Rathenow: NPD Mann sprach bei rechtem „Bürgerbündnis“

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Am Dienstagabend veranstaltete die rechte Vereinigung „Bürgerbündnis Havelland e.V.“ wieder ihre im Zwei-Wochen-Rhythmus stattfindende Abendkundgebung. Die Versammlung fand ausschließlich auf dem Märkischen Platz statt und zog zwischen 20-25 Personen aus Rathenow und Umgebung sowie Berlin.
Im Laufe der Kundgebung kamen drei Redner zu Wort. Zwei „Redebeiträge“ wurden von Akteuren des „Bürgerbündnisses“ gehalten und bewegten sich auf dem üblichen Niveau der Vereinigung. Ein dritter Redebeitrag wurde von einem Sympathisierenden aus Berlin gehalten.
Bei dem Berliner Redner handelte es sich um den langjährigen, auch in Brandenburg aktiven NPD Funktionär Richard Miosga, der sich in der Vergangenheit beispielweise mehrfach von seiner Partei als Kandidat für die Bundestagswahlen aufstellen ließ. Darüber wurde er auf der Internetseite des so genannten „Deutschen Rechtsbüros“, laut Brandenburger Verfassungsschutz ein Beispiel für „rechtsextremistische Rechtsberatung“, als Ansprechpartner benannt.
Miosga pflegte am Dienstagabend freilich einen anderen Duktus als seine beiden Rednerkollegen, die in ihrer Art und Weise, eher einer schlechten Kopie eines US-amerikanischen Komiker-Duos aus den 1920er und 1930er Jahren ähnelten. Zumindest war die Rede des Berliners klar strukturiert, jedoch politisch nicht weniger grenzwertig. Bereits die Einleitung mit „liebe Kameradinnen und Kameraden“ machte deutlich, welche Klientel er eigentlich anzusprechen gedachte. Inhaltlich äußerte sich Miosga vor allem zum Thema Flucht und Umsiedlung deutscher Staatsbürger nach dem Zweiten Weltkrieg, wobei er seine Äußerungen mit unappetitlichen Spitzen gegen Holocaustüberlebende garnierte.

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2017.06.20 Rathenow - Buergerbuendnis Havelland (1)

Land Brandenburg: NPD sucht Auswege aus politischer Bedeutungslosigkeit

Neonazistische Partei sammelt Unterschriften für Teilnahme an Bundestagswahl. NPD Infotische in Cottbus, Oberhavel und Potsdam-Mittelmark. Parteifunktionäre bei Aufmarsch der „Identitären Bewegung“ (IB) in Berlin

Nach einer Zeit der relativen Ruhephase sind in der Region Berlin-Brandenburg wieder vermehrte Aktivitäten der neonazistischen NPD wahrnehmbar. Hintergrund könnte die am 24. September 2017 anstehende Bundestagswahl sein. Hierfür zeigte die NPD, gemeinsam mit 62 anderen Parteien und politischen Vereinigungen, unlängst ihre Teilnahme beim Bundeswahlleiter an.

Da die neonazistische Partei aber weder im Bundestag vertreten ist, noch eine Fraktion in einem Parlament der Länder bildet, hat sie die Auflage Unterschriften für die Bestätigung ihrer Landesliste zu sammeln. Allein in Brandenburg müsste die NPD, nach Auskunft des Bundeswahlleiters, ungefähr 2.000 Unterstützungsunterschriften sammeln. In Berlin übrigens ebenso. Möchte die Partei flächendeckend bundesweit antreten, würde sie insgesamt 27.678 gültige Unterschriften benötigen.

Die Lage der NPD ist allerdings derzeit desolat. Das Verbotsverfahren, Missmanagement und die Diskussion um die künftige strategische Ausrichtung führten zu Parteiaustritten und einem Ausdünnen der unterstützenden Strukturen. Zudem hat die Partei zurzeit starke Konkurrenz vor allem am gemäßigten rechten Rand der Gesellschaft. Gleichfalls hat die NPD auch im Bereich der extremen Rechten wichtige Unterstützende verloren.

