Nauen: Solidaritätsplakat für Holocaustleugnerin entfernt

Fotos: Private Zusendung

Ein aufmerksamer Bürger bemerkte gegen 9.45 Uhr eine beschrifte weiße Stofffläche an einem Geländer der Bahnhaltestelle Nauen. Auf dem Banner forderten Unbekannte die „Freiheit“ für die rechtskräftig verurteilte Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck. Der Bürger entfernte geistesgegenwärtig die Stofffläche mit dem Slogan und übergab diese, nach eigenen bekunden, der Polizei.
Einer weiteren Person soll das Banner ebenfalls aufgefallen sein. Diese sprach außerdem von ähnlichen Propagandamitteln in der Innenstadt und an Schulen. Eine erste Erkundung konnte weitere Aktivitäten der unbekannten Haverbeck-Sympathisierenden jedoch nicht bestätigen.
Es ist allerdings nicht das erste mal, dass sich in der Region mit der inhaftierten Holocaustleugnerin solidarisiert wird. Erst im März forderten Neonazis im Rahmen einer unangemeldeten Versammlung auf einem Kasernengelände in Wustermark OT Elstal die Freilassung von Haverbeck.
In Dortmund (Nordrhein-Westfalen) beabsichtigen Neonazis im Laufe des heutigen Tages zudem mehrere Mahnwachen für die u.a. wegen Volksverhetzung Verurteilte durchzuführen.
Haverbeck gilt als Symbolfigur des bundesweit aktiven neonazistischen Milieus.

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Rathenow: Extrem rechte Versammlung zum 17. Juni / Lokales PEGIDA-Spektrum will sich REPUBLIKANERn anschließen

2018.06.17 Rathenow Buergerbuendnis Havelland Tag der Patrioten (25)
Unter dem Banner der REPUBLIKANER vereint: Extrem rechte PEGIDA-Akteure aus Thüringen, Sachsen, Niedersachsen, Brandenburg und Berlin

Im Rahmen der bundesweiten Kampagne „Tag der Patrioten“ versammelten sich auch in Rathenow Personen des extrem rechten PEGIDA-Spektrums. Die stationäre Kundgebung fand am Sonntagnachmittag auf dem Märkischen Platz statt. Ein Großteil der 40 Teilnehmenden reiste allerdings aus Berlin, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Sachsen und Niedersachsen an.

Lokaler Veranstalter war die extrem rechte Vereinigung „Bürgerbündnis Havelland“ mit ihrem Vorsitzenden Christian Kaiser. Dieser erklärte in seinem Redebeitrag, dass die Veranstaltung bewusst am 17. Juni stattfand, um an den „Volksaufstand“ im Jahre 1953 in der DDR anzuknüpfen. Rückblickend auf die lokalen Ereignisse in jener Zeit, verherrlichte Kaiser die damalige Hetzjagd auf einem ehemaligen Angehörigen der Kriminalpolizei in Rathenow. Am 17. Juni 1953 wurde dieser Mann nach einer Demonstration angepöbelt und verprügelt. Später wurde versucht ihn im Schleusenkanal zu ertränken. Der Mann erlag später seinen Verletzungen im Krankenhaus. Der ehemalige Polizist war während des Nationalsozialismus in einem Konzentrationslager inhaftiert und gab nach dem Krieg Informationen über vermeintliche und tatsächliche Nazis aus Rathenow an die sowjetischen Behörden weiter. Der Vorsitzende des „Bürgerbündnisses“ bezeichnete den Mann in seiner Rede als „Stasispitzel“, der „gelyncht“ wurde, weil er es verdient habe. Gleichzeitig deutete Kaiser an, dass es heute immer noch „Stasispitzel“ in der Gemeinde gäbe und am Ende jeder bekommen würde was er verdiene.

Des Weiteren verkündete der Vorsitzende des Bürgerbündnisses Havellandes eV, dass er und eine weitere Person aus der Vereinigung sich den REPUBLIKANERn angeschlossen hätten und für diese anlässlich der Brandenburger Kommunalwahlen 2019 in Rathenow kandidieren würden. Um als Partei dazu sowie zu den Europawahlen antreten zu können, sollen aber zunächst Unterschriften gesammelt werden.

