Dresden: Neonazis holen Trauermarsch zum 13. Februar nach / Sitzblockaden stoppen Aufmarsch

Titel

Auch in diesem Jahr blieb der Stadt Dresden der so genannte „Trauermarsch“ neonazistischer Aktionsgruppen nicht erspart. Die traditionell am 13. Februar ausgerichtete Veranstaltung, sei 2015, so Mitveranstalter Maik Müller vom „Aktionsbündnis gegen das Vergessen“ während seines Redebeitrages, bewusst auf den 15. Februar gelegt worden, weil „an diesem Tag [vor 70 Jahren] die Frauen eingestürzt ist“. Allerdings scheint diese Begründung äußerst fadenscheinig, da bei vorangegangen Aufmärschen immer der 13. Februar das entscheidende Datum war. Selbst die Mobilisierung des „Aktionsbündnisses gegen das Vergessen“ fokussiert vor allem letzt genanntes Datum.
Die szeneinterne, nichtöffentliche Bewerbung der gestrigen Versammlung deutet zudem eher auf ein Versteckspiel der Neonazis hin, um ungestört aufmarschieren zu können.

Protestaktionen

Trotz der Verschleierungstaktik des „Aktionsbündnisses gegen das Vergessen“ und kurzfristigem Bekanntwerden der Aufmarschpläne konnte das Bündnis „Dresden Nazifrei“ jedoch mehrere hundert Menschen mobilisieren, die an unterschiedlichen Punkten gegen die Neonaziveranstaltung protestierten. Am Theaterplatz, dem Sammelpunkt der Neonazis, fand eine Kundgebung mit ungefähr 200 Menschen statt, auf der lautstark in Hör- und Sichtweite protestiert wurde. Zuvor wurde, laut Info-Ticker von „Dresden Nazifrei“, bereits am Postplatz versucht, die Anreise von Teilnehmer_innen des neonazistischen „Trauermarsches“ zu verhindern. Dies klappte jedoch nur bedingt und wurde alsbald durch die Polizei unterbunden.
Gegen 16.40 Uhr begann schließlich der Aufmarsch und bewegte sich über die Sophienstraße, Taschenberg und Schloßstraße in die Wilsdruffer Straße. Dort gab es eine erste kleinere Blockadeaktion von ungefähr einem dutzend Personen, die jedoch recht schnell wieder von der Polizei geräumt wurde.
Eine wesentlich größere Sitzblockade fand dann in der mehrspurigen Petersburger Str. statt. An dieser beteiligten sich um die 200 Menschen und brachten den Aufmarsch Höhe Skaterpark eine Stunde zum stehen. Dabei hatte die Polizei Mühe die Situation unter Kontrolle zubringen.
Anschließend wurden die Neonazis über eine von der Polizei freigehaltene Fahrspur zum Hauptbahnhof verbracht, wo deren Veranstaltung endete.

Weniger Neonazis als in den Vorjahren

Am so genannten „Trauermarsch“ beteiligten sich ungefähr 500 Personen. Diese kamen hauptsächlich aus Sachsen, Brandenburg und Berlin, vereinzelt aber u.a. auch aus Schleswig Holstein und Rheinland Pfalz. Des Weiteren deuteten gezeigte griechische, slovakische und italienische Nationalflaggen sowie eine alte böhmische Fahne auf Delegationen aus diesen Ländern hin.
Trotz der beachtlichen Teilnehmer_innenzahl blieben die Neonazis jedoch weit hinter den Zahlen vergangenen Aufmärsche, an denen bis zu 8.000 Personen teilnahmen.

Fotos: hier

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