Friesack: Ein sicherer Ort, dass ist das Ziel

2014 Interview Friesack

Der anhaltende Krieg in Syrien bestimmt fast täglich die Bilder in den Medien. Ständig erfahren die Menschen von Kämpfen und Gräueltaten. Wer kann, flieht von dort und sucht im Ausland Zuflucht.
So wie der Zahnarzt Ziad und der Apotheker Khaled, die im Asylbewerberheim Friesack leben. Sie stammen aus dem Großraum Damaskus, sind Kinder palästinensischer Flüchtlinge und damit formell „staatenlos“.
Vor dem Krieg ging es ihnen in Syrien relativ gut. Sie waren gebürtigen Syrer rechtlich gleichgestellt, lebten in modernen Wohnungen, waren gut versorgt und genossen eine gute Ausbildung.
Khaled studierte sogar an der Martin Luther Universität in Halle (Saale). Heute ist er nach einer Odyssee durch den Libanon, Ägypten, über das Mittelmeer, Italien die Niederlande wieder in Deutschland.
In einem Friesacker Imbiss gab es ein Gespräch mit den beiden Männern. „Im Allgemeinen seien die Leute freundlich“, sagen Khaled und Ziad. Sie grüßen und lächeln, mit ihnen näher in Kontakt zu treten sei aber schwierig. Trotzdem versuchen sich beide in die Gemeinschaft zu integrieren, nahmen beispielsweise auch am diesjährigen Frierock Festival teil.
Sowohl Ziad als auch Khaled sind ausgebildete Fachkräfte und wollen dem deutschen Steuerzahler nicht zur Last liegen. Sie würden gerne arbeiten, ihr Leben selbst finanzieren, aber die Gesetze sprechen dagegen
Ständig plagt sie die Sorge um die Zukunft. Wann können sie zurück? Können sie überhaupt wieder zurück? Längst sind sie in einem Alter, in dem sich eine Existenz aufgebaut, eine Familie gegründet, sich fürs Alter abgesichert wird. All dies bleibt ihnen verschlossen.
Ziad hatte eine Zahnarztpraxis, die er wegen des Bürgerkrieges schließen musste. Seine Familie ist über mehrere Länder verteilt: England, Niederlande, Malaysia.
„Es ist ein Alptraum“, schildert er. Als Nachfahre palästinensischer Flüchtlinge, sieht er sich in dem Konflikt besonders benachteiligt. Denn eigentlich haben die Palästinenser in der Auseinandersetzung zwischen Assad und den Rebellen eine neutrale Position. Jedoch ist der Druck von beiden Seiten so groß, dass es nur noch zwei Optionen gibt: Partei für eine Seite ergreifen und mitkämpfen oder fliehen.
Auch wenn sie sich für die Flucht entschieden haben, kreisen ihre Gedanken fast bei dem Satz um das zurückgelassene Land. Sie denken an ihre getöteten Angehörigen und sorgen sich über die nachwachsende Generation – Kinder, die vom Krieg geprägt sind und von Gewalt sozialisiert werden. Sie hoffen darauf, dass die Welt dies erkennt. Die Sehnsucht nach Frieden ist groß. Gerne würden sie dann auch wieder nach Syrien zurück, um sich endlich ein eigenes Leben aufzubauen.
Kurz nach diesem Gespräch bekam Khaled als erster Bewohner des Friesacker Heims eine Aufenthaltsgenehmigung als anerkannter Kriegsflüchtling.
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Hinweis:
Der Artikel wurde im Auftrag des Lokalen Aktionsplan Westhavelland verfasst, redaktionell bearbeitet und erscheint in der Sonntagsausgabe der Havelländischen Regionalzeitung „Preussenspiegel“, am 30.11.2014, auf Seite 3 .
Das E-Paper ist bereits Online verfügbar:
http://epaper.media-guides.de/epaper.php?xmlfiles=data/6/47/10036/main.xml
Das dem Artikel zu Grunde liegende Interview führte ein Korrespondent, der auch für Presseservice Rathenow schreibt und uns Text und Bild freundlicher weise zur Nutzung zur Verfügung stellte.

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