Die REPUBLIKANER gehörten in den 1980er und 1990er Jahren zu den einflussreicheren Parteien innerhalb der extremen Rechten, waren zeitweise im Berliner Abgeordnetenhaus sowie im Europaparlament vertreten und unterhalten Untergliederungen in zwölf Bundesländern. Bei der Bundestagswahl 2013 verfügte die Partei allerdings nur noch über einen Stimmenanteil von 0,2%, 2017 trat sie zudem erst gar nicht an. Dennoch bleiben die REPUBLIKANER im extrem rechten Milieu offenbar attraktiv.

So verkündete u.a. Jens Wilke aus Friedland („Volksbewegung Niedersachsen“) während seines Redebeitrages in Rathenow, dass er auf einem Listenplatz dieser Partei zur Europawahl kandidieren werde. Strategisch gehe es darum auf „allen Ebenen“ zu „kämpfen“, sowohl „auf der Straße“ als auch in den Parlamenten.

Auch der Redebeitrag von David Köckert aus Greiz (Thüringen)  ging in diese Richtung. Der extrem rechte Politabenteurer, der in seiner Heimatstadt u.a. für die NPD in der Stadtverordnetenversammlung saß und die so genannte „Volksbewegung Thügida“ führt, sei ebenfalls den REPUBLIKANERn beigetreten und wolle die Partei als „starke Faust“ im Parlament ausbauen. Während seiner Rede ließ Köckert auch keine Zweifel an seiner Gesinnung, als er TV-Geräte als „Flimmersynagoge“ bezeichnete und vom großen „Austausch“ durch den angeblich geplanten Zuzug von „Starkpigmentierten“ fabulierte.

Am deutlichsten beschrieb gestern aber der Leipziger Redner Alexander Kurth (Ex-NPD, Ex-DIE RECHTE, „Volksbewegung Thügida“) wohin die Reise tatsächlich gehen soll: „Wir werden so lange auf die Straße gehen bis dieses politische System hinweg gefegt ist“.

Fotos hier:

2018.06.17 Rathenow Buergerbuendnis Havelland Tag der Patrioten (1)

 

Berlin: Wenn beim Hosen-Konzert in der Großstadt plötzlich die Dorfnazis neben einem tanzen

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Tausende feierten gestern bis zum bitteren Ende die Punker von den „Toten Hosen“. Unter den Konzertbesuchenden waren aber auch NPD Funktionäre.

Neonazis bei Pop-Punk-Event in der Waldbühne / Akteure aus NPD und Freien Kräften / Security blieb untätig / Klare Botschaften der Bands verpufften

Unter den Teilnehmenden einer Konzertveranstaltung der bekannten Pop-Punkband „Die Toten Hosen (DTH)“ in der Berliner Waldbühne sollen am gestrigen Abend auch Neonazis gewesen sein. Das Berichten zumindest einzelne Fans der Düsseldorfer Musikgruppe und belegen ihre Beobachtungen mit Fotos. Sie seien auch durch die Anwesenheit der Neonazis verunsichert worden. Denn „die Toten Hosen“ engagieren sich eigentlich seit Jahren gegen neonazistische Tendenzen in der Gesellschaft, bezogen symbolisch auch gestern auf der Bühne Stellung. Die alarmierte Security blieb allerdings passiv, beschränkte sich aufs „beobachten“.

NPD Funktionäre und Freie Kräfte im Publikum

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NPD Funktionär Dave Trick (1.v.L, etwas versteckt), dahinter Nick Z. und Franz P (1.v.r) während des „Hosen“-Konzertes in der Berliner Waldbühne

Dabei handelte es sich bei den braunen Konzertteilnehmenden um keine Unbekannten, sondern um einschlägig bekannte Funktionäre und Aktivisten aus Brandenburg. Gestriger Anführer der Neonazi-Gruppe war der Neuruppiner NPD Stadtrat Dave Trick. Er wurde 2014 in die Stadtverordnetenversammlung seiner Heimatstadt gewählt. Während des Wahlkampfes soll er einen linken Wahlhelfer attackiert haben. Deswegen wird noch immer gegen ihn prozessiert. Der Fall ging auch durch die überregionalen Medien.