Andererseits verfügt die Partei allerdings insbesondere in einigen Regionen in Brandenburg noch über ein gewisses Aktivenreservoir, das durchaus fähig sein könnte, die notwendigen Unterstützungsunterschriften zu akquirieren.

Für die nächsten Wochen sind deshalb im Land vermehrt Infotische oder Versammlungen der NPD erwartbar.

Aktionismus gegen die politische Bedeutungslosigkeit

2017.06.20 Bad Belzig NPD Infotisch
Infotisch in Bad Belzig: Warten auf Unterstützende

Bereits am vergangenen Wochenende sollen die „Nationaldemokraten“, gemäß eigener Auskunft, in mehreren Orten in Brandenburg Präsenz gezeigt haben. Der Ortsbereich Cottbus habe in Schmellwitz und Sandow Infotische abgehalten, der Kreisverband Oberhavel in Velten und Hennigsdorf. Weiterhin zeigte die NPD Barnim bereits in der vergangenen Woche bei einer Demonstration gegen eine Moschee in Bernau Präsenz.

Am Dienstagnachmittag setzte die NPD nun im Landkreis Potsdam-Mittelmark ihre Aktivitäten fort. In der Kreisstadt Bad Belzig führten der örtliche Stadtverordnete der Partei sowie eine langjährige Aktivistin u.a. einen Infotisch im Wohngebiet Klinkengrund fort. Zuvor hatte die Parteisektion „NPD Potsdam-Mittelmark“ im Internet alle Interessierten um Unterstützungsunterschriften für den Antritt der Mutterpartei zur Bundestagswahl gebeten.

Auslotung neuer Ressourcen

2017.06.17 Berlin - Identitäre Bewegung
NPD Landesorganisationsbeauftragter Robert Wolinski (rechts, mit Bart) und Ex-NPD BuVo Andy Knape (links, mit Basecap und blauen Pullover) während eines Aufmarsches der „Identitären Bewegung“ am 17. Juni 2017 in Berlin

Neben den Bemühungen sich aus eigener Kraft der politischen Bedeutungslosigkeit zu entziehen, scheinen Parteifunktionäre auch vermehrt in Mischszenen präsent zu sein. Mehrfach wurde Kader der Partei beispielsweise bei PEGIDA-ähnlichen Versammlungen in Berlin und Brandenburg beobachtet. Doch auch hier ist die Konkurrenz gegenüber anderen extrem rechten Vereinigungen groß und die Klientel entspricht nicht immer den völkischen Idealvorstellungen der „Nationaldemokraten“.

Ein deutliches Interesse scheint aber mittlerweile an der so genannten „Identitären Bewegung“ zu bestehen. Insbesondere die inhaltliche Ausrichtung, die sich sehr an die Programmatik der „Neuen Rechten“ sowie völkischen Weltanschauungen orientiert, dürften der NPD Schnittstellen bieten. Gleiches könnte für den Aktionismus der IB, der doch stark an frühere Kampagnen aus dem Spektrum der nationaldemokratischen Jugendorganisation JN erinnert, gelten.  Zudem ist es kein Geheimnis, dass Akteure der „Identitären Bewegung“ einstmals in der NPD Jugend aktiv waren.

Insofern erscheint es nachvollziehbar, dass einzelne Verbände der „Nationaldemokraten“ zur Beteiligung am zentralen Aufmarsch der IB am 17. Juni 2017 in Berlin aufriefen. „Da die Erhaltung der europäischen Völker“ ein „gemeinsames Ziel“ sei  „und für Abgrenzungen und Spaltereien keine Zeit mehr“ wäre, würde die Veranstaltung „trotz einiger merkwürdiger Formulierungen“ unterstützt werden, so beispielsweise der NPD Kreisverband Marzahn-Hellersdorf im Vorfeld des „Identitären“-Aufzuges.

Tatsächlich nahmen am vergangenen Samstag mehrere bekannte Akteure aus NPD, JN und Parteinahen Strukturen an der IB-Versammlung in Berlin Teil. Eine Abordnung des Kreisverbandes Oberhavel um den Brandenburger Landesorganisationsbeauftragten Robert Wolinksi aus Velten erschien beispielsweise mit dem Magdeburger Andy Knape, der zeitweise im Bundesvorstand der „Nationaldemokraten“ saß.

