Nauen: Warnstreik im ÖPNV Havelland

Titel

Die Bushaltestellen der Gemeinde Retzow im Landkreis Havelland wirken heute verlassen. Weder am Ortsrand, am „Pessiner Weg“, noch im Gemeindekern, an der „Feuerwehr“, scheinen heute Menschen auf Busse der Linien 661, 669 und 680, die wahlweise Richtung Rathenow, Nauen und Friesack, den lokalen, urbanen Weiterbildungs- und Versorgungszentren, fahren, zu warten. Sicher, auch sonst dürften die ländlichen Haltestellen nur von Schülern oder den wenigen nicht motorisierten Gemeindemitgliedern frequentiert werden. Doch an diesem frühen Nachmittag ist es an den Haltestellen noch ruhiger als sonst, heute wird niemand befördert. Denn der Busverkehr ist hier im östlichen Havelland völlig zum erliegen gekommen.

Arbeitsniederlegungen in den Betriebshöfen

Grund ist ein regionaler Warnstreik der vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) in den Verkehrsbetrieben des Landkreises Havelland. Konkret werden die drei Betriebshöfe in Falkensee, Rathenow und Nauen bestreikt. An letztgenanntem Standort wird die Arbeitsniederlegung besonders deutlich. In Nauen befindet sich der Betriebshof nämlich genau an der viel frequentierten Bundesstraße 273 Richtung Autobahn. Die Gewerkschaft hat mutmaßlich auch deshalb die Betriebsumfriedung in den Straßenbereichen ausführlich mit Plakaten und ver.di Fahnen bestückt. An der Einfahrt zum Betriebshof stehen Streikposten. Sie harren hier schon seit dem frühen Morgen, genauer gesagt seit 3.30 Uhr, aus. Eine Feuertonne dürfte die kühlen Stunden in der Frühe ein wenig angenehmer gestaltet haben. Doch am frühen Nachmittag lacht die Sonne und ebenso zuversichtlich geben sich die Streikposten, die gerne und siegesgewiss für ein Foto posieren.

Ver.di erzeugt Verhandlungsdruck

Doch ganz so einfach gestaltet sich ein Arbeitskampf nicht. Denn hinter den Kulissen muss oft knallhart verhandelt werden. Vor allem, dann, wenn die Arbeitgeber auf das Angebot der Gewerkschaft nicht eingehen und in der Tarifdiskussion auch kein Gegenangebot vorlegen, wie im aktuellen Fall geschehen. Dort wurde nämlich der ver.di-Vorschlag den Lohn jeder Entgeltgruppe um 120,00 € zu erhöhen vom kommunalen Arbeitgeberverband Brandenburg während der Verhandlungsrunde am 20. Februar 2015, laut Gewerkschaftsangaben, als „zu hoch und nicht finanzierbar“ ablehnt. Arbeitgeberverhandlungsführer Klaus Klapproth rechtfertigte dies in einer Pressemitteilung vom 23. Februar 2015: „Es liegt nicht daran, dass die Unternehmen nicht wollen, sondern daran, dass sie nicht können.“ Da ver.di dahinter aber offenbar nur eine Verhandlungstaktik vermutet, erhöhte die Gewerkschaft nun den Druck auf die Arbeitgeber durch erste Warnstreiks. So wurden bereits gestern erste Betriebshöfe in Potsdam und Ostbrandenburg bestreikt, heute eben die Falkensee, Rathenow und Nauen. Morgen werden weitere Warnstreiks, u.a. im Landkreis Dahme-Spreewald, folgen.

Fahrgäste improvisieren

Indes betonte Arbeitgeberverhandlungsführer Klaus Klapproth, dass Streiks, seiner Meinung nach, keine Lösung seien und hauptsächlich die auf den ÖPNV angewiesene Fahrgäste, insbesondere Schüler, treffen. Die haben sich heute aber anscheinend mit dem Warnstreik arrangiert und Fahrgemeinschaften improvisiert. In Retzow hielt an der Bushaltestelle im Dorf anstatt des Busses beispielsweise eine elterliche Großraumlimousine und beförderte die Schulkinder zur Schule. Ob dies jedoch bei einem dauerhaften Streik auch so einfach weiter geht, bleibt fraglich.

Die nächste Verhandlungsrunde findet im März statt.

Fotos: hier

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