Trick reiste gestern auch nicht allein an. Er befand sich u.a. in Begleitung von Franz P., dem ehemaligen NPD Ortsbereichsleiter von Brandenburg an der Havel, sowie Nick Z., einem bekannten Akteur in flüchtlingsfeindlichen Initiativen. Alle drei gelten außerdem als Sympathisierende der „Freien Kräfte Neuruppin – Osthavelland“, eine der immer noch aktivsten Neonazi-Gruppierungen im Land Brandenburg.

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Franz P, Nick Z und Dave Trick (v.l.n.r) während einer Neonazikundgebung am 18. März 2018 in Potsdam (Brandenburg)

Dave Trick und Nick Z. sind zudem regelmäßig bei neonazistischen Aufmärschen anzutreffen. Im Februar 2018 beteiligten sie sich u.a. an einer flüchtlingsfeindlichen Kundgebung der NPD in Neuruppin sowie an einem neonazistischen „Trauermarsch“ in Dresden. Am 18. März 2018 veranstalteten Trick und Z. eine Kundgebung zum „Tag des politischen Gefangenen“ in Potsdam, in dessen Zusammenhang sich u.a. auch mit Holocaustleugnenden und Antisemiten offen solidarisiert wurde. Außerdem nahmen beide erst am vergangenen Wochenende am neonazistischen „Tag der Deutschen Zukunft“ in Goslar (Niedersachsen) teil.

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Dave Trick und Nick Z während des „Tages der deutschen Zukunft 2018“ am vergangenen Wochenende in Goslar (Niedersachsen)

Security blieb untätig

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In toten Venen fließt kein Blut: Dave Trick, Nick Z und andere Neonazis suchten gestern in Berlin die Provokation, blieben aber nicht unbeobachtet.

Ganz unerkannt blieben die Neonazis jedoch während des Konzertes nicht. Mehreren Fans der „Toten Hosen“ waren die bekannten Akteure aufgefallen. Dem Presseservice Rathenow zugesandte Fotos belegen das. Einzelne Konzertteilnehmende fühlten sich zudem durch die Teilnahme der Neonazis verunsichert. Eine Beschwerde bei der Security soll aber fruchtlos geblieben sein. Die Sicherheitsleute seien passiv geblieben, wollten sich lediglich auf das Beobachten der Neonazi-Gruppe beschränken.

Klare Botschaften der Bands verpufften

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Deutliches Bühnen-Statement der „Donots“ – aber letztendlich wirkungslos?

Warum die Neonazis überhaupt zum Konzert anreisten, blieb allerdings unklar. „Die Toten Hosen“ bezogen mit ihrem Lied „Sascha“ auch gestern eindeutig Stellung und bekräftigten, dass dieser satirische Anti-Nazi-Song auch nach mehr als 20 Jahren nichts an Aktualität verloren habe. Vorband „Donots“ präsentierten während ihrer Bühnenperformance zudem ein großes durchgestrichenes Hakenkreuz und forderten das Publikum sogar explizit auf, sich mehr gegen Neonazis zu engagieren. Daraufhin folgten einzelne „Nazis raus“-Rufe. Bei anderen Konzertteilnehmenden verpufften die gutgemeinten Slogans aber anscheinend, wandelten sich in leere Worte.

Die im Publikum anwesenden Neonazis fühlten sich von den Positionierungen der Bands jedenfalls nicht angesprochen. Sie sollen beim Mitgrölen einiger Lieder sogar sehr textsicher gewesen sein. Was andererseits aber auch wenig wundert, da zumindest die Songs der Hosen mittlerweile von einem äußerst breiten Publikum, bis hin in konservativen Kreisen geschätzt werden. Andererseits dürfte die Anwesenheit der Neonazis nicht allein auf mangelnde Textinhaltsreflektion in Bezug auf einige Lieder oder klammheimlicher, gar offene Sympathie für andere Lieder zurückzuführen sein, sondern durchaus auch eine strategische Komponente gehabt haben.