Im Nachhinein bewertete der NPD Landesverband Berlin den Marsch der „Identitären Bewegung“  trotz „nicht geräumter linker Blockaden“ sowie vereinzelten inhaltlichen Differenzen als Erfolg. Die Parteisektion sah sich u.a. in einigen Forderungen der Sprechchöre bestätigt und begrüßte das Flagge-zeigen in einem vermeintlich „überfremdeten Berliner Stadtbezirk“.

Rathenow: Rechtes „Bürgerbündnis“ setzt Versammlungsreihe fort / NS Parolen im Stadtgebiet

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Unter dem Motto: „Wir sind noch immer da“ versammelte sich ab 18.30 Uhr wieder die rechte Vereinigung „Bürgerbündnis Havelland eV“ in Rathenow. An der angemeldeten Veranstaltung auf dem Märkischen Platz  nahmen ungefähr 25 Personen teil. Dreiviertel der Teilnehmenden stammte aus Rathenow und Umgebung, ein Viertel war aus Berlin, darunter Sympathisierende des extrem rechten „Bärgida eV“, von „Hand in Hand“ und der „Bürgerbewegung Pro Deutschland“, angereist.

Eröffnet wurde die stationäre Kundgebung durch den Versammlungsleiter Ralf Maasch. Er verlas die polizeilichen Auflagen und wies auf kommende Veranstaltungen der extrem rechten „Identitären Bewegung“ und „Wir für Deutschland“ in Berlin hin. Anschließend folgte der erste Redebeitrag.

Eine aus Berlin zugereiste Rednerin sollte sich eigentlich zu der Frage: „BRD – Sinn oder Unsinn“ äußern, hatte sich aber tatsächlich zu einer anderen Thematik vorbereitet. So schwadronierte sie, anknüpfend an Stichworte aus der Programmatik der „Identitären Bewegung“, vom „großen Austausch“ der Bevölkerung und rief zur Gründung von „Bürgerwehren“ auf. Friedlich sei in diesem Land ohnehin nichts mehr zu lösen, die Bundesrepublik sei zudem „ein linksversiffter terroristischer Staat“, so die Rednerin. Justizminister Maas beleidigte sie zudem als „Arsch“.

Nach einem kurzen musikalischen Zwischenspiel  folgte dann der Redebeitrag eines Doktors, der in seiner sehr subjektiv gefärbten Meinungsäußerung die angeblich fehlende Meinungsfreiheit in der Bundesrepublik beklagte. Weiterhin äußerte er sich zur Dresdener PEGIDA-Bewegung und empörte sich über angeblich geplante Maßnahmen gegen die extrem rechte Vereinigung.

Nach einem weiteren musikalischen Zwischenspiel hielt nun der Versammlungsleiter Ralf Maasch einen Redebeitrag, in dem dieser seine Meinung zu gesellschaftspolitischen Neuigkeiten aus nah und fern, wie dem Umbau eines Kreisverkehrs in Rathenow-West, zunehmender Drogenproblematik in der Rathenower City oder der kurzzeitigen Unterbrechung eines Rockkonzertes in Rheinland-Pfalz durch vermeintliche Dschihadisten, kundtat.

Anschließend wurde das Lied: „Ein Rose für mein Deutschland“ gespielt, in dem die ehemalige „nationale Liedermacherin“ Anett Müller in einer Textzeile bekannte, dass sie die „NPD wähle“. Maasch sang fröhlich mit. Eigenem bekunden nach, sei dies sein Lieblingslied. Ironie der Geschichte: Sängerin Anett soll inzwischen der NPD den Rücken gekehrt und die Szene verlassen haben. In Vorträgen vor Schülern warne sie mittlerweile vor „rechter“ Musik als Einstiegsdroge.

Wohl war, in Rathenow erfreut sich ihre damalige Lyrik bester Beliebtheit und umrahmt die mutmaßlich rassistisch motivierten Meinungsäußerungen der Bürgerbündnis-Vereinigung. Dumpfer Rassismus, der beispielsweise zu Tage tritt, wenn Vereinskassenwart Wolfgang Hoppe im letzten Redebeitrag des Tages mit reißerischen Stories insbesondere vor Menschen mit dunkler Hautfarbe „warnt“.

