen transparent und sachlich korrekt darzustellen. Als Einstieg führte der städtische Beigeordnete für Kultur und Soziales, Dr. Wolfgang Erlebach, zunächst via Beamer eine Computer-Präsentation vor. Hierbei erläuterte er allgemein die einzelnen Begriffe und Schritte im Asylverfahren und ging dann auf die Situation in Brandenburg an der Havel ein. Im Wesentlichen wiederholte er dabei seine Ausführungen der Infoveranstaltung vom 18. März.

Anschließend hatten die Bürger_innen wieder die Chance ihre Fragen zu stellen, hielten sich aber weitgehend zurück. Offenbar waren alle Informationslücken bereits im Vorfeld verfüllt worden. Davon war selbst die Stadtverwaltung überrascht, die sich wieder sehr gut vorbereitet und alle möglichen Experten eingeladen hatte. Fast schon erleichtet schienen die Mienen des Moderators, dass sich dann noch einzelne Personen zu Wort meldeten.

Eine Frau wollte beispielsweise wissen, ob es gewalttätige Konflikte unter den aus unterschiedlichen Ländern geflohenen Menschen gäbe und ob dies bei der Unterbringung berücksichtigt würde. Konflikte mit derartigem Ausmaß seien in der bisherigen Gemeinschaftsunterkunft in Brandenburg-Nord, so deren Leiter in seiner Antwort. Die Menschen würden vor Gewalt fliehen und seien deshalb bisher auch nicht als gewaltsuchend auffallend gewesen. Bei der Unterbringung an sich, so Dr. Wolfgang Erlebach, würde hingegen schon darauf geachtet, dass in der einen neuen Unterkunft ausschließlich Familien und der anderen hauptsächlich junge Männer untergebracht werden. Die bestehende Gemeinschaftsunterkunft in Brandenburg-Nord solle allerdings gemischt bleiben.

Danach wollte dann ein Mann wissen, wie die Betreuung der Asylsuchenden aussehen wird. Er selber stamme aus der ehemaligen Sowjetunion und hatte es nach seiner Ankunft in der Bundesrepublik vor allem sehr schwer damit gehabt, die deutsche Bürokratie zu bewältigen. Die Stadt sieht sich allerdings mittlerweile, laut Beigeordnetem Erlebach, gut vorbereitet. Er will Sozialarbeiter_innen für die Betreuung der Flüchtlinge einsetzen. Das dies allerdings nicht reichen wird, wenn auf bis zu 120 Menschen ein Betreuer kommt liegt jedoch auf der Hand. Es gäbe hierfür jedoch bereits eine Lösung. So unterstützen beispielweise schon jetzt ungefähr 50 bis 60 Menschen aus Kirchenkreisen die Asylsuchenden bei der Bewältigung ihres Alltages. Lobend wurden diesbezüglich auch Schüler_innen der städtischen Gymnasien erwähnt, die Flüchtlingskindern Nachhilfe in schulischen Dingen anbieten.

Anschließend sprach eine ältere Frau noch einmal explizit das Thema Integration an. Sie selber habe, als Flüchtlingskind nach dem zweiten Weltkrieg, damit eher schlechte Erfahrungen gemacht, empfand sich von der hiesigen Gesellschaft aber nicht gut aufgenommen. Doch auch hier fühlt sich die Stadt inzwischen besser aufgestellt. Zwar ist es ihre primäre Aufgabe vor allem die Basics für das Leben in einem neuen Land zur Verfügung zu stellen, doch vermittelt sie auch gerne Begegnungsmöglichkeiten zwischen den Kulturen. Als positive Beispiele wurden diesbezüglich Veranstaltungen wie das vietnamesische Neujahrsfest oder ein „Russischer Abend“ genannt. Dort kann dann beispielsweise gemeinsam gekocht und sich anschließend beim Essen untereinander ausgetauscht werden.

Mit dieser Antwort endete dann auch die Veranstaltung. Weitere Fragen wurden nicht gestellt. Lediglich hinsichtlich des Eröffnungstermines wurde noch einmal nachgehakt.

Die neue Gemeinschaftsunterkunft in der Fohrder Landstraße soll ab 1. Juni 2015 bezugsfertig sein.

Fotos: hier

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s