Die „Freien Kräfte Neuruppin – Osthavelland“ sind nämlich für ihre provokativen Aktionen bekannt, bei denen auch mit Hilfe von querfrontlerischen Ansätzen neue Aktive geködert werden sollen. Es ist auch nicht das erste Konzert, welches versucht wurde zu unterwandern oder gar für ihre Zwecke zu „kapern“. Bereits im Juli 2014 versuchten Sympathisierende der „Freien Kräfte Neuruppin Osthavelland“, darunter ebenfalls NPD Mann Dave Trick, an einer Veranstaltung der Bands „Broilers“ und „Feine Sahne Fischfilet“ in Berlin-Spandau teilzunehmen. Der Ausflug soll allerdings unrühmlich geendet sein, nämlich mit dem Rauswurf der Neonazi-Gruppe. In einer anschließenden Erklärung versuchten die „Freien Kräfte“ die damalige Provokation allerdings als Erfolg zu verkaufen. Sinngemäß zitiert, sei es ihnen sehr wohl bewusst, dass ein Teil des Erlöses der Eintrittskarten in den Kampf gegen Rechts fließe. Dennoch reize es die Neonazis „dieses Affentheater mit durchgestrichenen Hakenkreuzen und von Freiheit grölenden Punks“ zu besuchen und damit offenbar die Konfrontation zu suchen.

Goslar: Überregionales Neonazi-Treffen dünnt sich weiter aus

Zehnter „Tag der deutschen Zukunft“ in Goslar / Braune Zukunftssuche in der Vergangenheit / 3.000 Menschen bei Gegenprotesten in der Goslaer Altstadt / 200 Neonazis bei Aufmarsch in Georgenberg / Aber: Fortsetzung in Chemnitz geplant

2018.06.02 Goslar - Neonaziaufmarsch TDDZ und Proteste (68)
Die Reihen lichten sich: TDDZ 2018 in Goslar

Am Samstag versuchten Neonazis in Goslar ein größeres Neonazi-Treffen abzuhalten. Mit dem zehnten „Tag der deutschen Zukunft“ (TDDZ) wollte ein Netzwerk aus parteilich gebundenen und „frei“ organisierten Neonazis an ähnliche Aufzüge im Bundesgebiet anknüpfen.

Trotz Jubiläum und besonderer Vergangenheit als nationalsozialistische „Reichsbauernstadt“ gelang es den Veranstaltenden aber lediglich 200 Neonazis nach Goslar zu mobilisieren. Damit setzt sich der Negativtrend dieser Veranstaltungsreihe weiter fort. Im Jahr 2017 kamen nach Karlsruhe noch ungefähr 300 Neonazis zum TDDZ, nach Dortmund im Jahr 2016 sogar noch 910.

Außerdem blieb den Neonazis gestern ein Marsch durch den historischen Ortskern versagt.

In der Goslaer Altstadt demonstrierten gestern nämlich zeitgleich bis zu 3.000 Menschen unter Schirmherrschaft des „Goslaer Bündnisses gegen Rechtsextremismus“ gegen den TDDZ und für eine bunte Zukunft in der Harzregion sowie ein weltoffenes Zusammenwirken unterschiedlicher Menschen und Kulturen.

Braune Zukunftssuche in der Vergangenheit

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Grabanlage von „Reichsbauernführer“ Walther Darré in Goslar. Die nationalsozialistische Vergangenheit der Stadt zog am vergangenen Samstag braune Wallfahrer an.

Die neonazistische Zukunftsvision 2018 wurde hingegen bereits im Vorfeld als Wallfahrt in die braune Vergangenheit angedeutet, als Ausflug in die ehemalige „Reichsbauernstadt“ Goslar beworben.