Eine Massenbewegung ist das „Bürgerbündnis Havelland“ jedoch freilich nicht mehr. Dennoch hat es durch seine regelmäßigen Versammlungen für eine Belebung im extrem rechten Milieu gesorgt. Die aus dem „Bürgerbündnis Havelland“ entstandene Ortsgruppe „Autonomer Nationalisten“ in Rathenow hinterlässt beispielsweise immer deutlicher ihre Spuren in der Stadt. Erst am vergangenen Wochenende waren an einer Schallschutzmauer mehrere neonazistische und extrem rechte Parolen mit Sprühfarbe angebracht worden. In der Nähe waren zudem Sticker überregional aktiver Gruppen „Autonomer Nationalisten“ auf denen u.a. eine „NS Zone“ propagiert wurde, angebracht worden.

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2017.06.06 Rathenow, Kundgebung Buergerbuendnis und Naziparolen (1)

Rathenow: Polizei bestätigt Auseinandersetzung zwischen rechtem Bürgerbündnis und Gegner

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Dieses Fahrzeug soll am Dienstagabend beschädigt  worden sein (Archivaufnahme).

Die Auseinandersetzung zwischen Mitgliedern der rechten Vereinigung „Bürgerbündnis Havelland“ und einem Gegner am Dienstagabend wurde inzwischen im Wesentlichen durch die Polizei bestätigt. Dabei soll es zwei Verletzte gegeben und Sachschäden an einem Fahrzeug entstanden sein.

Verletzte und Sachschäden nach Streit

Laut Polizei habe die Auseinandersetzung am frühen Dienstagabend, gegen 17.45 Uhr, begonnen, als ein 27 Jähriger und dessen Begleiter mit einem Fahrzeug ein Grundstück verlassen wollten. Ein 35 Jähriger soll sich ihnen mit einem Fahrrad in den Weg gestellt und die Grundstückseinfahrt versperrt haben. Daraufhin sei es zu einer verbalen Auseinandersetzung gekommen, in dessen Folge der Blockierer die Einfahrt schließlich wieder frei gab.
Kurz nach dem der 27 Jährige und dessen Begleiter losfuhren, soll ihnen jedoch der 35 Jährige gefolgt sein und abermals das Fahrzeug zum Anhalten gezwungen haben. Ob es dann zu einer weiteren verbalen Auseinandersetzung kam ist zurzeit noch nicht bekannt. Laut Polizei soll der 35 Jährige dann jedoch die Spiegel des gestoppten Fahrzeuges abgerissen und mit diesen dann gegen Front- und Seitenscheibe des Pkws eingewirkt haben. Die dadurch herumfliegenden Glassplitter sollen dann den 27 Jährigen und dessen Begleiter verletzt haben.

Politische Differenzen als Motiv

Hintergrund der Auseinandersetzung sollen, laut Polizei, erhebliche Meinungsverschiedenheiten zu aktuell politischen Themen gewesen sein.
Bei den Geschädigten soll es sich um Mitglieder des rechten Vereins „Bürgerbündnis Havelland“ gehandelt haben, bei dem 27 Jährigen sogar um dessen Vorsitzenden. Er hatte bereits am Dienstagabend, während einer Kundgebung der Vereinigung, von dem Vorfall berichtet. Allerdings waren während dessen Auftritt keine äußeren Verletzungen seiner Person, auch keine behandelten erkennbar.
Von dem mutmaßlich beschädigten Fahrzeug, ein mit einem „Bürgerbündnis“-Emblem verzierter Pritschenwagen, gibt es keine aktuellen Aufnahmen. Auf der Kundgebung wurde der Pkw allerdings auch nicht, wie sonst üblich, eingesetzt.
Zu dem 35 Jährigen Tatverdächtigen machte die Polizei keine weiteren Angaben. Laut dem 27 Jährigen soll es sich bei der Auseinandersetzung jedoch um einen „linksextremistischen“ Anschlag gehandelt haben. Er sei zu dem mit Tode bedroht worden. Andererseits ist der 27 Jährige jedoch auch für seine Übertreibungen und eine äußerst subjektive Wahrnehmung der Wirklichkeit bekannt. Während seiner öffentlichen Rede auf der Kundgebung beschuldigte er beispielsweise auch vollkommen Unbeteiligte in dem so genannten „Anschlag“ verwickelt gewesen zu sein.
Über den Tatverdächtigen, so der 27 Jährige überhaupt dessen richtigen Namen nannte, ist bisher lediglich bekannt, dass er dem Hip Hop Milieu entstammt und zeitweise als Live Act auf Musikveranstaltungen auftritt. Während einer Veranstaltung am 15. Januar 2017 in Rathenow soll es allerdings schon zu verbalen Streitigkeiten bzw. gegenseitigen Provokationen zwischen dem 35 Jährigen und Mitgliedern des „Bürgerbündnisses“ gekommen sein.

Rathenow: Auseinandersetzung und Unwetter verkürzten Versammlung des rechten „Bürgerbündnisses“

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Eigentlich wollte sich die rechte Vereinigung „Bürgerbündnis Havelland“ am Dienstagabend wieder auf dem Märkischen Platz in Rathenow versammeln, um anlässlich des Tages der Verkündung des Grundgesetzes (23. Mai 1949) Statements zum Thema: „BRD (Sinn oder Unsinn)?“ abzugeben. Es kam allerdings anders. Zunächst wurde durch eine Auseinandersetzung zwischen Mitgliedern des „Bürgerbündnisses“ und einem mutmaßlichen Gegner kurz vor Beginn der Versammlung der Demowagen außer Gefecht gesetzt, dann verzögerten die polizeilichen Ermittlungen den Beginn der Kundgebung und schließlich beendete ein niederschlagsreiches Unwetter die Veranstaltung kurz nach deren Beginn.

Auseinandersetzung vor Kundgebungsbeginn

Die Auseinandersetzung soll, sich laut dem Vereinsvorsitzenden des „Bürgerbündnisses Havelland“, der auch selbst Befroffener gewesen sein soll, bei der Fahrt vom Vereinssitz zum Versammlungsort zu getragen haben. Demnach soll eine männliche Person, die auch namentlich benannt wurde, zunächst versucht haben, den Demowagen der Vereinigung mit seinem Fahrrad stoppen. Anschließend soll der Tatverdächtige, so jedenfalls der Vorsitzende des „Bürgerbündnisses Havelland“ während eines kurzen Redebeitrages auf der improvisierten Kundgebung auf dem Märkischen Platz, den Klein-Lkw bespuckt und im weiteren Verlauf der Auseinandersetzung mit dem Fahrrad beschädigt haben. Zudem sei der Vereinsvorsitzende auch verbal bedroht worden.

Die Polizei bestätigte inzwischen, dass es einen Einsatz im Zusammenhang mit dem Lkw des „Bürgerbündnisses Havelland“  gab. Details wurden allerdings nicht genannt.

Bekannt ist aber, dass es zwischen dem Hauptbetroffenen und dem Tatverdächtigen bereits in der Vergangenheit Auseinandersetzungen gab. Am 15. Januar 2017 provozierte beispielsweise das „Bürgerbündnis Havelland“ während eines von der Rathenower Zivilgesellschaft organisierten Neujahrsfestes, indem es die Teilnehmenden ablichtete. Der Tatverdächtige der Auseinandersetzung mit dem Demowagen trat damals Live-Act auf. Dabei positionierte sich der Mann damals eindeutig gegen das rechte „Bürgerbündnis“. Die anwesenden Mitglieder sollen sich daraufhin jedoch beleidigt gefühlt und Anzeigen bei der Polizei erstattet haben.

Unwetter verkürzte Versammlung

Trotz der Auseinandersetzung um den Demowagen versuchte das „Bürgerbündnis Havelland“ am Dienstagabend an der Veranstaltung einer stationären Kundgebung festzuhalten. Da Technik und Equipment aber offenbar erst auf Ersatzwagen umgeladen werden mussten, verzögerte sich der Versammlungsbeginn um 20 Minuten. Auch die Versammlungsleitung wurde ausgewechselt, da der Vereinsvorsitzende, offenbar wegen der polizeilichen Ermittlungen, erst später eintraf.