In den Jahren 1934, 1935, 1936 und 1938 inszenierten die Nazis in der niedersächsischen Mittelstadt die so genannten „Reichsbauerntage“. Darüber hinaus war Goslar Sitz der NS Organisation „Reichsnährstand“ (RNST) und erhielt schließlich den nationalsozialistischen Ehrentitel „Reichsbauernstadt“. „Reichsbauernführer“ Walther Darré erhielt zudem seine letzte Ruhestätte auf dem alten Goslaer Friedhof in der Hildesheimer Straße.

Eine tatsächliche Wallfahrt zu diesen, für sie kultischen Orten blieb den Neonazis am Samstag aber versagt. Die genehmigte Aufmarschroute des TDDZ lag jenseits der markanten, historisch belasteten Orte. Weder durfte sie den alten Friedhof, noch den Bereich der ehemaligen Versammlungshalle der Reichsbauerntage auf dem Kattenberg oder den historischen Aufmarschpunkt der Nazis vor der Kaiserpfalz tangieren.

Die braune Vergangenheit scheint den Behörden aber auch engagierten Menschen in Goslar bewusst. Mit ihr wird sich ausgiebig auseinandergesetzt. Der Verein Spurensuche Harzregion hatte beispielsweise bereits 2002 unter Schirmherrschaft des DGB Ortsverbandes Goslar eine Broschüre publiziert, in dem die Orte der Täter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft benannt sowie die Wohn- und Wirkungsstätten der Opfer gewürdigt wurden.

Bunte Proteste in der Goslaer Altstadt

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3.000 Menschen positionierten sich eindeutig gegen das Neonazi-Treffen

Eine aktive Zivilgesellschaft zeigte sich auch am Samstag. Unter dem Label „Goslaer Bündnis gegen Rechtsextremismus“ wurden Menschen, die sich gegen Neonazis positionieren oder für eine bunte Zukunft demonstrieren wollten, unterschiedliche Anlaufpunkte und Versammlungen geboten.

Erste Veranstaltungen begannen beispielsweise gegen 09:30 Uhr in Form von Gebeten in verschiedenen Kirchen Goslars.

Eine zentrale Protestkundgebung fand dann ab 10.00 Uhr am so genannten Achtermannkreisel in der Nähe des Bahnhofes statt. Hieran beteiligten sich bereits in den ersten Stunden ungefähr 1.800 Teilnehmende.

Später formierte sich hieraus ein Demonstrationszug durch die Goslaer Altstadt. Es wurden Transparente und Plakate verschiedener Vereine und politischer Parteien gezeigt. Die Demonstration endete nach einer halben Stunde wieder am Achtermannkreisel. Dort wurden dann auch über die Mittagszeit sowie im Verlaufe des Nachmittags die Meinungskundgaben der Zivilgesellschaft aufrechterhalten. Die zentrale Message lautete dabei: „Goslars Zukunft bleibt bunt – Kein Platz für Rassismus“. Die Anzahl der Demonstrierenden wuchs auf bis zu 3.000 an.

Geplante Proteste in Hör- und Sichtweite gab es hier allerdings nicht. Die Neonazis wurden kurzfristig über eine andere Strecke geführt.

Außerdem untersagten die Behörden zusätzliche Protestkundgebungen in den Stadtteilen Georgenberg und Jürgenohl.

Neonazi-Marsch in Georgenberg

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Neonazi-Zug durch Goslar-Georgenberg

Ein Verbot des Neonazi-Aufmarsches kam für die Stadt Goslar hingegen nicht in Frage. Nach Ansicht des ersten Stadtrates gegenüber einem regionalen Newsportal, sei die Demonstrations- und Meinungsfreiheit ein hohes Gut der demokratischen Verfassung und der Weg der Kooperation für die Stadt der verträglichere Weg.

Ein in der Demokratie üblicher pluralistischer Meinungsstreit, im Sinne von Rede und Gegenrede, wurde den Teilnehmenden der verschiedenen Versammlungen jedoch aber anscheinend nicht zu getraut. Die gegensätzlichen Veranstaltungen seien zu emotional aufgeladen, so die Leiterin der Goslaer Polizeiinspektion ebenfalls gegenüber dem regionalen Newspoartal.