Nach dem Abspielen der Brandenburg-Hymne und der Verlesung der polizeilichen Auflagen durch den neuen Versammlungsleiter Ralf Maasch begann die Kundgebung nun offiziell. Der inzwischen eingetroffene Vereinsvorsitzende beklagte dann in einem Statement vor allem den vermeintlichen Angriff auf seine Person und den Demowagen. Er wurde jedoch alsbald durch den einsetzenden Starkregen unterbrochen.

Als letztes ergriff dann noch einmal Ralf Maasch das Wort und wies auf kommende Versammlungen, darunter eine Solidaritätsaktion für den Holocaustleugner Horst Mahler am kommenden Sonntag in Berlin sowie einen Aufmarsch der extrem rechten „Identitären Bewegung“ im Juni 2017 in der selben Stadt hin. Nach zehn Minuten endete dann die kürzeste Versammlung des „Bürgerbündnisses Havelland“ bisher. 25 Personen hatten sich daran beteiligt.

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2017.05.23 Rathenow - Buergerbuendnis Havelland (14)

Rathenow: Vortrag und Meinungsaustaustausch zu Syrischem Bürgerkrieg

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In Rathenow hatte am Mittwochabend das zivilgesellschaftliche Aktionsbündnis „Miteinander, Füreinander“ zu einem Vortrag über den syrischen Bürgerkrieg geladen. Aus der Informationsveranstaltung wurde ein Meinungsaustausch, der viele Fragen zu einem vernünftigen Ausgang aus diesem komplexen Konflikt erkennen ließ. Inmitten der syrischen Dystopie keimt allerdings auch Hoffnung, wie das Beispiel eines Schulprojektes in Kobané zeigt.

Syrien-Krieg ohne Ende?

Unter dem Motto „Syrien – Krieg ohne Ende?“ hatte das Aktionsbündnis: „Unser Rathenow-Miteinander-Füreinander“ zu der Vortragsveranstaltung im Kulturzentrum geladen, zu der ungefähr 100 Menschen, darunter viele junge Leute, kamen. Nach einer musikalischen Introduktion durch ein deutsch-syrisches Ensemble und der Einleitung durch die Moderation begann sodann der eigentliche Vortrag zum syrischen Bürgerkrieg. Zur Veranschaulichung der komplexen Zusammenhänge dieser Auseinandersetzung hatte das Aktionsbündnis den Falkenseer Pädagogen Matthias Hofmann als Referenten geladen. Dieser zeigte anhand einer Bildschirmpräsentation ruhig, sachlich und in der Wortwahl sehr anschaulich, welche unterschiedlichen Interessen in dem Konflikt eine Rolle spielen. Klar und deutlich arbeitete er vor allem heraus, dass der Krieg in Syrien längst nicht mehr nur landesinterne Dimensionen hat, sondern auch im Kontext einander gegensätzlicher machtpolitischer Erwägungen anderer Staaten, Regional- und Großmächte, steht. Dabei spielten, laut Ansicht des Referenten, vor allem vielschichtige und vor allem einander widerstrebende ökonomische, militärstrategische, religiöse, nationalistische und separatistische Interessen der am Konflikt beteiligten Parteien eine Rolle.

Frieden: ja, aber wie?