Daraufhin wurden klare Trennlinien mit deutlichem Abstand zueinander geschaffen und den Neonazis in diesem Zusammenhang Goslar-Georgenberg als Versammlungsort zugesprochen.

Der  – aus polizeilicher Sicht – relativ leicht kontrollierbarer Stadtteil hatte eine städtebauliche Abgrenzung zu Gebieten mit anderen Versammlungen durch eine Bahnstrecke im Süden und eine Bundesstraße im Norden.

Startpunkt der neonazistischen Veranstaltung zum TDDZ war der Bahnhof Goslar. Dort begann die Versammlung mit einer Auftaktkundgebung. Später formierten sich die überwiegend aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Baden Württemberg, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen, Brandenburg und Berlin, vereinzelt aber auch aus Mecklenburg-Vorpommern und Bremen zugereisten Versammlungsteilnehmenden zu einem Aufmarsch und zogen über eine kurze Strecke durch Georgenberg.

Neben freien Kräften dominierten vor allem Parteistrukturen der NPD/JN und DIE RECHTE die Veranstaltung. Letzt genannte Organisationen scheinen in jüngster Zeit, so bereits am 20. und 21. April beim „Schild und Schwert“ (SS)- Festival im sächsischen Ostritz und zum Aufmarsch am 1. Mai im thüringischen Erfurt, verstärkt zusammenzuarbeiten und die momentan tragenden Säulen der Veranstaltungsreihe „Tag der deutschen Zukunft“ zu sein. Zwar wurde der TDDZ in Goslar zunächst durch das so genannte „Kollektiv Nordharz“, eine Gruppierung von „Autonomen Nationalisten“, vorangetrieben. Nach dessen Auflösung setzten aber Sympathisierende des neugegründeten Parteiverbandes „DIE RECHTE – Großkreisverband Süd-Ost-Niedersachen“, des NPD Kreisverbandes Goslar und der JN Niedersachsen  die Bewerbung fort.

Fortsetzung in Chemnitz geplant

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Propaganda für den nächsten Aufzug im Jahr 2019

Trotz des Bedeutungsverlustes der Kampagne „Tag der deutschen Zukunft“ streben die Organisierenden offenbar eine Fortsetzung der Veranstaltungsreihe an. Während ihrer Abschlusskundgebung in Goslar warben zumindest Neonazis für einen TDDZ am 1. Juni 2019 im sächsischen Chemnitz.

weitere Fotos hier:

https://www.flickr.com/photos/presseservice_rathenow/albums/72157667649437467

Rathenow: Haverbeck-Solidarität und Chemtrails

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An einer Versammlung der extrem rechten Vereinigung Bürgerbündnisses Havelland beteiligten sich am Montagabend 25 Teilnehmende. Die stationäre Kundgebung stand unter der Losung: „Merkel muss weg“.

Neben den üblichen Hetztiraden gegen die Bundeskanzlerin, gegen die Presse und gegen Flüchtlinge waren während der abendlichen Veranstaltung auch deutlich geschichtsrevisionistische und antisemitische Züge in den Reden erkennbar. Gleich die erste Rednerin, eine „Elke Metzner“ aus Berlin, solidarisierte sich mit der rechtskräftig verurteilten Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck. Des Weiteren sagte die zugereiste BÄRGIDA-Aktivistin wörtlich: „Ob es den Holocaust in dieser Form gegeben hat oder nicht, ist in Anbetracht dessen, was unsere wahre Existenz bedroht vollkommen nebensächlich.“ Im Kerne stelle, ihrer Ansicht nach, der Islam das eigentliche Problem da und Antisemitismus nimmt Frau Metzner lediglich bei Linken oder arabischen Geflüchteten war.

Doch auch bei anderen Redenden war ein antisemitischer Unterton erkennbar. Insbesondere bei Verschwörungstheorethiker Wolfgang Hoppe, ehemaliger Kassenwart des Bürgerbündnisses. Er bezog wieder ausgiebig zu so genannten „Chemtrails“ Stellung und fantasierte diese zu einer großen Konspiration, hinter der CIA, Mossad etc. stecken könnten.

Demonstrativ eingereiht in diese illustre Runde hatte sich auch der umstrittene Berliner AfD Funktionär Lutz Urbanczyk. Er ermutigte die Versammlungsteilnehmenden ihre Aktivitäten fortzusetzen und posierte anschließend Hand in Hand mit „Elke Metzner“ für ein Foto. Ein eindeutiges Symbol für den Schulterschluss zwischen AfD und extremer Rechte.

Fotos auf Flickr:

https://www.flickr.com/photos/presseservice_rathenow/albums

Brandenburg an der Havel: Mahnwache gegen Gewalt

2018.05.04 Brandenburg an der Havel, Mahnwache gegen Gewalt (6)

70 bei Mahnwache nach gewalttätigen Übergriff / Zeichen gegen Gewalt / AfD in Lauerstellung

Im Rahmen einer Mahnwache versammelten sich am frühen Freitagabend ungefähr 70 Menschen vor dem Hauptbahnhof in Brandenburg an der Havel. Mit mehreren Schildern protestierten sie für ein „Leben ohne Gewalt“ und „mehr Sicherheit“. Die Veranstaltung war von einer Privatperson initiiert worden, die nicht näher genannt werden wollte. Die Polizei war mit mehreren Einsatzfahrzeugen vor Ort.

Versammlung nach Gewalttat

Anlass der Mahnwache war ein gewalttätiger Übergriff auf Schüler am Brandenburger Hauptbahnhof. Gemäß der Darstellung in einer Lokalzeitung, sollen die 14 und 15 Jahre alten Jugendlichen von unbekannten Tätern angegriffen und erheblich verletzt worden sein. Der 15 Jährige musste daraufhin mit schweren Kopfverletzungen in ein Brandenburger Klinikum eingeliefert werden. Laut der Lokalzeitung, die sich auf einen Polizeisprecher bezieht, soll es sich bei den mutmaßlichen Tätern „möglicherweise“ um „Russen“ gehandelt haben. Des Weiteren werden die gesuchten Verdächtigen als 16 bis 22 Jahre alte  Jugendliche „südländischen Typs“ beschrieben. Einen genauen Hinweis haben die Ermittelnden aber offenbar noch nicht. Zum Motiv ist ebenfalls nichts bekannt.

Zeichen gegen Gewalt

Der 15 jährige Betroffene  hat indes das Krankenhaus inzwischen wieder verlassen. Er nahm am Abend an der Mahnwache teil. Seine Kopfverletzung war allerdings noch erkennbar. Der relativ groß und kräftig wirkende Jugendliche, der zur Mahnwache mit einem weißem Pullover der umstrittenen Modemarke „YAKUZA“ erschien, wurde herzlich von den Demonstrierenden begrüßt.

Als gesellschaftspolitisches Statement wollte Brandenburgs bekannter Kampfsportkünstler Sebastian Kopke, ein Fürsprecher und Teilnehmer der angemeldeten Aktion, die Veranstaltung jedoch nicht sehen. Die Mahnwache solle lediglich als ausdrückliches Zeichen gegen Gewalt verstanden werden. Hier versammle sich die Mitte der Gesellschaft, so Kopke. Linke und rechte Symboliken seien ihmzufolge deshalb auch nicht erwünscht gewesen. Die Kleidung der Teilnehmenden sollte neutral weiß sein. Aufrufe asylfeindlicher Initiativen aus Potsdam, sich an der Mahnwache zu beteiligen, erteilte Kopke zudem eine klare Absage. Er sei froh, dass die Polizei vor Ort war, um gegebenenfalls gegen derartige Bestrebungen vorzugehen.

AfD in Lauerstellung

Deutlich vor Ort präsent waren jedoch bekannte Lokalakteure der Brandenburger AfD, darunter der Kreisverbandsvorsitzende und Stadtverordnete Axel Brösicke sowie dessen Stellvertreter Manfred Friedrich, der vormals u.a. der extrem rechten DVU angehörte. Sie kamen mit mindestens sechs bis acht, Sympathisierenden zur Mahnwache,  hielten sich aber an die vorgegebene neutrale Kleiderordnung und traten nicht offen als Partei in Erscheinung.