Der erhellende Vortrag hinterließ im Auditorium vor allem eine Forderung aufkeimen: das in Syrien endlich über Frieden verhandelt werden sollte. Wie dies aber konkret Geschehen soll und was dafür getan werden kann, war anschließend Gegenstand verschiedener Meinungsäußerungen. Demnach sahen die meisten vor allem die Großmächte in der Pflicht, andere hingegen herausragende Persönlichkeiten aus der syrischen Gesellschaft, so es denn welche gäbe.
Eine weitere Möglichkeit wurde zudem von Moderator Thomas Weidlich vom Mobilen Beratungsteam in Potsdam ins Spiel gebracht. Seiner Meinung nach, gäbe es für Wählende durchaus Möglichkeiten auf die Kandidaten für die anstehende Bundestagswahl zu zugehen und diese zu einem stärkeren Engagement der Bundesrepublik bei Friedensverhandlungen aufzufordern.
Aufgrund der vielfachen und zum Teil recht lebhaften Meinungsäußerungen sowie daraus folgender Zwiegespräche gelang es letztendlich aber nicht, tiefer in die Diskussion einzusteigen und sich beispielweise auf einen Weg zu einigen. Zurecht fragte ein Schüler deshalb sinngemäß in die Runde, was er denn überhaupt aus diesem Abend mitnehmen solle.

Eine Schule für Kobané

Doch Ohnmacht allein wollte Referent Matthias Hofmann mit seinem Vortrag nicht hinterlassen. Er zeigte nun auf, dass es durch persönliches Engagement auch außerhalb des großen politischen Parketts möglich sei, in einem Land in dem ein grausamer Bürgerkrieg herrscht, Menschlichkeit zu fördern. Dies beweise beispielsweise ein Schulprojekt in syrischen Kleinstadt Kobané, das von Matthias Hofmann initiiert wurde.
Trotz des fortlaufenden Bürgerkrieges soll dort ein neues Schulgebäude entstehen, um künftigen Generationen nach dem Krieg wieder ein Fundament für ein normales Leben im Frieden zu ermöglichen. In der Vergangenheit wurde für die Umsetzung dieses Projektes insbesondere in Berlin und Brandenburg Geld gesammelt und später Vorort investiert. Momentan befindet sich beispielsweise die Bodenplatte des Gebäudes in Fertigstellung.
Impuls für den Aufbau der Schule soll, laut Mathias Hofmann, übrigens ein Foto aus der Zeit der Schlacht um Kobané gewesen sein. Dieses soll eine Frau zeigen, die während der erbitterten Gefechte um die Stadt, in einem Keller Kinder unterrichtete, während in den oberen Geschossen der Frontkampf tobte. Das Ausharren der Menschen, trotz des grausamen Treibens um sie ringsherum und der Ausdruck von Hoffnung für ein Leben nach dem Krieg beeindruckte schließlich die Schulinitiative so nachhaltig, dass sie sich sofort engagierte.

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2017.05.17 Rathenow - Veranstaltung zum Syrischen Buergerkrieg (8)

Rathenow: Versammlung des rechten „Bürgerbündnisses Havelland“

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An  einer Versammlung der rechten Vereinigung „Bürgerbündnis Havelland e.V.“ nahmen am Dienstagabend in Rathenow ungefähr 25 Personen teil.

Es wurden fünf Redebeiträge zu unterschiedlichen Themen gehalten. Neben allgemeinen Fragen und der Suche nach Perspektiven für das Bürgerbündnis standen vor allem typischen Reichsbürger-Hypothesen zu Fragen der Rechtmäßigkeit des Grundgesetzes im Vordergrund der Reden.

Ein weiterer Themenschwerpunkt war der 8. Mai als Tag der Befreiung. Ein Redner äußerte sich dazu ausführlich und vermengte dabei eigene Erinnerungen mit typisch revisionistischen Argumenten. Letztendlich verneinte er den 8. Mai als „Tag der Befreiung“. Allerdings wird sein Publikum für solchen Themen auch innerhalb des „Bürgerbündnisses“ kleiner.

Die „Autonomen Nationalisten“, die sich noch vor wenigen Wochen regelmäßig bei den Dienstagabendveranstaltungen der Bündler offen als Neonazis zu erkennen gaben, scheinen jedenfalls nicht mehr an deren öffentlichen Versammlungen teilzunehmen. Die braune Splittergruppe bzw. deren Hinterlassenschaften sind jedoch nach wie vor im Stadtbild präsent. Ein größeres Werbeplakat sollen sie unlängst mit neonazistischen Parolen verziert haben.

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Presseservice Rathenow – Freier Journalist >>> Recherche * Fotografische Dokumentation * Information >>> Themen: Gesellschaftspolitik, Neonazismus, Fußball