Ebenfalls anwesende, augenscheinlich linksalternativ orientierte junge Leute, welche die Veranstaltung aus der Distanz beobachteten, blieben der Mahnwache dagegen fern. Ein Sprecher der Linksalternativen verwies auf einen Socialmedia-Beitrag des Veranstalters der Versammlung gegen Gewalt hin, in dem dieser, kurz nach dem Überfall auf die Jugendlichen, Stimmung gegen Migranten machte. Der Text liegt als Screenshot vor, wurde aber mittlerweile aus dem Netz genommen.

Stattdessen schrieb der Veranstalter in einer neueren, virtuellen Einladung zur Mahnwache, dass er und seine Sympathisierenden „keine Nazis“ sein. Dies hatte jedoch auch bisher niemand behauptet.

Der Veranstalter soll aber, so sagen es lokale Experten aus Brandenburg zumindest, AfD-nah sein  und Kontakt zu deren Kreisverband pflegen.

Fotos auf Flickr:

2018.05.04 Brandenburg an der Havel, Mahnwache gegen Gewalt (5)

Rathenow: Extrem rechtes Bürgerbündnis will wieder aktiver werden

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Nach einigen Wochen Pause setzte die extrem rechte Vereinigung „Bürgerbündnis Havelland“ am Dienstagabend ihre Versammlungsreihe auf dem Märkischen Platz in Rathenow fort. Die stationäre Kundgebung stand unter dem Motto: „Merkel muss weg“. Sie sollte offenbar an ähnliche Veranstaltungen in Hamburg, Mainz und Berlin anknüpfen, die seit kurzem regelmäßig stattfinden.

Neue Sympathisierende konnte das „Bürgerbündnis“ dabei jedoch nicht akquirieren. Die insgesamt 27 Teilnehmenden stammten aus Rathenow, Premnitz, Beetzsee, Brandenburg an der Havel sowie Berlin und sind seit Monaten, einige seit Jahren, im PEGIDA-Milieu aktiv.

Auch die Reden der vier Vortragenden hatten den üblichen Charakter. Beleidigende und extrem rechte Äußerungen, mehrere Redende sprachen von „Umvolkung“ und äußerten sich rassistisch, eine weitere Person deutete u.a. den „Hitlergruß“ an, gingen einher mit der Ankündigung künftig mehr in der Kommunalpolitik mitmischen zu wollen. Dazu kündigte der Vereinsvorsitzende und ehemalige Bürgermeisterkandidat Christian Kaiser die Bildung einer Wählergemeinschaft anlässlich der im kommenden Jahr stattfindenden Kommunalwahlen an. Genaueres nannte er aber nicht. In seinem Redebeitrag skandierte er jedoch heute die NPD Parole „Sozial geht nur National“.

Darüber hinaus besuchten Kaiser und weitere Mitglieder des Bürgerbündnisses bereits am vergangenen Mittwoch einen Stammtisch der AfD im Rathenower Restaurant „Harlekin“.

Eine ursprünglich für denselben Tag im Internet angekündigte Versammlung unter dem Motto: „Merkel muss weg“ fiel jedoch ohne Angabe von Gründen aus. Die Veranstaltung sollte vor dem „Harlekin“, auf dem Märkischen Platz stattfinden.

Trotz der momentan geringen Anziehungskraft der Versammlungen des „Bürgerbündnisses“ soll dieses Veranstaltungskonzept offenbar auch in den nächsten Wochen fortgesetzt werden. Diesbezüglich kündigte Kaiser u.a. an nun im Zwei-Wochen-Rhythmus jeweils Montags Kundgebungen in Rathenow abhalten zu wollen. Die Polizei solle sich schon einmal auf weitere Überstunden einstellen, so der Chef des Bürgerbündnisses.

Fotos: https://www.flickr.com/photos/presseservice_rathenow/albums/72157694770730604

Presseservice Rathenow – Freier Journalist >>> Recherche * Fotografische Dokumentation * Information >>> Themen: Gesellschaftspolitik, Neonazismus, Fußball